Schöne Momente und unterwegs sein!

Samstag: (12.06.2021)

Bei diesem tollen Wetter, konnte ich es gestern kaum abwarten in die Eifel zu starten. Endlich Wochenende, raus und weg!
Mein Ziel war dieses mal Prüm, was jetzt auch nicht wirklich eine unbekannte Gegend für mich darstellt. Wobei diese in der Eifel zu finden, ist jetzt auch kein leichtes Unterfangen mehr bei mir.
Wobei ob ihr es glaubt oder nicht, ich habe noch einen Eifelturm gefunden, welchen ich noch nicht besucht habe und der vor allem nicht in meiner Liste steht! Damit erhöht sich Zahl der Türme in meiner Liste auf neunundzwanzig.

ehemalige amerikanische Radarstation
gesprengter Bunker des Ehemaligen Westwalls

Bei dem Turm handelt sich um den Weinsheimer Turm, der offiziell “Eifelblick zur Hardt” genannt wird. Dieser besteht aus einem Mobilfunkmast, wo sich auf 25 Meter Höhe eine Aussichtsplattform befindet. Damit teilt er sich die Krone des höchstens Turms in der Eifel, mit dem Gänsehalsturm. Wer hätte gedacht, dass mir so ein riesen Turm durch die Lappen geht, wo ich doch seit letzten Jahr Besitzer einer Brille bin?
Des Weiteren ging es noch hoch auf den Schwarzen Mann, welcher mit einer Höhe von fast 700 Metern, den viert höchstens Berg in der Eifel darstellt. Auch einige Bunker vom ehemaligen Westwall sind auf dem schwarzen Mann zu finden. Sogar die Plattform, auf der sich die große Holzstatur vom Schwarzen Mann steht, liegt auf einem ehemaligen Bunker. Nur einen Steinwurf weit entfernt, befindet sich eine verlassene und dem Verfall preisgegebene amerikanische Radarstation, welchen einen ganz tollen Lost Place darstellt. Heute hatte ich endlich mal Zeit, mich dort mal ein bisschen mehr umzuschauen und ein paar Fotos aufzunehmen.

St. Salvator Basilika in Prüm

Auch das Wetter war heute ideal zum MTB Wetter in der Eifel. Der Himmel war leicht bewölkt, es war nicht mehr so heiß wie die letzten Tage und es ging ein angenehmer Wind. Überhaupt was haben mir die letzten Tage mit dem vielen Sonnenschein, den sommerlichen Temperaturen gutgetan und mich durchatmen lassen.
Sogar das Dachfenster von meinem Bus konnte ich die letzte Nacht offen stehen lassen, weil es die Temperaturen endlich erlauben. Jedes mal wenn ich wach wurde oder nach oben schaute, kann ich den nächtlichen Sternenhimmel genießen und dieser war atemberaubend die letzte Nacht. Dazu noch draußen in der Natur, dieses Freiheitsgefühl zu genießen und schon bin ich rund herum glücklich und ein anderer Mensch.

Burgruine Schönecken

Gerade diese schönen und besonderen Momente zu registrieren, sie anzunehmen und vor allem zu genießen ist unheimlich wichtig. Darin war ich früher alles andere als gut und gerade was das Zulassen solcher Momente angeht, bedurfte es ganz viel Übung meinerseits.
In meinem Kopf herrschte früher die Vorstellung, schöne Momente darf es für mich nicht geben, hänge dich da bloß nicht so rein und halte Abstand davon. So nach dem Motto: “gewöhne dich bloß nicht daran”, das ist nicht der Normalzustand. Früher oder später werde ich das doch wieder verlieren und es bereuen, mir Hoffnungen gemacht oder es genossen zu haben.
Es gab Zeiten da habe ich schöne Momente oder gute Dinge extra “kaputt” gemacht. Da ich sie sowieso verlieren werde, kann ich es auch direkt beenden, dann behalte ich wenigstens die Kontrolle. Außerdem konnte ich dadurch auch schön die Rolle des “Bösen” einnehmen und hatte die Schuld daran, das etwas kaputtging oder nicht mehr funktionierte. Dann konnte ich mich richtig schuldig fühlen und gehörte bestraft. Dieses gab es dann meist in allen möglichen Formen und Ausprägungen. Gerade die Anorexie hat ganz viel mit Bestrafung, Askese, sich nichts gönnen und vorenthalten zu tun. Sie passte super zu vielen meiner komischen Denkweisen!

Der Weinsheimer Turm
Innenstadt von Prüm
Blick vom Weinsheimer Turm

In so ein verkorkstes Denken passen schöne Momente nicht besonders gut hinein, es wäre ja das Gegenteil von dem, was ich erwarte oder bekommen darf.
Schöne Momente, tolle Begegnungen, Anerkennung oder was auch immer, können aber auch eine genauso hohe emotionale Welle in mir auslösen, wie negatives. Auch wenn diese Welle positiv ist, stellt sie ein viel zu viel an Emotionen dar, welche die totale Gefühlsachterbahn auslösen können. Außerdem ist diese Welle völlig ambivalent zum sonstigen Fühlen, welches in mir vorherrschte, das ja völlig negativ und depressiv geprägt war. Dadurch war diese Intensität noch schlechter auszuhalten und mit gesunden Mitteln wieder herunterkommen ganz schwer.
Gerade schöne Momente und Situationen konnten auch ganz schnell in Selbstverletzung und blutigen Armen enden. Weswegen ich mich später dann noch wertloser und verkorkster fühlte. Wie krank bin ich eigentlich im Kopf, dachte ich dann oft, wenn ich noch nicht einmal schöne Momente aushalten kann und schon ging die Abwertungsspirale noch heftiger wieder von vorne los.
Dieses komische Denken zu durchbrechen hat lange gedauert und war mit viel Arbeit verbunden. So einige dieser komischen Gedanken/Gefühle kommen auch heute noch in meinem Kopf auf, wenn es mir nicht so gut geht oder ich mit meiner Person am Hadern bin. Sie bringen mich aber nicht mehr dazu, mir die Arme zu verletzten, etwas oder mich kaputtzumachen. Mit Rückzug und mich isolieren reagiere ich heute immer noch oft auf schwierige Situationen oder Ereignis.
Denn dann benötige ich erst einmal Abstand und meinen Raum. Dann schwindet meine Hülle, dann gibt es keinen Schutzraum mehr um mich herum. Dadurch können Menschen oder Situationen sehr bedrohlich für mich werden, lösen starke und sehr unterschiedliche Ängste in mir aus, welche schnell zu einer Panikattacke werden können.
In solchen Phasen muss ich erst einmal selber mit meinen krassen und heftigen Gedanken klarkommen, da kann ich niemanden mit “hineinziehen”, höchstens Profis. Aber selbst dafür habe ich lange benötigt, mir dann Hilfe von Therapeuten und Ärzten zu suchen.
Deshalb finde ich es mittlerweile unheimlich wichtig, die schönen Momente zu genießen und auszukosten, um nochmal auf mein eigentliches Thema zurückzukommen.

verlassene amerikanische Radarstation

Denn nur dadurch komme ich wieder ins Gleichgewicht und gleiche meine Emotionswaage aus, wenn ich auch die schönen Momente annehme und genieße. Vor allem versuche ich diese Momente zu speichern und in den schlimmen Phasen wieder in meinem Kopf aufzurufen. Damit ich sehe, es ist nicht alles scheiße und sinnlos, ich mache nicht alles falsch, es gibt auch andere Phasen!
Zu versuchen die schönen Momente zu sehen und wahrzunehmen, auch wenn es bei der Arbeit stressig ist, es vielleicht Ärger in der Familie oder mit einem Freund*in gibt, ist ebenfalls essenziell wichtig.
Sich gerade dann diese Momente zu verwehren, macht die anderen Schwierigkeiten nicht besser oder ändert diese.
Zu denken, ich habe schöne Momente und Situationen nicht verdient, weil ich an irgendetwas Schuld bin oder etwas falsch gemacht habe, ist absoluter Quatsch. Es bringt nämlich überhaupt nichts, mich auch noch doppelt zu bestrafen. Eher im Gegenteil, es wird mich noch weiter runterziehen und fertig machen.
Deshalb sind schöne Momente so wertvoll und wichtig. Um jeden sollten wir kämpfen und ihn uns gönnen, um damit die schlechten Momente und Erinnerungen, wie bei einer Festplatte zu überschreiben, um irgendwann nur noch schöne Momente abgespeichert zu haben.

Sonntag/Dienstag: (13 & 15.06.2021)

Bin noch gar nicht dazu gekommen, die Fotos vom Sonntag, meinem zweiten Tag in der Gegend um Prüm zu posten, da ich schon wieder mit dem Bus unterwegs bin. Diese Woche ging es berufsbedingt wieder nach Remagen an den Rhein und anstatt jeden Tag zwei Stunden zu pendeln, war viel lieber Vanlife angesagt.
So langsam wohne ich mehr in meinem Bus wie in meinem Haus. Allerdings wirklich schlimm finde ich das keineswegs, ganz im Gegenteil. Ich liebe diese Freiheit, dieses einfach und reduzierte Nomadenleben, ganz viel draußen und in der Natur zu sein. Vor allem weil endlich der Sommer in Deutschland angekommen ist und dadurch das Leben im Bus nochmal wesentlich mehr Spaß macht.
Mein Besuch am Rhein gibt mir auch wieder die Gelegenheit an der Ahr Fahrrad zufahren und diese mal fiel meine Wahl auf das Rennrad. Meine beiden schwarzen Schönheiten habe ich in diesem Jahr bis jetzt doch arg vernachlässigt und es wird Zeit ihnen mal wieder etwas Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen.

Eichholz Maar

Gestern hatte ich nach Feierabend sogar Begleitung beim Radfahren, da Alexa, eine Freundin aus der Schweiz zurzeit Urlaub in der schönen Eifel macht. Unsere Tour führte uns die Ahr hinauf bis nach Adenau, um uns dort Kaffee und Kuchen zu gönnen. Alexa war völlig überrascht, wie günstig ein Kaffee und 3 Teilchen in Deutschland sind, wenn man Schweizer Preise gewöhnt ist. Vor etlichen Jahren startete ich bei einem Radmarathon in der Schweiz und muss sagen, dass es äußerst kostspieliges Unterfangen darstellt, sich dort mit genügend Kalorien zu versorgen. Die zu zahlenden Beträge an der Kasse, erinnerten mich an meine Bulimieanfälle von früher, allerdings hatte ich damals das Zehnfache an Lebensmitteln im Einkaufswagen.
Am Abend haben wir noch gemütlich zusammen gegrillt, direkt auf einem Parkplatz neben der Ahr, was ich wesentlich schöner und entspannender fand, wie mir Fußball im Fernsehen anzuschauen. Verpasst habe ich da eh nicht viel, da die deutsche Mannschaft durch ein Eigentor verloren hat.
Vor allem am Morgen war es traumhaft, nachdem ich um 5 Uhr aufgestanden war, dort meinen Milchkaffee zu genießen. Die Sonne war gerade am Aufgehen, die Vögel am Erwachen und ansonsten wurde die Ruhe nur vom Plätschern der Ahr untermalt.
Außerdem konnte ich direkt mal einen Blick auf mein Handy und Follow My Challenge werfen. Mein Freund Guido ist gestern beim Taunus Bikapcking gestartet und fährt mal wieder wie von einem anderen Stern. Es ist ein Genuss seinen Dot zu watchen!
Viel lieber wäre ich dort an der Ahr sitzengeblieben, um später mit meinem Bus weiterzuziehen, anstatt aufs Stellwerk zu fahren, um dort zu arbeiten. Allerdings muss auch mein Lebensunterhalt verdient werden, da ich immer noch niemanden gefunden habe, der mich fürs Herumreisen bezahlt.

Brücke über die Ahr in Dernau
kleiner Aussichtsturm am Eichholz Maar

Wie oben schon erwähnt war ich am letzten Wochenende in der Gegend um Prüm unterwegs und dort auch an jedem Tag auf dem Schwarzen Mann, welcher den vierthöchsten Berg in der Eifel darstellt. Meinen Schlafplatz für die zweite Nacht fand ich dort ebenfalls, auf einem der zahlreichen Wanderparkplätze. Tagsüber ist dort oben auf den ganzen verschiedenen Wanderwegen die Hölle los und gerade das Ausflugslokal auf dem Schwarzen Mann, ist äußerst frequentiert.
Allerdings am Abend und in der Nacht, gehörte der Schwarze Mann nur mir ganz alleine, keine anderer Bus weit und breit zu sehen. Auch in dieser Nacht war kein Wölkchen am Himmel, sodass es wieder einen fantastischen Blick in den Sternenhimmel zu genießen gab. Durch den wolkenlosen Himmel herrschten am Morgen allerdings auch nur 6 Grad außerhalb meines Busses. Doch die Sonne ließ nicht lange auf sich warten, hatte richtig Kraft und wärmte, als ich mein Frühstück neben dem Bus einnahm.

Die Tour war ein bisschen arm an Highlights, sodass nicht allzu viele spektakuläre Fotos entstanden sind. Der Track an sich war trotzdem sehr schön, das Wetter vom feinsten und die Natur herrlich. Vor allem ist zurzeit alles Mögliche am blühen, sodass eine Fahrt durch die Eifel, eine wahre Farbenpracht für die Augen darstellt. Wobei ein Highlight gab es, mit dem Eichholz Maar, konnte ich ein weiteres von meiner Liste streichen. Es gehört zu den kleineren Maaren, ist dafür aber umso reizvoller und romantisch.
An diesem Tag hatten es vor allem die Höhenmeter in sich, die waren wirklich knackig und es war einiges zwischen 15% und 20% an Anstiegen zu bewältigen. Eine wirklich nette Sache!
Wünsche euch noch eine schöne restliche Woche und hoffe ihr genießt das Leben zur Zeit, so wie ich!

Ahrtalbahn und Ahrradweg

„Es ist das, was du daraus machst“

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