Bikepacking Stories Antwerpen & sinnvolle Fehler!

Samstag: (13.11.2021)

An diesem Wochenende führte mich mein Weg wieder nach Antwerpen. Bereits im letzten Jahr stattete ich dieser Stadt einen Besuch ab, weil dort mein Freund Guido Dreesen wohnt und ich dem Finish von Anneke Krols beiwohnen wollte. Für ihr Projekt Trappen Tegen Grenzen ist sie damals 2000 km rund um Belgien gefahren, um Geld für den Verein Eulenspiegel zu sammeln. Dieser unterstützt Menschen mit psychischen Erkrankungen mit einer Vielzahl an Hilfsangeboten.
Da mir Mental Health und Aufklärung über psychische Krankheiten sehr am Herzen liegt, war ich von ihrem Projekt sofort begeistert und wollte es unbedingt unterstützen. Deshalb habe ich mich auf den Track des Eifel Gravellers begeben und bin virtuell gegen die Teilnehmer des EG19 gefahren. Über Follow My Challenge zu verfolgen, wie mein Dot gegen die Pacman Figuren der anderen Starter der Erstausgabe des Eifel Gravellers gefahren ist, war nicht nur für mich ein riesen Spaß und hat viele tolle Erinnerungen in mir wach gerufen.
Dieses Wochenende war mein Ziel allerdings ein anderes in Antwerpen. Natürlich stand ein Wiedersehen mit meinem Freund Guido ganz oben auf meiner To-Do Liste, allerdings auch der von Berten De Canne und Stefan Maertens ausgerichtete Abend „Bikepacking Stories 2021“.

Dieser Abend stand ganz im Zeichen des Unsupported Bikepacking. Teilnehmer berichteten von ihren Erfahrungen und Abenteuern bei diversen Bikepacking Events. Es ging um Vorbereitung, Ausrüstung und vor allem die Faszination Bikepacking. Unter den vorgestellten Veranstaltungen waren auch einige dabei, an denen ich schon teilgenommen hatte, was mich in Erinnerungen schwelgen ließ.
Es gab Beiträge zu einem bunten Strauß an Events, welche das ganze Spektrum an Bikepacking Veranstaltungen auf fast der ganzen Welt widerspiegelten. Über das Silk Road Mountain Race, das Atlas Mountain Race, Across the 3, Taunus Bikepacking, das North Cape 4000 und viele andere wurden Vorträge gehalten und vor allem tolle Fotos gezeigt.

Mein Highlight war Guidos Bericht von seiner Teilnahme an der Italy Divide und vor allem der Vortrag von Jan-Dick den Das.
Er erzählte den zahlreichen Zuhörern im Saal von seiner Teilnahme am EG21. Diesen musste ich in diesem Jahr, aufgrund des verheerenden Unwetters in der Eifel leider absagen. Mit einigen Freunden waren wir trotzdem gestartet und sind die meiste Zeit als Gruppe unterwegs gewesen. Dabei hatten wir einen heiden Spaß und es war ein sehr gelungene Bikepackingtour. Auch Jan-Dick war mit von der Partie, am Ende restlos begeistert und verliebt in die Eifel! Dies konnte man in seinem Vortrag an diesem Abend mehr als deutlich raushören.
Insgesamt war es ein toll organisierter Abend, welcher in einem Fahrradladen stattfand, der sich auf Bikepacking spezialisiert hat.
Bedauerlicherweise trübte eine Kleinigkeit den Abend, ich verstehe leider kein einziges Wort Niederländisch, sodass mir den ganzen Abend nur die Fotos blieben. Auch wer mir jetzt erzählen will, die Niederländer versteht man doch als Deutscher, diese Meinung teile ich absolut nicht. Genauso gut hätte der Abend auf Chinesisch für mich stattfinden können.

Die Wasserfälle von Coo
Der Stausee von Coo

Anschließend saßen wir noch bei lange bei Guido zu Hause, tranken ein paar Bier und schwelgten in Bikepackingerinnerungen oder schmiedeten neue Pläne.
Nach einem gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen fuhr ich Jan-Dick noch zum Bahnhof und sagte Antwerpen “zie je weer”. Hoffe, das war korrekt auf Niederländisch und machte mich auf den Weg in die Ardennen.
So schön die zwei Tage mit Guido und Jan-Dick auch waren und soviel Spaß wir hatten, bin ich doch froh, in der Stille und Einsamkeit der Ardennen angekommen zu sein. Dass ich so etwas mal schreibe, ist das Ziel einer langen Reise, frei nach den Sportfreunden Stiller. Denn gerade nicht gut alleine sein können und Stille zu ertragen, sind für die meisten Menschen, welche an einer Borderline Persönlichkeitsstörung leiden unheimlich schwer. Wobei mit Stille, wodurch sich der Fokus auf die eigene Person richtet, was viele Gedanken und Gefühle hochkommen lässt, empfinden viele Menschen als schwierig und es fällt ihnen schwer.

Bei mir hat sich dies fast umgekehrt und ich tue mir mit einer Stadt wie Antwerpen oder Anfang der Woche, als ich in Frankfurt war, mehr wie schwer.
Das ist mir alles viel zu groß und wusselig. Da bekomme ich schnell das Gefühl mich zu verlieren und meine Grenzen lösen sich auf. Diese ganze Energie und Hektik, welche dort herrscht, ist unheimlich anstrengend und Kräfte zehrend für mich. Sicherlich bin ich, was Geräusche und zu viel Input von außen betrifft, auch ein bisschen hochsensibel. Oft kommt es mir so vor, als fehlen mir die Filter, um wichtiges von unwichtigem zu trennen oder ausblenden zu können. Alles stürzt ungefiltert auf mich ein und bringt dadurch meinen Kopf fast zum Platzen.
In einer solch großen Stadt muss ich unheimlich gut auf mich aufpassen und mich abgrenzen. Ich könnte dort nie wohnen und mein Leben verbringen.
Umso glücklicher bin ich, dass ich noch zwei Tage Resturlaub habe und diese nutzen kann, um ein bisschen in den Ardennen Fahrrad zu fahren.

Wobei dies mit dem Fahrradfahren heute echt hart war. Die Temperaturen lagen im Minusbereich, es war extrem nass und matschig. Nach 2 Stunden setze Schneeregen ein und trotz meiner Regen- & Winterklamotten war ich innerhalb kürzester Zeit ziemlich durchnässt. Da sah ich dann lieber zu, dass ich zurück zum Bus komme und brach die Runde ab.
Kälte alleine ist ja ok, auch wenn ich Kälte überhaupt nicht mag. Für Kälte fehlt mir Körperfett, sodass ich immer ganz schnell am frieren bin, wenn ich auf dem Fahrrad sitze. Kommt dann allerdings Regen dazu, sind schnell die Schuhe voll Wasser und die Beinlinge nass. Es wird dann auf einen Schlag völlig ungemütlich, recht schnell gefährlich, weil man extrem schnell auskühlt und Fahrradfahren macht dann einfach keinen Spaß mehr.
Bevor es anfing zu Regen, habe ich meine Ausfahrt allerdings sehr genossen. Im Wald herrschte durch den Nebel und den Schnee, der auf allem lag, eine völlige Stille und Ruhe. Auch wenn die äußeren Bedingungen mehr wie ungemütlich und wenig einladend waren, fühlte ich mich ganz bei mir und zufrieden. Da war keine Spur von Angst, Panik oder dunklen Gedanken. Auch dieses mich alleine und lost fühlen, existierte nicht mehr. Ich war ganz im Hier und Jetzt, spürte die kalte Luft in meinem Gesicht, hörte wie der Schnee und der Match unter meinen Reifen knirschte und alles war völlig friedlich.
Ich bin oft selbst davon überrascht, wie einfach alles sein kann. Wie viele Dinge, über die ich mir ständig einen Kopf mache, völlig in den Hintergrund treten und ihren Schrecken verlieren. Wie ich völlig eins mit mir sein kann, viele Dinge ganz klar vor mir sehe und dass es möglich ist, fast alles zu verändern und zu erreichen.

Vor allem gibt es in diesen Augenblicken auch keinerlei Verbitterung darüber, was alles mal war, ich durch oder kaputt gemacht habe. Da gibt es Versöhnung mit den Fehlern, welche ich begangen habe und vor allem mit mir selbst!
Wie drückt es Oli Schulz aus: „Doch alle Fehler hatten einen Sinn. Du solltest sie erst machen, um sie später zu verstehen!“

„Es ist das, was du daraus machst“

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