Vanlife & Arbeit kombinieren, auch im Alltag frei sein!

Donnerstag: (04-05.06.2021)

Aus beruflichen und privaten Gründen hatte ich dieses mal keinen Brückentag genommen, sodass weiter wegfahren nicht drin war. Mit dem Bus war ich trotzdem unterwegs und Radfahren selbstverständlich auch. Es sind auch zwei sehr schöne Touren dabei herauskommen, bei denen ich tolle Fotos aufnehmen konnte.
Am späteren Mittwochnachmittag war ich in der Umgebung von Trier unterwegs, da ich dort für einen Tag mein Homeoffice aufgeschlagen hatte. Für den Anfang bin ich der Trier – Wittlich Verbindung vom Eifel Graveller gefolgt und habe dabei mal ein paar extra Schleifen eingebaut, welche mich schon länger interessieren.

Felsenweiher bei Ernzen

Dabei führte mich mein Weg an der Hochburg und der Geierslay vorbei, von denen es einen traumhaften Weitblick über die Eifel und das Kylltal zu genießen gibt. Auch die Genovevahölhe und die Burg Rammstein lagen mal wieder auf meinem Weg, das Highlight bildete allerdings das Butzerbachtal. Dieses steht schon länger auf meiner Liste mit Sehenswürdigkeiten, welche ich besuchen möchte, aber bis jetzt bot sich noch keine Gelegenheit dazu. Wohl auch, weil das Butzerbachtal ein reiner Wanderweg ist und ich mein Fahrrad eigentlich nur geschoben und getragen habe. Die Mühen war es aber allemal wert, führte der Weg durch diese Schlucht doch über ganz viele Brücken und vor allem galt es zwei Hängeseilbrücken zu überwinden. Auch jede Menge Wasserfälle und atemberaubende Natur gibt es dort zu genießen, sodass es absolut empfehlenswert ist.
Um noch eine weitere Schleife, auf die andere Seite des Kylltals Richtung Eifel zu drehen, fehlte mir leider die Zeit und es ging über die Straße zurück. Zwei Kilometer vor meinem Ziel erwischte mich dann noch ein heftiges Gewitter. Auch die Straße wo ich hin wollte, fand ich nicht auf Anhieb, sodass ich doch glatt die Garminfunktion “zurück zum Ziel” benutzen musste. Endlich angekommen, sah ich aus wie ein begossener Pudel und konnte das Wasser aus meinen Fahrradschuhen kippen.

Burgruine Balduinseck
Wasserfall im Butzerbachtal

Na ja, nachdem ich mal alles wieder trocken gelegt hatte, ging es noch am Abend Richtung Echternach. Dies ist nur ein Katzensprung von Trier entfernt und dort hatte ich noch einen Track offen, welchen ich bei meinem letzten Besuch nicht mehr geschafft hatte zu befahren.
Diesen nahm ich dann am Feiertag unter meine Reifen, wobei ich zum ersten Mal für dieses Jahr mein Gravelbike dabei hatte. Dieses wieder zu bewegen, war doch ganz schön ungewohnt, wo ich seit Monaten eigentlich nur mit dem Traktor unterwegs war. Die wesentlich schmaleren Reifen, keine Federgabel und den Dropbarlenker, wodurch speziell das Bremsen sich echt anders anfühlt, daran musste ich mich erst mal gewöhnen. Auch bietet dieses Rad bei weitem nicht so viele Reserven wie mein 29er. Mit dem Gravelbike muss wesentlich sauberer und präziser gefahren werden. So ganz ist mir das noch nicht gelungen, gerade auf den nassen Trails, konnte man mich des Öfteren mal laut fluchen hören oder in den Büschen liegen sehen.
Großen Spaß hat die Tour trotzdem gemacht. Gerade der Felsenweiher bei Ernzen stellte sich als ganz tolles Highlight heraus, wo es viel zu sehen und zu erkunden gab. Auch die tollen Felsformationen des Muellertals verlieren nie ihren Reiz oder durch diese Felsschluchten mit dem Fahrrad zu fahren.

Hängeseilbrücke im Butzerbachtal
Blick von der Hochburg

Leider hatte ich meine Verpflegung im Bus vergessen, wobei ich auch gedacht hätte, dass es Möglichkeiten zum Verköstigen unterwegs gibt. Dem war aber leider nicht so, sodass ich erst nach 70 Kilometern in Irrel ein Café fand. Dort habe ich dann mächtig zugeschlagen, was Kuchen, Eis und Kaffee anging. Ansonsten hätte ich den letzten Anstieg hoch zum Dinosaurierpark, wo mein Bus stand, nicht mehr geschafft.
Schade das ich nur zwei Tage in der schönen Gegend um Trier und Luxemburg bleiben konnte und heute wieder die Arbeit rief. Gerade dieses wieder zurückkommen und Umschalten auf mein normales Leben, fällt mir in letzter Zeit Zusehens schwerer. Ich war allerdings auch sehr viel unterwegs in den letzten Wochen, es gab wenig Zeit der Ruhe oder alles mal zu reflektieren.

Burg Ramstein

Die letzten Wochen war mein Kopf sehr oft einfach platt, ich oft schrecklich müde und alles sehr anstrengend. Obwohl ich mir sehr bewusst Pausen und Auszeiten gegönnt habe, auch wesentlich weniger Fahrrad als die letzten Jahre gefahren bin.
Trotzdem kämpfe ich ständig dagegen, mich nicht zu verlieren und bei mir zu bleiben. Dieses Gefühl zu wenig Zeit zu haben und dadurch nichts und niemandem gerecht zu werden, nagt doch sehr die letzte Zeit an mir. Mich so gehetzt und getrieben zu fühlen ist nicht besonders angenehm.
Dabei war jetzt überhaupt nichts Schlimmes oder besorgniserregendes in der letzten Zeit passiert, eher so der alltägliche Kleinmist, über den ich mich oft so ärgere, der mich nervt und einfach anstrengend ist.
Vieles ist auch einfach nur Gedankenkino und zu viel Nachgrübeln. Dort muss ich die nächste Zeit mehr ansetzen. Dinge mal liegen lassen, fünf gerade sein lassen und Abstand bekommen. Die letzte Zeit habe ich einfach sehr viel gemacht, auch zum Teil um einfach beschäftigt zu sein und auch ein bisschen die Leere zu füllen. Hauptsache etwas leisten, auch wenn es eigentlich unnötig war.

Den Standort und die Perspektive ein bisschen wechseln ist mal wieder angesagt, mich mehr auf die wichtigen Dinge konzentrieren oder was ich eigentlich will. Mich nicht so in dem klein/klein und diesem Selbstwert-Perfektions-Ding verlieren.
Vor allem mehr auf die Dinge schauen, welche ich erreicht und das Würdigen was ich habe. Nicht immer daran denken, was ich nicht erreichen oder noch haben will. Dadurch lebe ich nicht im Hier und Jetzt, sondern irgendwo in der Zukunft.
Mein Glück oder meine Ausgeglichenheit von etwas Abhängig zu machen, was ich noch erreichen will, ist totaler Quatsch. So wird man nie zufrieden werden, weil es dann immer einen nächsten Punkt gibt, den ich erreichen möchte. Das ist so wie der Esel der hinter der Karotte herrent.
Lieber auf die Dinge konzentrieren, welche mir Spaß und Freunde bereiten, mir wichtig sind, anstatt mich über Sachen zu ärgern, welche im Moment halt so sind, zurzeit nicht anderes funktionieren oder ich gar keinen großen Einfluss darauf habe.

Blick von der Hochburg
Felsenweiher bei Ernzen

Das Gleiche gilt für Menschen! Anstatt mich über Menschen zu ärgern und aufzuregen, die ich nicht mag, mir krumm gekommen sind oder die ich einfach doof finde, sollte ich lieber mehr nach den Menschen schauen, die mir etwas bedeuten und wichtig sind.
Anders wird es wohl nicht funktioniere, dass nicht alles so an mich heran und zu nahe kommt. Wahrscheinlich bin ich zu empfindlich, weshalb ich einfach mehr auf meine Grenzen und das Innen & Außen achten muss.

Samstag: (08-09.06.2021)

Diese Woche konnte ich meine Arbeit und das Vanlife wieder wunderbar miteinander verbinden. Vor allem konnte ich es nutzen, um mich mit dem MTB in unbekannten Gebieten rumzutreiben. Gerade das Entdecken von neuen Landschaften und Gebieten liebe ich am meisten am Fahrradfahren. Dabei ist für mich persönlich das Fahrrad, das perfekte Fortbewegungsmittel dafür. Stellt es doch die perfekte Mischung aus Entfernungen überwinden und trotzdem noch ganz viele Details bemerken zu können dar. Außerdem ist ein sehr gesunder Weg um abzuschalten, mich auszupowern und in meine Mitte zu kommen.

Autobahnbrücke über den Rhein bei Bendorf
Der Turm die Alarmstange
Tunnel der Brexbachtalbahn

Gerade nach einem Tag am Laptop, den ganzen Tag nur Schaltpläne und Exceltabellen, ist dies meist auch dringend nötig und ein hervorragender Ausgleich. Draußen zu arbeiten fehlt mir bei meiner jetzigen Arbeit schon oft. Wobei bei Minusgraden im Winter oder großer Hitze im Sommer war das auch nicht schön.
Diesmal führten mich meine zwei Feierabendtouren in den Westerwald. Ein Gebiet, in dem ich noch nicht wirklich oft unterwegs war und es mich noch nie besonders hingezogen hat. Warum genau, vermag ich noch nicht einmal genau zu sagen. Um es schon mal vorweg zu nehmen, die beiden Touren waren super was Natur, Landschaft und Trails angeht.

Blick vom Köppel

Allerdings sieht man an den Tannenwäldern, von denen es ziemlich viele im Westerwald gibt, was die letzten beiden Sommer und der Klimawandel schon alles angerichtet haben. Vor allem rund um den Köppel und der Alarmstange, welche mit 540 Metern die höchsten Berge der Montabaurer Höhe darstellen ist es ist erschreckend, die riesigen Waldflächen zu sehen, welche abgeholzt wurden und nun wieder aufgeforstet werden. Es wird Jahrzehnte dauern, bis dort wieder dichter Wald steht und die Natur sich erholt hat.
Außerdem besuchte ich an beiden Tagen das Brexbachtal, wo ich zu Zeiten, als ich noch in Koblenz wohnte, schon mal des Öfteren unterwegs war. Am ersten Tag fuhr ich es von Grenzau aus hinunter und am zweiten Tag von Bendorf aus hinauf. Seit meinem letzten Besuch dort, der bestimmt 20 Jahre zurückliegt, hat sich dort einiges an Wanderwegen getan, sodass es eine reiche Auswahl an Routen gibt. Der Trail durch das Brexbachtal ist wirklich allererste Sahne. Sehr abwechslungsreich und er erfordert auch schon ein bisschen Fahrkönnen, zumindest wenn man schneller unterwegs ist.
Schade ist, dass die Bahnlinie im Brexbachtal nicht mehr regelmäßig befahren wird. Es gibt wohl einen Verein, welcher sich um die Reaktivierung und den Erhalt der Strecke kümmert, aber es sah jetzt nicht so aus, als ob dort oft Züge verkehren. Dabei ist die Strecke von Engers nach Siershahn, nicht nur ein Traum für Eisenbahnfans. Mit ihren 36 Viadukten und 7 Tunnels stellt sie eine wahre Ingenieurskunst dar, wenn man bedenkt, dass die Strecke 1884 in Betrieb ging.
Überhaupt war ich überrascht über die Anzahl an Trails und auch was die Höhenmeter angeht, muss sich der Westerwald absolut nicht verstecken. Des Weiteren lagen etliche Burgen, Seen und Reste vom Limes auf meinem Weg. Es gibt auch dort viel zu entdecken und einige Highlights.

Blick auf den Koppel

Wie es ausschaut, muss ich meine “Vorurteile” gegenüber dem Westerwald wirklich mal überdenken und mich im nächsten Jahr, mal eingehender mit dieser Gegend beschäftigen. Ist sie doch nur einen Steinwurf von der Mosel entfernt und ziemlich einfach von mir aus zu erreichen.
Auch sonst tat mir dieses reduzierte Leben im Bus mal wieder richtig gut. Ich bin immer noch ziemlich damit beschäftigt, in meiner Mitte zu bleiben und vor allem meinen Stresslevel zu reduzieren. Wieso der so hoch ist in der letzten Zeit und ich mich oft so überfordert fühle, kann ich gar nicht wirklich benennen. Vielleicht sind es noch die Nachwehen des Winters und von diesem ganzen Corona Lockdown, wobei da wohl noch ein paar generellere Dinge mit reinspielen. Es gibt so ein paar fundamentalere Dinge, welche ich gerne in meinem Leben verändern würde. Eigentlich weiß ich es ziemlich konkret. Dies muss ich aber erst für mich ganz klar reflektieren und in mich hineinhorchen. Gerade irgendwelchen Impulsen folgen oder mich in irgendwelchen Träume zu verrennen, muss ich äußerst aufpassen, da ich mit meiner Impulsivität immer ein wenig aufpassen muss. Allerdings alles zerdenken und bis in das kleinste Detail zu analysieren, bringt auch keinen Schritt voran.

Vielleicht sollte man die Dinge einfach mal benennen und auf den Punkt bringen. Ohne diese direkt zu bewerten oder in die Konsequenzen zu gehen. Einfach mal eine Sache aussprechen, sie stehen und wirken lassen.
Ausgesprochen sieht vieles meist lange nicht mehr so bedrohlich aus, wie wenn es nur in meinen Kopf rotiert. Es verliert dann ganz schnell viel von seinem Schrecken und Befürchtungen werden zerstreut.
Oft sehen andere dieses Problem als gar nicht so riesig oder schlimm an, wie man selbst. Ideen sind meist gar nicht so abwegig, wie man sie selber empfindet. Da bin ich schon ziemlich oft äußerst überrascht worden, wie andere darauf reagieren, was in meinem Kopf so kreist.
Oder wie oft habe ich schon gedacht, damit komme nur ich nicht klar oder habe ein Problem. Wird es dann aber mal angesprochen, ist jeder am Nicken oder empfindet ähnlich. Das Problem ist nur, dass sich oft niemand traut etwas zu sagen. Aus Angst als schwach oder unfähig angesehen zu werden.

Eisenbahnviadukt im Brexbachtal

Vor allem in der heutigen Gesellschaft, wo alles auf Leistung und Selbstoptimierung ausgerichtet ist, passt das Eingestehen von Schwächen oder nicht zu wissen, was man machen soll, nicht wirklich ins Bild. Aber über diese Themen habe ich mich schon zu genüge ausgelassen und werde trotzdem nicht müde, mich damit zu beschäftigen.
Na ja, wie immer ist in meinem Kopf viel los und es dreht sich so einiges darin. Aber auch das ist in Ordnung, weil es eigentlich eine Stärke von mir ist, auch wenn mich mein Gedankenkino oft sehr nervt, anstrengend ist und mich auch manchmal eingeschränkt.
Wünsche euch noch eine schöne restliche Woche, denn heute ist schon Bergfest und die Zeit zum nächsten Wochenende ist kürzer, wie die zum Letzten. Und dreimal dürft ihr raten, wo mich mein nächstes Wochenende hinführt?

„Es ist das, was du daraus machst“

2 Comments

  • Titus von Unhold

    „Es wird Jahrzehnte dauern, bis dort wieder dichter Wald steht und die Natur sich erholt hat.“

    Die Natur kennt menschliche Maßstäbe wie Jahrzehnte und Erholung nicht, sondern sie ist einfach. Die Flächen werden bereits nach zwei Jahren ein vielfaches an Artenreichtum beherbergen als dies der alte Lebensraum Fichtenmonokultur je getan hat. Aus forstwissenschaftlicher Sicht ist das der naturtnahste Zustand den man in der europäischen Kulturlandschaft erreichen kann, denn vor der Erfindung der Feuerwehr haben regelmäßig Stürme durch Windwurf und Blitzschlag dafür gesorgt dass solche Flächen entstehen, heute ist es eben der durch Dürre geförderte Käfer.

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