Pizza, Pasta, Gelati & Amore (Woche 5)

25.06 – 26.06.2022:

Nachdem ich zwei Tage durch die Schweiz und Österreich gefahren bin, habe ich gestern die Grenze nach Deutschland überquert und auch die Transalp abgeschlossen. Diese beiden Tage hatten es nochmal richtig in sich.
Gestartet war ich in der Schweiz und ich hatte mir Abend vorher schon angeschaut, wo ich hoch muss. Der erste Pass sah schon auf dem Handy mörderisch aus und ich sollte nicht enttäuscht werden. Auf den ersten 21 Kilometern überwand ich 1.700 Höhenmeter. Vieles davon schiebend oder mein Fahrrad halb tragend. Stellenweise war der Weg so steil, dass ich erst das Fahrrad geschoben habe, die Bremse angezogen und dann selbst gegangen bin. Immer wieder blieb ich mit dem Vorderrad an Steinen hängen, weil ich durch die Taschen keine gute Sicht noch vorne hatte. Dann hieß es jedes Mal wieder das Fahrrad anschieben oder über den Stein heben.
Nach gut vier Stunden hatte ich es geschafft und stand auf dem 2606 Meter hohen Fimberpass. Die Aussicht und die mich umgebenden Gipfel waren atemberaubend. Es herrschte eine völlige Ruhe und totaler Frieden. Dort oben war es beängstigend schön. Besonderen Spaß hatte ich mit den Murmeltieren. Sobald sie mich sahen, liefen sie die Hänge hoch oder versteckten sich in ihren Höhlen.

Danach ging es über einen mehr oder weniger fahrbaren Singletrail nach unten und ich erreichte die Heidelberger Hütte. Wie ich da so saß und meine Spagetti verdrückte, ließ ich meinen Blick mal über die Fahrräder schweifen, welche so vor der Gaststätte standen. Außer meinem bepackten Esel waren das doch alles E-Bikes. Auch wenn ich mich jetzt bei den E-Bike Besitzern unbeliebt mache, aber dieser Elektroschrott hat den Alpen noch gefehlt. Jeder Trottel kann jetzt auf so einen Pass hochfahren, von Mountainbiken keine Ahnung und ansonsten mit dem Auto zum Bäcker. Vor allem haben 50 % der E-Biker, den Helm am Lenker hängen, wenn sie überhaupt einen haben. Am Schwitzen kann es nicht liegen, dass sie diesen nicht tragen.

Dabei sind diese Fahrräder richtig schwer, haben eine irre Beschleunigung und sind dadurch brandgefährlich. Bei mir dürften die nur mit einem passenden Führerschein bewegt werden. Für so eine blöde Drohne muss man den ja mittlerweile auch haben.
Nachdem ich die Heidelberger Hütte verlassen hatte, fuhr ich weiter ab ins Tal und erreichte Ischgl. Das ist auch so ein Ort, ohne den die Alpen besser dran wären. Was da im Winter für ein Skizirkus und Mädchenspektakel herrscht. Auch ist Ischgl einer der Hauptgründe für die erste Corona Welle. Dort ist ohne Rücksicht auf Verluste gefeiert und Geld verdient worden, bis sich hunderte angesteckt hatten. Die sind dann alle panisch nach Hause geflüchtet und haben das Virus in halb Europa verteilt. Für diese Rücksichtslosigkeit ist bis heute niemand zur Rechenschaft gezogen worden oder hat sich entschuldigt.
Vor allem was dort die Natur kaputt gemacht wird, mit den ganzen Skipisten, Seilbahnen und der künstlichen Beschneiung, das ist der pure Wahnsinn.

Dabei sterben auch in den Alpen die Bäume und das Wasser wird knapper. Zudem taut der Permafrostboden auf, wodurch es zu immer mehr Hangrutschen und Bodenerosion kommt.
Auch Lawinen und großen Schneemassen haben die Alpen, durch die oben aufgeführten Gründe nicht mehr viel entgegenzusetzen. Was das für schlimme Konsequenzen haben kann, konnte man zwei Dörfer weiter in Galtür sehen. Dort starben 38 Menschen durch eine Lawine und ganze Häuser wurden verschüttet. Dort wurden riesige Steinwände hinter die Häuser gebaut, um diese zu schützen. Auch die ganzen Lawinenverbauungen auf den Gipfeln sind aus diesem Grund errichtet worden.
Wobei in meinen Augen, mit solchen Maßnahmen das Pferd von hinten aufgezäumt und nichts an den Ursachen getan wird.
Nachdem ich dieses Tal verlassen hatte, stand der letzte große Pass auf meinem Programm. Zu diesem ging es vorbei am Stausee Kops und dann hinauf zur Heilbronner Hütte. Dieser Pass war sowohl hoch wie runter gut fahrbar. Nachdem ich auch von diesem abgefahren war, fand ich unten im Tal eine 5 Sterne Hütte. An drei Seiten geschlossenen, sie hatte einen Holzfußboden und eine funktionierende Steckdose. Mehr kann das Bibepackerherz nicht begehren.

Am Morgen war es mit 10 Grad doch recht frisch, aber die Sonne empfing mich schon, nachdem ich aufgewacht war. Heute würde ich die Alpen verlassen und wieder nach Deutschland zurückkehren. Die restlichen 100 Kilometer würden ein Kinderspiel werden, weil es fast nur noch unten ging, bis auf einen ganz kleinen Pass.
An diesem Morgen fand ich seit Wochen zum ersten Mal eine Bäckerei, wie man die so in Deutschland kennt. Dort gönnte mir ein opulentes Frühstück und zwei Pötte Kaffee.
Ein bisschen war ich auch froh, die Alpen zu verlassen. Viele solcher Tage mit Bike & Hike und an die 3.000 Höhenmeter wären nicht mehr drin gewesen. Meine Beine taten zwar nicht weh, es war aber so gut wie keine Kraft mehr in diesen vorhandenen. Auch mental sind die Alpen Höchstleistung. Den ganzen Tag diese Masse an Eindrücken und die Mächtigkeit der Berge, ist kopfmässig sehr anstrengend. Dort ist alles so unfassbar hoch, groß und gewaltig, das ist fast nicht begreifbar. 
Auf meinem Weg nach Garmisch galt es noch einen letzten Pass zu überwinden. Wenn treffe ich da beim Hochkurbeln? Bekannte vom RSC Mayen, welche ebenfalls eine Transalp am Bestreiten sind. Sie waren allerdings mit einem 5 Kilo Rucksack, gebuchten Hotels und Rücktransport unterwegs. So kann man das natürlich auch machen!

Nachdem ich den letzten Pass hinter mich gebracht hatte, ging es weiter Richtung Garmisch und über die Grenze nach Deutschland.
In Garmisch empfing mich der G7-Gipfel. Eine Straßenkontrolle nach der anderen wobei ich mit meinem Fahrrad immer durchfahren durfte. In Garmisch war dann alles abgesperrt, noch mehr Polizei und höchstens 300 Demonstranten vor einer Bühne. Auf der spielte gerade Heiter bis Wolkig, was mir wiederum sehr gut gefiel.
Es ist schon Wahnsinn, was dort an Steuergeldern ausgegeben wird, damit sich so ein paar Politiker treffen können. Wenn dann wenigstens etwas Brauchbares dabei herauskommen würde, fände ich diese Gipfel ja noch in Ordnung. Allerdings wird außer Lippenbekenntnissen und dem kleinsten gemeinsamen Nenner, der niemanden weh tut, nicht viel rauskommen. Die großen Probleme, welche die Menschheit hat, wurden mal wieder vertagt.
Mittlerweile habe ich auch schon München hinter mit gelassen und befinde mich auf dem Weg zurück an die Mosel. Bei Komoot habe ich einfach München nach Klotten eingeben, dann auf Fahrrad gedrückt und fertig war mein Track.
So langsam wird es Zeit nach Hause zu kommen, ich freue mich schon sehr darauf. Werde diese verbleibenden Tage nutzen, um wieder in Deutschland anzukommen und meine große Reise ein bisschen Revue passieren zu lassen.

20.06 – 23.06.2022:

Auf meinem Weg Richtung Mosel legte ich noch einen Stopp in München ein. Dort war ich mit Sylke verabredet, ihr folge ich schon länger auf Facebook. Sie unternimmt ihre Bikepacking Touren nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Kickbike. Dieses funktioniert wie ein Stepper, hat keinen Sattel, getreten werden muss trotzdem. Dort ist auch das Anbringen von Taschen schwierig, sodass sie alles auf einem Anhänger transportiert. Meinen größten Respekt, mit diesem Ungetüm unterwegs zu sein und vor dieser Leistung.
Sylke empfing mich mit einem Lebkuchenherz und einem kleinen bayrischen Löwen auf dem Marienplatz. Anschließend ging es noch in den Biergarten und später ein bisschen chillen an die Isar.
Am späteren Nachmittag setzte ich meine Reise fort, da ich noch aus München und dem rundherum liegenden Speckgürtel rauskommen wollte.
München ist eine sehr schöne Stadt, mit viel Natur und tollen Sehenswürdigkeiten. Ich persönlich werde dort allerdings nicht so wirklich warm. Es ist auch eine schrecklich teure Stadt, wo die Schere zwischen Arm und Reich besonders weit auseinander klafft.

Auf meinem Weg in die Innenstadt bin ich durch Viertel gefahren, da stand mir nur der Mund offen. Wie pervers reich muss man sein, um solche Anwesen in einer Stadt wie München zu besitzen?
Auch mit diesem, nennen wir es mal bayrischen Charme, tue ich mich schwer. Ist alles schon ein bisschen eingebildet und abgehoben dort.
Leider waren meine zwei Bekannte, welche ich vom Eifel Graveller und anderen Events her kenne, nicht in München. Sie waren im Urlaub oder Bikepacken. Sehr gerne hätte ich mich auch mit ihnen getroffen und sie nochmal wieder gesehen, denn so oft führen mich meine Wege nicht nach München.
Für den Abend hätte ich gerne eine Hütte oder etwas mit einem richtigen Dach zum Übernachten gehabt. Schwere Gewitter und viel Regen waren vorausgesagt. Bedauerlicherweise habe ich nichts Passendes gefunden und so blieb mir nichts anderes übrig, wie mein Zelt aufzubauen. Dies auch kein Stück zu früh, denn es fing schon an zu regnen. Mein Fahrrad hatte ich etwas geschützt unter ein paar Bäumen abgestellt, damit es nicht völlig im Regen steht.

Es blitzte und donnerte richtig heftig an diesem Abend, zwischenzeitlich schüttete es wie aus Eimern und der Wind rüttelte kräftig an meinem Zelt. In dieser Nacht musste mein Zelt zeigen, was es kann und ob es das viele Geld wert ist.
Am Morgen war allerdings alles super, meine Sachen und ich waren schön trocken geblieben. Einzig ein dutzende Schnecken waren an meinem Zelt hochgekrochen und vor dem Regen geflüchtet. Auch mein Fahrrad bevölkerten sie zahlreich und ich musste diese glitschigen Dinger erst einmal alle entfernen.
Die Sonne zeigte sich auch wieder ein bisschen am Himmel, ich verstaute alle meine Sachen an meinem Fahrrad und machte mich auf den Weg. Einzig das Zelt war noch pitschnass und dadurch doppelt so schwer wie gewöhnlich. Wie immer ist die oberste Priorität am Morgen, eine Bäckerei und eine Toilette zu finden. Dies gestaltete sich aber nicht besonders schwierig an diesem Tag, da ich durch ein Dorf nach dem anderen fuhr.

Der Track gestaltete sich doch etwas zäh am Morgen. Er führte über viele Radwege, durch kleine bayrische Dörfer und vorbei an viel Landwirtschaft. Auf der anderen Seite konnte ich so schön in meinen Auflieger liegen und meinen Gedanken nachhängen. Bis nach Hause waren es zu diesem Zeitpunkt keine 450 Kilometer mehr und an diesem Tag sollte ich über 200 Kilometer davon abknabbern. Das hieß, meine Reise würde nicht mehr lange dauern und ich bald wieder zu Hause sein.
Je länger ich fuhr, umso besser wurden meine Beine und ich hätte immer so weiterfahren können. Einzig zum Essen und einkaufen hielt ich an diesem Tag an, ansonsten war ich eins mit dem Fahrrad und völlig im Flow.
An diesem Abend gab es kein Gewitter, sondern ich genoss den schönen Sommerabend und später die Glühwürmchen, welche um mein Zelt flogen. 
Dabei bin ich echt froh, wenn nicht mehr ständig etwas über mich drüber krabbelt oder um mich herum fliegt und versucht mich zu stechen. Stechmücken, Ameisen und Krabbelkäfer kann ich so langsam nicht mehr sehen oder besser gesagt ertragen.
Am vorletzten Tag meiner Reise stand noch ein persönliches Highlight auf meinem Programm. Seit Jahren möchte ich der Stadt Heidelberg mal einen Besuch abstatten, allerdings führte mich noch keine meiner Fahrradtour dorthin. Gerade im Fernsehen kommt die Stadt am Neckar immer sehr romantisch rüber, mit ihrer schönen Altstadt, dem Heidelberger Schloss und der Karl-Theodor-Brücke. Auf meinem Weg dorthin galt es allerdings noch ein paar Ausläufer des Odenwalds zu durchqueren, welche nach fünf Wochen Fahrradfahren eine schweißtreibende Angelegenheit wurde. In der Ebene funktionierten meine Beine noch erstaunlich gut, allerdings auf Höhenmeter hatten sie keine Lust mehr und taten sich entsprechend schwer mit diesen. Irgendwann hatte ich dann Heidelberg erreicht und wäre fast schon wieder aus der Stadt draußen gewesen, wenn ich nicht mal Google Maps angeworfen hätte, um die Altstadt zu finden.

Irgendwie hatte ich mir Heidelberg ganz anderes vorgestellt. Kleiner, romantischer und nicht so gewöhnlich wie jede andere Stadt. Selbst das Schloss und die Altstadt, kann man in Koblenz, mit der Festung Ehrenbreitstein, dem Deutschen Eck und so weiter, viel schöner haben. Alles in allem war ich richtig enttäuscht von Heidelberg, wobei das jetzt meckern auf hohem Niveau darstellt und wahrscheinlich meine Vorstellung etwas unrealistisch war.
Von Heidelberg waren es nur noch 30 Kilometer nach Heppenheim. Für diesen Abend hatte ich mich mit meinem Freund Dirk verabredet. Er bot mir auch direkt an, bei ihm zu übernachten und zu duschen. So ein Angebot muss man einem Bikepacker nicht zweimal unterbreiten und ich freute mich sehr über die Gastfreundschaft. Es war super schön Dirk nochmal persönlich zu treffen, übers Fahrradfahren, alte Abenteuer und neue Pläne zu quatschen. In der Nacht bin ich ein paar Mal wach geworden und war jedes Mal völlig verwundert, nicht in meinem Zelt auf meiner Matratze zu liegen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück verabschiedete ich mich von Dirk und seiner Familie und hatte noch 170 Kilometer bis an die Mosel. Das hieß, ich würde heute finishen und wieder zu Hause ankommen.
Bis auf den Hunsrück war die Strecke teller flach und ich hatte sogar Rückenwind. Vor allem bei dem langen Stück am Rhein entlang, war dieser eine Wohltat und half mir Körner zu sparen.
In Mainz legte ich noch einen kleinen Zwischenstopp, bei einer Kollegin ein, mein Chef kam auch noch vorbei und wir gingen ein Eis essen. Viele meiner Kollegen hatten meine Fahrt über Follow My Challenge oder einer der Social-Media-Kanäle verfolgt und mitgefiebert. Auch etliche Nachrichten erreichten mich von ihnen auf meiner Reise, worüber ich mich immer sehr gefreut habe.

Danach legte ich nur noch einen Stopp zum Essen ein, ich wollte endlich an die Mosel und nach Hause. Der Anstieg von Oberwesel hoch in den Hunsrück, war mit meinen schweren Beinen nochmal richtig hart. Da es aber der Letzte war, genoss ich auch diesen. Den ganzen Tag war ich schon am Grinsen und voller Vorfreude. Was hatte ich da für eine Wahnsinns Strecke mit dem Fahrrad überwunden, was hatte ich alles gesehen und erlebt. So wirklich glauben, dass bald alles enden würde, konnte ich nicht.
Irgendwann hatte ich den letzten Hügel im Hunsrück überwunden und rollte hinab ins Moseltal. Was war das für ein unbeschreibliches Gefühl und mir kamen sogar ein paar Tränen.
Dann nur noch über die Mosel rüber und die restlichen Kilometer nach Klotten rollen und ich hatte es geschafft. Ich war nach 35 Tagen, 3.700 Kilometern und 62.000 Höhenmetern wieder zu Hause! Absoluter Wahnsinn!

Jetzt heißt es erst mal wieder mich einzuleben, der Alltag wird kommen und bestimmt auch ein bisschen der After-Event-Blues. Was ich aber jetzt schon weiß, diese Reise, die vielen Begegnungen und Erlebnisse, kann mir niemand mehr nehmen. Die sind alle in meinem Kopf und auch das Wissen, dass ich so eine Reise unternommen und hinbekommen habe, hat sich dort eingebrannt. Denn genau darum geht es im Leben, um Erinnerungen und Erlebnisse. Diese zu sammeln, sich an sie zu erinnern und so zu einem zufrieden Leben zu finden!
Besonders möchte ich mich für die vielen Likes und Kommentare während meiner gesamten Reise bedanken und dass mich so viele begleitet haben. Vielen Dank!

„Es ist das, was du daraus machst“

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