Pizza, Pasta, Gelati & Amore (Woche 2)

03.06 – 04.06.2022:

Jetzt ist es schon über eine Woche her, dass ich in Sizilien gelandet bin und meine große Reise begonnen hat. Beim Landeanflug auf Catania war das Erste ein Ikea, was ich von der Stadt gesehen habe. Die ganze Woche bin ich dem Track des Two Vulcano Sprint gefolgt. Dieses Ausdauer Radrennen im Selbstversorger Modus, hat seinen Start in Catania und das Ziel liegt in Neapel. Organisiert wird es von keiner geringeren als Juliana Buhring. Sie war die erste Frau, die den Rekord für das Race Around the World innehatte und stand als einzige Frau beim ersten Transcontinental Race am Start in London. 
Wobei das Zeitlimit für ihr Rennen, mit knapp 5 Tagen, außerhalb meiner Reichweite liegt und ich dies wohl nicht schaffen würde. Da fahre ich den Track lieber im Urlaubsmodus, was schon knackig ist und genieße lieber die Landschaft.
Der Track orientiert sich zum größten Teil am Fahrradweg Ciclovia Parchi Calabria. Übersetzt heißt das soviel wie, Radweg der kalabrischen Naturparks. Dieser ist im Original 545 km lang und führt durch die Nationalparks Aspromante, Sila, Pollino und Serre. Die ersten drei genannten habe ich schon durchquert. Jeder war beeindruckend und bot ganz viel Natur vom Feinsten.

Vor allem ist mir keinerlei Tourismus aufgefallen. Autos ohne italienisches Kennzeichen konnte ich an zwei Händen abzählen. Selbst am Lago Arvo, wo ich direkt am Ufer gezeltet habe, war nichts los. Völlig tote Hose! Mir zwar völlig unverständlich, weil es da so traumhaft schön war und die Gegend eigentlich völlig überlaufen sein müsste. In den Nationalparks gibt es allerdings auch keine Themenwanderwege, Rangerstationen und diesen ganzen gastronomischen Klimbim, wie zum Beispiel im Nationalpark Eifel. Hier gibt es einfach nur Natur und Landschaft. Jeder muss schauen, was er daraus macht, es gibt keine vorgefertigten Konzepte, wo einfach konsumiert werden kann. Manche Nationalparks in Deutschland erinnern mehr an einen Freizeitpark als sie der Erholung und dem Schutz der Natur dienen.

Auch von den Preisen her ist es hier völlig günstig. Ein Cappuccino und eine Cola für drei Euro findet sich in Deutschland nirgendwo. Wobei sich das, je weiter ich in den Norden komme, wohl ändern wird. 
Die letzten Tage gab es was die Höhenmeter angeht, richtig was in Beine. Vor allem gestern, als es am frühen Nachmittag hoch auf den Monte Pollino ging. Dort führte auch ein Bahntrassenradweg hinauf. Gesehen hatte ich diesen schon am Fuße des Passes. Es standen aber nirgendwo Schilder, wo er genau hingeht. Auch mit Maps wurde ich nicht schlauer und entschied mich für die Straße. Was soll ich sagen, der Radweg führte genau in das Dorf wo ich hin musste. Dabei verlief er malerische durch ein paar Tunnels und über Viadukte. Vor allem hätte ich mir locker 150 Höhenmeter gespart, weil er weiter unterhalb durch einen Tunnel führte wie die Straße. Diese konnte ich mir mit LKW’s und Bussen in der prallen Sonne teilen. Einzig das Visualisieren von Eis und Fanta in meinem Kopf ließ mich den Anstieg erklimmen. Kurz vor der Passhöhe, in einem Restaurant, gab es die beiden Sachen dann für mich und dazu nicht ein Stück Kuchen. Am nächsten Tag wäre das Spiel mit dem Bahntrassenradweg fast wieder gleich gelaufen. Diesmal habe ich ihn allerdings zum größten Teil genutzt. Eine kräftige Steigung hatte er trotzdem und ich musste ganz schön in die Pedale treten. Genau wie früher die Heizer, welche die Kohle in den Kessel schippen mussten, kam auch ich mächtig ins Schwitzen.

Nachdem ich vom Monte Pollino abgefahren war, rollte ich noch ein paar Kilometer dahin, bevor ich beschloss, es wäre genug für heute und auch mal Zeit für ein Hotel. So langsam konnte ich mich selbst nicht mehr ertragen, was meinen Geruch und mein Aussehen betraf. Vor allem gingen mir die einigermaßen sauberen Kleidungsstücke aus und es war dringend geboten zu waschen. In der nächsten Ortschaft war schnell ein Hotel gefunden, ich durfte mein Fahrrad mit aufs Zimmer nehmen und es gab sogar eine Badewanne. Nachdem ich mich zuerst geduscht hatte, die Farbe des Wasser möchte ich gar nicht weiter beschreiben, weichte ich mich in der Wanne genüsslich ein. Anschließend wurde meine Kleidung komplett gewaschen und ich kam mir vor wie neu geboren.
Besonders gut gefiel mir am Abend mein Kellner im Restaurant. Dieser stolzierte den ganzen Abend mit Stolz geschwellter Brust und erhobenem Kopf durch das Restaurant und schlawenzelte um die Tische. Er war ein total netter und zuvorkommender Kerl. Allerdings hätte er auch ab und zu mal auf den Boden schauen sollen und wo er hinläuft, dann wäre er nicht ständig gegen einen der Tische gestoßen und hätte etwas heruntergeworfen.

04.06 – 05.06.2022:

Ich dachte so was Schlimmes wie Pizza mit Pommes und Würstchen können sich nur die Deutschen ausdenken und verkaufen. Wer so einen Frevel in Italien anbietet, der bekommt ein Paar Betonschuhe und wird im Meer versenkt. Aber weit gefehlt, hier bekommt man diese Pizzavariation an jeder Ecke. Das sogar noch in geilster Qualität aus dem Holzofen.
Dafür sucht man Spagettieis ziemlich vergebens, wovon ich persönlich ein großer Fan bin. Das hat dann wohl der Deutsche erfunden.
Die letzten beiden Tage bin ich immer noch dem Track des Two Vulcano Sprint gefolgt. Allerdings orientiert sich dieser mittlerweile am La Via Silente, dem stillen Weg. Auf diesem Radweg kann man auf 600 km das gesamte Gebiet der Nationalparks Cilento, Vallo di Diano und Alburni erkunden.
Die Highlights waren zwei heftige Anstiege, zum einen hinauf zur Statua del Redentore und zur Santuario Dolla Madonne di Novi Velia.
Bei der Statua del Redentore (Christus von Maratea) handelt es sich um eine einundzwanzig Meter hohe Christusstatur, welche auf dem 623 Meter hohen Monte San Biagio steht. Das Ganze erinnert schon ein bisschen an Rio de Janeiro und den Zuckerhut. Wie ich aber zugeben muss, eine Nummer kleiner. Der Anstieg war trotzdem heftig, bei dem es zum Schluss über etliche Kunstbauten ging.

Er war allerdings nur eine kleine Beinübung, gegen das, was mich am Sonntag erwartete. Schon von weitem, es waren bestimmt 10 km, konnte ich das riesige Eisenkreuz auf dem Berg sehen. Es lagen allerdings noch zwei Hügelketten dazwischen und wie ich da hochkommen sollte, war mir schleierhaft. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon 1.300 Höhenmeter auf dem Tacho, allerdings erst 40 km gefahren. Beim Blick den Berg hinauf schwante mir böses und ich sollte nicht enttäuscht werden.
Nachdem ich endlich den Fuß des Anstiegs erreicht hatte, wurde es fies. Ständig Rampen von 15 % und mehr. Mit meinem 25 kg Traktor, kein besonderer Spaß. Ein paar Mal wurde es mir zu bunt und vor allem zu heiß, da habe ich mein Fahrrad mal ein Stück geschoben. Nachdem ich endlich den Parkplatz für die Autos erreicht hatte, dachte ich, es wäre geschafft. Dem war aber nicht so. Erst kam noch ein Stück gepflasterte Straße, welche auch nur schiebend zu überwinden war und dann noch ein Kreuzweg. Dieser war typisch katholisch angelegt, um die Menschen zu schinden und zu quälen. Das soll angeblich die Demut und Frömmigkeit erhöhen. Bei mir allerdings nicht! Mich macht das wütend, stachelt mich an und jetzt erst recht. Wahrscheinlich bin ich deshalb kein Mitglied mehr in dieser Glaubensvereinigung mehr. Aber die katholische Kirche ist ein anderes Thema und diese Diskussion möchte ich nicht aufmachen.
Drei Kreuze habe ich trotzdem geschlagen, nachdem ich endlich oben angekommen war. Mein Garmin zeigte 60 km und 2.300 Höhenmeter an. Zuerst musste ich dringend etwas essen und mich mal ein bisschen in den Schatten legen, bevor ich die Wallfahrtsstätte näher in Augenschein nahm. Was an dem Heiligtum der Madonna del Monte Sacro von Novi Velia so besonders ist, fand ich nicht heraus. Dort oben war kaum etwas los und bis auf die zwei gastronomischen Betriebe alles geschlossen.

Dafür war die Abfahrt umso schöner und ruck zuck war ich wieder unten, der Ausflug zur Madonna stellte eine Sackgasse im Track dar.
An diesem Abend fuhr ich noch recht lange, bis ich endlich etwas zum Abendessen fand. Mein Weg führte mich zwar ständig durch kleine Dörfer, aber da Sonntag und dazu noch Pfingsten war, hatte alles geschlossen. Irgendwann fand ich eine Bar, die selbstgemachte Hamburger angeboten. Eine willkommene Abwechslung zu Pizza und Pasta. Es wurde noch ein sehr lustiger Abend, denn nach und nach trudelte dort das halbe Dorf ein. Es waren auch ein paar jüngere Leute darunter, welche Englisch konnten und so kamen wir ins Gespräch. Ein Bier gab es auch noch und ich konnte mal ein paar Dinge erfragen, welche mir bis dato noch nicht so ganz begreiflich waren
Vor allem wie man sich in Italien begrüßt und verabschiedet. Klar, es gibt Buangiorno und Arrivederci. Aber so einfach ist das nicht! Viele sagen auch Salve zur Begrüßung oder Chau. Wobei Chau auch zum Verabschieden verwendet wird. Das Ganze hat wohl damit zu tun, ob man sich kennt, befreundet ist oder es offiziell sein soll. Ich muss aber zugeben viel schlauer bin ich nicht geworden, weil diese Erklärung nicht wirklich dazu passt, was ich so erlebe. Ich habe ja noch ein paar Wochen hier in Italien und das werde ich schon noch herausfinden. Für einen Deutschen hält mich hier eh keiner.

06.06 – 08.06.2022:

Landschaftlich war am Montag wohl der bis jetzt schönste Tag auf meiner Reise. Kurz vor Salerno fuhr ich aus den Bergen hinab ans Meer und dann nur noch die Amalfiküste entlang.
Mehr Italien und Postkartenidylle geht nicht. Die kleinen Ortschaften, welche wie an einer Perlenschnur am Meer entlang verlaufen und bis hoch in die Berge reichen. Dazwischen wilde Felsformationen und immer wieder spektakuläre Blicke auf das Mittelmeer. Das Auge hatte den ganzen Tag Spaß und ich konnte mich an der Landschaft nicht satt sehen. 
Zum ersten Mal seit 1 ½ Wochen traf ich deutsche Urlauber. Es war schön, mich nochmal in meiner Muttersprache zu unterhalten.
Fahrrad technisch war der Tag ein Alptraum. Am Abend hatte ich das Gefühl, ich bin 150 km auf den Kölner Ringen gefahren. Dass es an der Amalfiküste nicht jeden Tag zehn Tote im Straßenverkehr gibt, grenzt an ein Wunder. Autos, Busse, LKW’s und dazwischen wuseln gefühlt 100 Roller. Richtig lustig wurde es dann in den kleinen Dörfern. Da hält jeder an, wie er es möchte, es wird einfach rausgefahren oder irgendwelche Sachen verladen. Völlig verrückt und ich mittendrin mit meinem bepackten Esel. Wobei ich sagen muss, keiner fährt aggressiv oder rücksichtslos gegenüber Radfahrern. In Deutschland bin ich da ganz anders gewohnt.

Blick auf die Amalfi Küste
Auf dem Vesuv

Richtig stressig wurde es als ich nach Neapel kam. Dort endete der Two Vulcano Sprint und ich konnte den Track der Italy Divide laden. Normalerweise geht der Two Vulcano Sprint noch über den Vesuv, den wollte ich aber lieber auf der Strecke der Italy Divide in Angriff nehmen.

Wie oben schon erwähnt, Neapel war schrecklich. Ein Verkehrsgewuseel sondergleichen und überall liegt Müll herum. Das mit dem Müll scheint wirklich ein italienisches Problem zu sein. Allerdings in Neapel war es besonders schlimm. Dabei sind die Italiener so ein stolzes Volk, gerade was ihre Kultur und Lebensweise angeht. Allerdings was die Verschmutzung der Umwelt betrifft, das ist pure Schweinerei. Anders kann ich es leider nicht ausdrücken und es fehlt an Charakter. Alles ist zudem völlig heruntergekommen, marode, und so lieblos gestaltet. Von italienischem Design, ist nicht viel zu sehen. 
Neapel hat mir richtig zugesetzt. Am Abend war ich nur noch angeekelt und froh mich in mein Zelt verkriechen zu können. Mein Kopf war auch ziemlich platt, von der ganzen Ambivalenz, welche ich den ganzen Tag hatte geboten bekommen. Auf der einen Seite diese schillernde und landschaftlich perfekte Amalfiküste und im krassen Gegensatz dazu, Neapel. Dort zu leben, könnte ich mir in keiner Weise vorstellen. Weder an dieser traumhaften Küste und schon gar nicht in diesem Moloch Neapel. 
Am nächsten Tag war ich froh Neapel verlassenen zu können und mit dem Vesuv stand ein absolutes Highlight auf meinem Programm. Dieses musste von mir allerdings hart erarbeitet werden. Der Aufstieg auf den Vesuv war eine riesige Quälerei. Dies hatte ich schon in Vorfeld von Teilnehmern der Italy Divide gehört. Es war steil und in dem feinen Lavasplitt, war sowohl Radfahrern wie auch Fahrrad schieben, keine angenehme Beschäftigung. Von der Natur her war es völlig faszinierend dort oben. Es gab viele verkohlte Bäume und dazwischen blühte es in allen Farben. Trotzdem war ich froh, als es an die Abfahrt ging und ich wieder Richtung Zivilisation brauste.

Nach dieser Bike & Hike Kraftanstrengung ging mein nächster Weg in die erste Bar, welche am Wegesrand lag. Ein Cappuccino und eine Fanta waren dringend vonnöten. Nachdem die Betreiber verstanden hatten, dass ich Deutscher und kein Engländer bin, bekam ich sofort Fotos von ihrer Lieblingssendung gezeigt. Sie waren riesengroße Fans von Sturm der Liebe. Anscheinend ist diese Sendung total beliebt in Italien. Ich persönlich müsste mir noch die erste Folge anschauen und hoffe inständig, die Italiener halten das nicht für den deutschen Alltag. Ebenso ist mir schleierhaft wie man mich für einen Engländer halten kann?

Ansonsten bin ich heute weiter der Italy Divide gefolgt. So wirklich hat mich der Track noch nicht in seinen Bann gezogen. 
Bis jetzt bestand dieser zu 95 % aus Asphalt. Dadurch komme ich natürlich schnell voran, aber ich hatte mir etwas anderes vorgestellt. Es ging durch viele Städte und über große Verkehrstrassen. Gerade einige dieser Straßen würde ich nie in den Track des Eifel Gravellers einbauen. Wäre mir für einen Event zu gefährlich. Bis jetzt ging es zweimal ins Gelände und jedes Mal war es Bike & Hike. Für mich war das, vor allem mit Gepäck, nicht fahrbar. Auch gegen Bike & Hike habe ich nichts, aber diese hier, waren nur Plackerei.
Na ja, ich habe ja noch einige Kilometer vor mir und hoffe, das Ganze bessert sich noch!

09.06 – 12.06.2006:

Schon zwei Wochen bin ich jetzt in Italien unterwegs und genieße es immer mehr, einfach so in den Tag hinein zu radeln.
Jeder Tag bringt neue Eindrücke, Begegnungen und Geschichten. Am Morgen weiß ich nie, wie weit ich komme und wo ich am Abend mein Zelt aufschlage.
Genau das ist der Reiz einer solchen Reise und die Herausforderung. Wahrscheinlich ist genau das mein Ambivalent zu meiner doch sonst eher strukturieren und planerischen Art. Böse Zungen behaupten, ich wäre mitunter ein bisschen monkish.
Gerade Unsicherheit ist etwas, was ich sonst gar nicht mag in meinen Leben. Sie löst schnell Angst in mir aus, lässt mich panisch und chaotisch werden. Aber auch diese gehört zur Herausforderung dazu, bringt die eigenen Stärken und Ressourcen zum Vorschein. Oft ist das Wichtigste sich einzulassen und dann läuft der Rest fast wie von selbst.

Auch die letzten beiden Tage war wieder alles vertreten, was die Klaviatur der Gefühle so zu bieten hat. Um ein Haar wäre ich in ein riesen Unwetter geraten. Ich konnte schon seit längerem sehen, da braut sich bitterböse was zusammen. Allerdings befand ich mich gerade in einem langen Anstieg und zum Unterstellen weit und breit nichts in Sicht. Gerade als ich in das Dorf hinein rollte, fing es an zu regnen. Ich schnell zum ersten Geschäft gestrampelt, mein Fahrrad vor der Tür abgestellt, die zwei Drybags herausgezogen und rein. Da fing es draußen so richtig an zu schütten und zu hageln. Es lief so viel Wasser die Straße hinunter, es lief sogar in die Bäckerei hinein. Draußen schwammen Mülltonnen, Stühle und Tische die Straße hinunter. Zum Glück hatte ich mein Hinterrad hinter einem Stein eingeklemmt, sonst wäre mein Fahrrad auch vorbeigeschwommen. Nach 10 Minuten war der ganze Spuk vorüber und kurze Zeit später schien wieder die Sonne. Da hatte ich mal richtig Schwein gehabt.
Dabei kam mir das bewölkte Wetter sehr entgegen, war es dadurch nicht so brutal heiß, sondern angenehme 25 Grad.

Auch später am Nachmittag musste ich mich nochmal für 2 Stunden unterstellen, weil eine weitere Schlechtwetterfront durchzog. Die Pause nutze ich für ein kleines Schläfchen. Auch da hatte ich Glück etwas zu finden, wo ich mich unterstellen konnte. So selbstverständlich ist das hier in Italien nicht. Um jedes Haus, Feld oder Stück Wald ist ein Zaun errichtet. Am besten noch mit Kamera und zwei Hunden, die auf dem Gelände rumlaufen. Warum die Italiener alles so abgrenzen und sich einigeln, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich haben sie Angst, jemand kippt ihnen Müll auf ihr Gelände?

In Rom muss ich sagen, war das mit dem Müll, nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte. Es war jetzt nicht so sauber wie in einer deutschen Stadt, aber erträglich. Überhaupt hat mir Rom sehr gut gefallen, wo ich nicht so ein Städtefan bin. Aber Rom war schon beeindruckend, mit den vielen Sehenswürdigkeiten und Relikten aus der Römerzeit. Wenn ich mir vorstelle, dass von dort fast 1500 Jahre die halbe Welt regiert wurde, und das ohne Internet und Smartphone, das ist schon ein krasses Stück Geschichte. 

Standesgemäß bin ich mit meinem Carbonesel über die Via Francigena eingerollt. Dieser Pilgerweg, auch Frankenweg genannt, führt von Canterbury in Großbritannien über Frankreich und die Schweiz bis nach Rom. Zugegeben, über die original Römerplatte zu fahren, ist nicht schön. Da schlägt es einem, trotz Federgabel, fast die Kronen aus dem Gebiss. Im Hunsrück gibt es auch ein Stück alte Römerstraße und schon die fand ich furchtbar zu befahren.

In Rom habe ich mich trotz der vielen Sehenswürdigkeiten nicht lange aufgehalten. Für meinen Geschmack viel zu viele Menschen und Gewusel. Allerdings für ein paar schöne Fotos und die Atmosphäre zu genießen, habe ich angehalten. Einen Fahrradladen fand ich dort ebenfalls. Die perfekte Gelegenheit, meinen Hinterreifen wechseln zu lassen. Die hohen Temperaturen und der große Asphaltanteil haben mein Profil förmlich schmelzen lassen.

Die Engelsburg in Rom
Der Petersdom in Rom

Von Rom aus ging es Richtung Toskana, die Hitze war zurück und das Geläuf wurde hügelig. Eigentlich ist diese Art von Terrain genau mein Ding. Allerdings fällt mir so langsam das Drücken von steilen Rampen doch recht schwer. Von diesen gibt es hier viele und die tun so langsam richtig weh.
Deshalb hab ich mir für dieses Wochenende einen schönen Campingplatz am Lago di Bolsena gesucht. Dort gab es eine Dusche, meine Kleidung kam in die Waschmaschine und ich werde mal einen Ruhetag einlegen. Mittlerweile bin ich 1.800 Kilometer und fast 32.000 Höhenmeter geradelt und da tut ein radfreier Tag sehr gut. Am Montag werde ich meine Reise fortsetzen. Liegen doch noch so tolle Städte wie Siena und Florenz auf meinem Track, bevor ich den Gardasee erreiche.

„Es ist das, was du daraus machst“

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen