Der Taunus Teaser

Freitag: 29.05.2020:

Ein Track, welcher schon lange ganz oben auf meiner Wunschliste steht, ist der Taunus Teaser. Dieser entstammt der Trackfeder meines Freundes Jesko von Werthern, welcher auch das Taunus Bikepacking organisiert.
Der Taunus Teaser ist sozusagen die kleine Schwester von der großen Taunus Bikepackingstrecke und gut an einem Wochenende zu bewältigen. Darüber hinaus für mich super von Koblenz zu erreichen, da ich einfach nur die Lahn hoch radeln muss.
An den Taunus und vor allem an Taunus Bikepacking habe ich viele schöne Erinnerungen. Dort habe ich viele Menschen kennengelernt, mit denen ich heute immer noch in Verbindung stehe. Viele habe ich auf ähnlichen Events wieder getroffen oder sie standen bei meinem eigenen Event, dem Eifel Graveller am Start.
Dieser Event war sowas wie die Geburtsstunde des Eifel Gravellers. Die Idee eine Strecke in der Eifel anzubieten, geisterte schon länger in meinem Kopf herum und Jesko gab mir die letzte Inspiration. Er hatte sein Event mit ganz viel Liebe zum Details gestalltet, allem seine Handschrift verliehen und sich rührend um jeden Fahrer gekümmert. Er kam nachts um 03:00 Uhr zur Kapelle hoch geradelt, um mich in Empfang zu nehmen und mir zu meinem Finish zu gratulieren. Das waren vier völlig verrückte und vor allem heiße Tage, damals im August, welche mir vorkommen als hätten sie erst gestern stattgefunden.
Nochmal vielen Dank Jesko für den tollen Event, die vielen Erlebnisse und Erfahrungen, welche ich erleben und sammeln durfte. Von einigen zerre ich noch heute, lassen mich schmunzeln und geben mir ein gutes Gefühl.
Eigentlich wollte ich in zwei Wochen zum Treffen der Taunus Bikepacking Ausgabe 2020 und auch ein paar Tage beim Event mitfahren. Leider ist dies wegen Corona zur Zeit nicht möglich und Jesko hat das Event auf Anfang September verschoben. Ich drücke ihm die Daumen, dass es dann stattfinden kann.
Allerdings ein Jahr, ohne das ich einen Abstecher in den Taunus mache, sollte es bei mir dann doch nicht geben. An Pfingsten ist es sowieso das Beste die Mosel zu verlassen, wobei flüchten trifft es besser.
Mein Innen & Außen waren in dieser Woche sowieso nicht besonders im Einklang. Menschen und Nähe waren mir schnell zu viel, auch wenn ich mich auf der anderen Seite oft alleine und verlassen fühlte. Manchmal passt mein Innen & Außen einfach nicht so gut zusammen und es gilt dies wieder in Einklang zu bringen!
Deshalb nix wie weg an Pfingsten, wenn hier an der Mosel völliger Ausnahmezustand herrscht, was Touristenmassen, Wohnmobilkarawanen, Motorradfahrer und Radtouristen angeht. Für einem Menschen wie mich, der die Ruhe und Stille der Natur liebt, bei dem große Menschenansammlungen schnell eine Panikattacke bekommt, geht Pfingsten an der Mosel gar nicht. Das letzte Wochenende an der Mosel hat mir schon gereicht und ich konnte mich dem Eindruck nicht erwehren, die Menschen waren 40 Jahre eingesperrt, so wie ehemaligen Bewohner der DDR, so viel war hier in der Gegend los.
Dabei hat gerade der völlig aus dem Ruder gelaufene Tourismus und diese Billigfliegerei, einen großen Anteil an der Verbreitung des Coronavirus und das es bestimmte Regionen so hart getroffen hat. Man erinnere sich nur an den Infektionsherd in Ischgel, der wohl massgeblich an der Verteilung in Europa beteiligt war. Davon abgesehen habe ich diesen ganzen Ballermann Urlaub noch nie verstanden, wie diesen ganzen künstlich erzeugten Wintersport. Es ist ein Wahnsinn was in den Skiregionen für eine Energie und Ressourcen verschwendet werden, nur damit dort Ski gefahren werden kann. Dabei sind gerade die Alpen durch den Klimawandel schon sowieso völlig in Mitleidenschaft gezogen und stehen vor dem ökologischen Kollaps. Aber genug zu solchen Themen, ich komme lieber wieder auf meine Fahrt in den Taunus zurück.
Mit meinem Arbeitgeber bin ich heute Nachmittag nach Koblenz gefahren, dann gemütlich die Lahn hoch geradelt, um hinter Nassau in den Track des Taunus Teaser einzusteigen. Eigentlich stehe ich nicht besonders auf Flussradwege, diese sind mir einfach zu langweilig. Da fährt man sich die Augen vor den Kopf und sieht immer dasselbe, außerdem flach und keine Höhenmeter. Diese Radwege sind auch oft völlig überlaufen, so dass man mehr mit ausweichen und aufpassen beschäftigt ist, als die Landschaft und das Radfahren zu genießen. Wobei ich zugeben muss, der Lahntalradeweg, gehört noch zu den Interessanteren. Hinter Bad Ems wird das Lahntal sehr schmall, fast schon wie eine Schlucht. Der Radweg führt auch oft am Hang entlang, weil im Tal durch die Strasse und Eisenbahn nicht viel Platz ist. Auch die vielen Schleifen der Lahn und die kleinen alten Dörfchen machen diesen Radweg recht interessant. Mit Diez und Limburg durhfährt man noch zwei sehr shöne Städte, welche eine schöne Altstadt zu bieten haben.
Mir war das flache radeln auf dem Flussradweg heute gerade recht. Ich war sowieso mehr mit meinem Inneren beschäftigt, wie mit dem Außen und da kam dieses monotone radeln gerade recht.
Heute Abend habe ich auch mal früh Schluss gemacht mit strampeln und die erst beste Hütte genommen. Es ist so ein toller sonniger Abend, die Vögel zwitschern und der Wind streift durch die Felder. Ich habe einen tollen Weitblick über den Taunus und lasse einfach ein bißchen die Seele baumeln, tanke auf und fühle mich frei.

Samstag: (30.05.2020)

Was für ein toller, anstrengender und fordernder Tag im Taunus. Geweckt wurde ich von schönsten Sonnenschein und dem Gezwitscher der Vögel. Zeitig hatte ich am Morgen meine Sachen zusammen gepackt und mein Fahrrad beladen. Schnell hatte ich das historische Weilburg erreicht, welches sowohl für Autos, die Eisenbahn und für Boote einen Tunnel zu bieten hat. Heute war das Terrain schon mehr nach meinem Gusto, viele Höhenmeter, da hatte Jesko von Werthern nicht zuviel versprochen und weniger Asphalt gab es auch. Mit der Zivilisation kam ich nur beim Einkaufen in Kontakt, was mir auch voll auf genug war, da Einkaufen in Coronazeiten nur stressig ist. Jeder Laden hat eine andere Regelung und die Leute sind völlig elektrisch!Um auf den großen Feldberg zu gelangen, verließ ich den Track, den diesen konnte ich mir nicht entgehen lassen. Er ist schließlich mit 880 Meter, der höchste Berg im Taunus. Das wäre ja wie ein Besuch in Hamburg und nicht im Miniatur Wunderland gewesen zu sein. Mit dem Pferdskopf ging es nochmal richtig hoch hinaus auf 634 Meter, wo es auch noch einen 34 Meter hohen Turm gab. Nicht nur die Berge sind im Taunus höher, sondern auch die Türme. Aber wir wissen ja alle, die Länge ist nicht entscheidend! Der Tag bot auch reichlich Gelegenheit zum Nachdenken, etwas das gerade beim Radfahren bei mir sehr gut funktioniert. Vor allem konstruktiv und nach vorne Denken und nicht so dieses destruktive Gedankenkino, welches mich in der Enge des Alltags oft überfällt.Gerade die letzten 1 1/2 Wochen ließ ich nochmal Revue passieren, wo ich mal wieder sehr in meinen Gedankenspiralen gefangen war. Mein Innen und Außen passte nicht gut zusammen, meine innere Anspannung war sehr hoch und auch mein Level an Angst nicht wirklich angenehm. Nach dem langen Hoch und einer sehr stabilen Zeit, sah es ziemlich nach dem Anfang einer Krise aus. Gerade das Außen, dass im hier und jetzt sein, bereiten mir dann große Schwierigkeiten, weil es sich anfühlt wie hinter Glas zu sitzen, so als wäre ich gar nicht präsent, alles wie in Watte.In umgekehrter Richtung stürmen alle Eindrücke und Geräusche völlig ungefiltert auf mich ein und werden schnell zu einem völlig überforderten Bombademon. In diese Richtung gibt es dann kaum einen Filter oder Abgrenzung für mich.Dann einen Cut machen, mich versuchen aus der Situation zu ziehen und nicht mit noch mehr Aktion und Gewusel versuchen zu kompensieren und wieder ins Gleichgewicht zu kommen, ist dann ganz wichtig. Wenn es ganz schlimm ist, einfach mal die Decke über den Kopf ziehen, die Welt aussperren und versuchen zu schlafen. Meisten ist das Gewitter dann vorübergezogen und alles nicht mehr so gefährlich. Leider ist dies nicht immer so möglich, dann heißt es auch oft einfach mal aushalten oder schauen wie ich sonst einen Break hin bekomme. Mittlerweile bin ich da ganz gut darin geworden und habe so meine Skills und Fähigkeiten entwickelt, um wieder runter, zu mir und in die Welt zu kommen. Dies ist aber ein Thema für sich.Den genauen Auslöser für diese komische Woche weiß ich selber nicht so genau. Das ist wohl wie bei jedem anderen, mal hat man eine bessere und mal eine schlechtere Woche, ohne einen ersichtlichen Grund. Zur Zeit habe ich mich um jede Menge Kleinscheiß zu kümmern, welcher einfach zum Leben gehört. Solche Dinge wie Steuererklärung, Reparatur meines Autos und so weiter, welche zu dem zusätzlichen Alltag kommen, den jeder zu bewältigen hat. Dinge die keiner wirklich gerne macht, ohne die es aber trotzdem nicht geht. Wobei mir wohl am meisten zu schaffen macht, dass alles wieder hochgefahren wird und wir zur Normalität zurückkehren. Vor allem so, als wäre nichts gewesen, wir machen einfach weiter wie vorher. Alle wieder rein in das Hamsterrad, dass sich jetzt noch schneller drehen muss, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen und wieder voll auf Wachstumskurs zu gelangen.Auch das Pflegepersonal und die Mitarbeiter im Einzelhandel sind wieder vergessen; für die wurde ja geklatscht, dass reicht ja dann mal. Auf solche Themen wie Rettung der Lufthansa, wie sich die Automobilindustrie aufführt oder was bestimmte Medien im Moment veranstalten, möchte ich gar nicht weiter drauf eingehen und thematisieren. Vieles widert mich einfach nur noch an und macht mich sprachlos, wie Lügen und Dreistigkeit oft siegen. Dabei wäre es eine Chance für Veränderung gewesen oder einfach mal “etwas anders machen”. Veränderung findet nicht einfach statt, sie ist ein Prozess des Ausprobierens und mal einen anderen Weg beschreiten.Denn zu dem zurück was ich hatte, wo ich herkomme, kann ich immer. Bloß will man da ja eigentlich nicht mehr sein oder hinkommen, sondern etwas Verändern. Zum Beispiel wie bei mir gesund werden/bleiben oder zumindest auf Dauer stabil, um mal wieder zurück auf mich zu kommen.Denn gerade Veränderung kostet viel Kraft, löst Angst aus und zeigt selten direkt Wirkung und Erfolg. Es wird oft erst einmal schlimmer und noch komplizierter. Eine Therapeutin sagte in einer Klinik mal zu mir: “Ob sie essen oder nicht, es geht ihnen so oder so schlecht, Herr Loosen. Aber wenn sie essen sind sie wenigstens gesund!” Wobei sich gesund auf mein Gewicht und körperliche Verfassung bezog. Die Psyche benötigt meist viel länger zum Heilen oder für eine Veränderung.Die Frau sollte allerdings recht behalten, auch wenn ich in diesem Moment dachte: “Du blöde Kuh, du hast gut reden!” Und nach einem holprigen Start den wir hatten, hat sie dann vor allem vieles ganz anders mit mir gemacht. Oft genau das Gegenteil von dem, wie ich es in Kliniken gewohnt war und eigentlich mit Klientel wie mir “umgegangen” wird. Durch dieses “anders machen” und vor allem mir das Gefühl zu geben, sie vertraut mir, dadurch hat sie mich völlig bekommen und mich dazu gebracht mich einzulassen.Allerdings als sie danach in meinem Abschlussgespräch fragte, warum sie so vieles andere gemacht hat und nicht so typisch Lehrbuch mäßig, hat sie geantwortet: “Herr Loosen, wenn ich ehrlich bin, wussten wir auch nicht was wir mit ihnen machen sollten, da sie psychisch und physisch in so einer schlechten Verfassung waren, da haben wir sie einfach mal machen lassen und geschaut was passiert!” Da habe ich dann erst einmal geschluckt und gedacht: “Manchmal muss man einfach Glück haben!”Viele dieser Sätze und Ereignisse habe ich nicht vergessen und gerade in Zeiten wo es mir nicht so gut geht, wie in dieser Woche, ist es unheimlich wichtig, mich wieder an solche Dinge zu erinnern und sie mir ins Gedächtnis zu rufen. Wobei es auch einige “Spuren” an meinem Körper gibt, welche mir ständige Mahnung sind, wo ich nie wieder hinkommen möchte. Gerade diese automatisierten Gedanken oder Glaubenssätze, welcher jeder im Kopf trägt, umzuprogrammieren ist ein wichtiger Schlüssel. Schreibt sie euch auf, eure negativen Glaubenssätze, textet sie um und hängt sie irgendwo auf, wo ihr oft am Tag hinschaut und lest sie euch dann immer laut vor. Klingt albern, ich weiß, aber vielleicht hilft es! Ich wünsche euch noch einen tollen Sommerabend, genießt das tolle Wetter und wünsche euch schon mal erholsame Pfingsten.

LG Holger

Sonntag: 31.06.2020:

Heute bin ich schon den dritten Tag im Taunus unterwegs und bis Hofheim wurde es ein schwelgen in schönen Erinnerungen, oft mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Der Weg glich ziemlich dem Track vom Taunus Bikepacking 2018. Damals war es der dritte Tag des „Rennens“, ich schon über 20 h unterwegs und wollte unbedingt in dieser Nacht finishen. Gerade die letzten 30 km waren einige der Längsten und Härtesten in meinem Leben. Um kurz nach 03:00 Uhr hatte ich es dann geschafft und das Ziel in Hofheim erreicht. Dort wurde ich mitten in der Nacht von Jesko begrüßt und gratuliert. Ein ganz toller Moment, welchen ich wohl nie vergessen werde.
Dies war der einzige Wermutstropfen bei meiner Ankunft heute in Hofheim, Jesko von Werthern ist der Liebe wegen aus dem Taunus weggezogen und konnte mich nicht persönlich in Empfang nehmen. Als Vertretung kam seine Mutter, worüber ich mich sehr freute, ist sie beim Treffen von Taunus Bikepacking die gute Seele, die sich sehr liebevoll um das leibliche Wohl der Teilnehmer und das Gelingen des Treffens kümmert. Dafür mal ein großes Dankeschön für die viele Arbeit hinter den Kulissen.

Heute hat endlich mal der doch recht starke Wind der letzten Tage nachgelassen, gegen den ich ziemlich zu kämpfen hatte. Das Wetter ist ansonsten immer noch spitze und ich habe meinen Flow gefunden. Viel von meinem inneren Druck, meinen destruktiven Gedanken, meiner lähmenden Angst sind verschwunden. Ich habe mein Tempo, meine innere Ruhe und meinen Frieden gefunden. Die Gedanken kommen und gehen, sie fliegen dahin wie die Kilometer auf meinem Tacho. Nichts bewerten, mich einfach im Hier und Jetzt befinden, mich annehmen und akzeptieren wie ich bin!
Auch meine Beine kurbeln wie automatisch immer weiter, ich atme ganz tief und bewusst ein und wieder aus und bin eins mit mir und der Welt.
Der Track ist abwechslungsreich, bietet viel für die Augen und den Geist.
Wobei die Natur, speziell die Bäume, wie es Ptoatrick Otto in seinem Beitrag zu seiner Fahrt bei „Climb the Eifeltowers“ schon beschrieben hat, durch die Dürre im letzten Jahr furchtbar gelitten haben! Es ist Wahnsinn wie viele kaputte Fichten und Tannen es hier im Taunus gibt. Ich bin wirklich sprachlos, denn das Ausmaß ist schlimmer, wie ich es mir vorgestellt habe. Riesige Flächen sind mit braunen, toten Bäumen bedeckt oder schon abgeholzt. Wer bei diesem Anblick immer noch den Klimawandel leugnet, ihn nicht wahrhaben will oder ihn ignoriert, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. 5 vor 12 ist wahrscheinlich schon vorbei und wenn wir nicht radikal viele Dinge ändern, dann wird es wenig Hoffnung für die Menschheit geben und Corona erscheint im Gegensatz dazu nur wie ein leichter Schnupfen.

Aber ich möchte die Hoffnung noch nicht aufgeben. Hoffnung bedeutet nicht, dass alles wieder gut wird, sondern dass alles einen Sinn hatte.

Auch die Versorgungslage ist hier im Taunus ausgezeichnet. Wenn auf einen Sonntag ein Feiertag folgt, ist die Essensbeschaffung beim Bikepacken in der Eifel nicht gerade einfach, da muss man nehmen was kommt. Hier hatte ich bis jetzt den ganzen Tag die freie Auswahl. Auch wenn mir das wahrscheinlich nicht viele Menschen glauben, aufgrund meiner Vergangenheit was das Essen oder besser gesagt nicht Essen betrifft, ist einer meiner größten Sorgen beim Bikepacken, dass ich nichts mehr zum Futtern finde.
„Du darfst nicht vergessen zu essen“, singen Die Sterne. Der Rest regelt sich dann irgendwann auch. Dies ist auch so ein „Glaubenssatz“, welcher mir hilft, wenn es mir nicht so gut geht, ich mit meiner Körperwahrnehmung und meinem Körpergefühl mal wieder auf Kriegsfuß stehe.
Für heute mal genug von meinen Gedanken, Ansichten und meinen Abenteuern aus dem Taunus. Ich wünsche euch noch einen schönen Pfingstsonntag und Morgen geht es wieder an die Mosel!

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Montag: (01.06.2020)

Heute musste ich dem Taunus leider “Auf Wiedersehen” sagen und es ging Richtung Heimat. Morgen ist (leider) wieder arbeiten gehen angesagt und der Ernst des Lebens!
Dabei war ich gerade so schön in meinen Bikepackingrhythmus angekommen und wäre noch gerne ein paar Tage immer weitergefahren.
Geweckt wurde ich heute Morgen von blendendem Sonnenschein und auch die Vögel waren schon ziemlich laut am zwitschern. Schnell waren meine sieben Sachen gepackt und an meinem Fahrrad verstaut und ich machte mich ans Werk, den Rest des Tracks unter die Reifen zu nehmen.
Auch die erste Bäckerei ließ nicht lange auf sich warten und ich bekam endlich meinen Kaffee, welcher die restlichen Lebensgeister in mir weckte. Ein Stück russischen Zupfkuchen rundet mein Frühstück ab.
Danach begann das übliche auf und durch den Taunus, wobei die Hügel sanfter und nicht so steil sind wie in der Eifel. Rollerberge nennen wir das hier!
Mit dem Dörsbachtal gab es heute nochmal ein richtiges Highlight, an wilder und ursprünglicher Natur, bevor mich der Track zurück an die Lahn führte, wo vor drei Tagen meine Reise begann.
Über Koblenz, wo ich noch meinem größten Schatz einen Besuch abstattete, führte mich mein Weg Mosel aufwärts nach Hause. Zurück fahre ich gerne die ganze Strecke mit dem Fahrrad und nicht so gerne mit der Eisenbahn, wie ich sie auf der Hintour gewählt habe. Das gibt mir Gelegenheit langsam wieder in der “normalen” Welt ankommen und mich auf zuhause einzustimmen. In Hatzenport, 20 Kilometer vor Klotten, ereilte mich zwar noch ein Plattfuß aber dieser war schnell repariert und ich kam pünktlich für Kaffee und Kuchen zu hause an.
Um nochmal auf mein Frühstück und die Bäckerei zurück zu kommen. Ich starte meist so zwischen 7:00 und 7:30 Uhr, wenn ich Touren nur so für mich alleine fahre. Bevor ich die erste Bäckerei ansteuere fahre ich gerne schon mal 20 bis 30 Kilometer, damit ich schon mal ein bisschen Strecke gemacht habe. Dadurch gibt es die erste größere Pause und Frühstück meist so gegen 9 Uhr, zu einer Zeit, wo viele Menschen ihre Brötchen für ihr Frühstück kaufen. Ist ja soweit auch ganz ok! Was ich daran aber richtig schlimm finde, jeder fährt mit seinem Auto zur Bäckerei. Da die meisten in legerer Freizeitkleidung in der Bäckerei auftauchen, sich alle mit Vornamen anreden, gehe ich davon aus, dass alle in dem Ort wohnen. Warum kann ich diese Strecke nicht zu Fuss gehen oder mit dem Fahrrad fahren? Die meisten können ja noch nicht einmal auf dem Parkplatz der Bäckerei parken, sondern stehen auf der Straße oder dem Bürgersteig, man müsste ja sonst 20 Meter vom Parkplatz laufen. Einige lassen sogar während ihres Einkaufs in der Bäckerei ihr Auto laufen, so wie bei einem Banküberfall. Ich will ja auch keinem zu Nahe treten, aber den meisten dieser Personen würde ein bisschen Bewegung und Sport auch gut zu Gesicht zu stehen.
Dabei wäre es so einfach mit kleinen Dingen anzufangen und diese zu verändern. Veränderung besteht aus ganz vielen kleinen Schritten und nicht aus dem Großen Ganzen. Der Trick bei Veränderung ist, sich diese einzuteilen und sich kleine Ziele zu setzen. Denn diese kann ich erreichen und dadurch irgendwann auch mein großes Ziel. Sich den Berg in viele kleine Etappen einteilen und dadurch stehe ich irgendwann auf dem Gipfel. Ich weiß, dass ist auch der älteste und abgedroschenste Therapeutenspruch und befindet sich in jedem zehnten Glückskeks, allerdings nur so funktioniert es.
Denn kleine Ziele motivieren, wenn ich sie erreicht habe, geben mir Kraft und Bestätigung um weiter zu gehen. Jedes Ziel ist auch eine gute Gelegenheit zu schauen, was ich schon alles erreicht habe und wie viel Weg schon hinter mir liegt.
Den genau das hat mir dieses Wochenende gezeigt, wo ich heute stehe, was ich schon alles erreicht und verändert habe.
Ich bin total froh, dass ich am Freitag aufgebrochen bin! Früher wäre ich wahrscheinlich zu hause geblieben, hätte mich mitsamt meiner Angst und destruktiven Gedanken verkrochen. Wäre in dieser Leere und Langeweile, welche oft in mir herrscht, versunken und emotional noch tiefer abgestürzt.
Heute habe ich mich dem gestellt, bin aktiv geworden und dadurch handlungsfähig geblieben.
Auch wenn ich das ganze Wochenende alleine unterwegs war, ich habe mich nie alleine gefühlt. Wäre ich zuhause geblieben, wäre dies das bestimmende Gefühl gewesen.
Dieses Wochenende hat mir aber auch gezeigt, wo ich noch (mehr) hin möchte, was wirklich wichtig ist und woran ich noch arbeiten will.
Deshalb möchte ich mich ganz herzlich bei Jesko von Werthern für den Track bedanken und das du mir den Taunus gezeigt hast. Es ist nämlich verdammt viel Arbeit sich eine solche Strecke auszudenken, kostet ganz viel Zeit und Kilometer bis diese funktioniert. Da er dies aber mit soviel Herzblut und Leidenschaft macht, weiß ich ganz genau, dass es keine Arbeit für ihn war. Den so ist es mit allen Dingen die wir lieben, deshalb sollte es unser bestreben sein, nur noch solche zu tun!
Deshalb wird meine nächste Tour auch nicht lange auf sich warten lassen und diesmal werde ich auch nicht alleine unterwegs sein. Da ich mir ein bisschen Urlaub genommen habe, wird sie auch ein bisschen länger ausfallen und es wird in unentdeckte Welten gehen, denn ich habe neben dem Eifel Graveller ein neues Projekt! Aber genaueres, wer mich begleitet und wo es hin geht, wird noch nicht verraten.
Wünsche euch noch einen schönen Pfingstmontag, hoffe ihr habt euch so gut erholt wie ich, konntet wieder Kraft und Zuversicht schöpfen und habt einen guten Start in die neue Woche!

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„Es ist das, was du daraus machst“

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