Schwarz/Weiß oder Grau in Grau?

Sonntag: (21.11.2021)

Besonders heimelig war dieses Wochenende in der Eifel nicht, hyggelig sieht in den Augen vieler wohl anders aus. Wobei für mich persönlich meine 4 qm Bus schon den Olymp des Hygge Trends darstellen. Viel mehr benötige ich nicht zum Glücklich.
Wahrscheinlich ist es auch gut, dass ich keinen größeren Bus besitze, sonst würde ich wohl nur noch darin wohnen. Gerade im Sommer kam es mir manchmal so vor, ich fahre nur zum Arbeiten nach Hause, um dort in meinem Homeoffice zu sitzen.
Dieses Wochenende war es allerdings sehr Grau in Grau der Eifel. Bis auf alle möglichen Brauntöne gab es höchstens noch dunkles tannen- oder moosgrün in der Natur zu sehen. Wobei das meiste Braun gab es in Form von Matsch und Dreck, sodass ich innerhalb kürzester Zeit kaum noch aufgefallen und mit meiner Umgebung verschmolzen bin.
Vorbei ist es mit den vielen Rot- und Gelbtönen, den tollen Herbstfarben und stattdessen herrscht Wintertristesse.

Maare-Mosel-Radweg

Dies ist aber auch eine gute Gelegenheit, gerade beim Radfahren, mehr bei sich selbst zu sein und nicht so viel im Außen. Die kalte Luft im Gesicht spüren, den feinen Nieselregen, welcher durch den Nebel entsteht. Mal in die kalten Fingerspitzen hineinspüren und die Zehen ein bisschen bewegen, damit sie warm bleiben.

Blick auf das Schalkenmehrener Maar

Vor allem regt das Fahrradfahren bei diesem miesen Wetter meine Fantasie an und lässt mich träumen. Von Sonnenschein, sommerlichen und langen Bikepackingtouren. Welche Events ich im nächsten Jahr vielleicht bestreiten und welche neuen Regionen ich entdecken könnte. Oder zu versuchen meinen Traum von einer langen Radreise endlich umzusetzen, sofern Corona dies nochmal zulässt, wonach es im Moment leider gar nicht aussieht. In meinem Kopf kreisen dann die unterschiedlichsten Routen und wie ich diese verbinden könnte. In meinen Gedanken entstehen Packlisten und ich überlege mir, welche und wie viel Ausrüstung ich benötige. Fantasie ist Selbstbefriedigung für den Geist!

Sie ist außerdem ein guter Weg, mit dieser dunklen und ungemütlichen Jahreszeit umzugehen. Nicht in diesem Grau in Grau zu versinken und mich zu verlieren. Dabei ist sonst das Grau, die Zwischentöne, welche mir oft fehlen und ich mich so schwer mit tue.
Menschen, die an einer Borderline Persönlichkeitsstörung leiden, haben den Hang zu ausgeprägtem Schwarz-Weiß-Denken.
Wobei dazu jeder Mensch neigt und wenn er ehrlich ist, es auch viel lieber mag, in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse zu denken. Es ist wesentlich einfacherer und nicht so anstrengend. Der Mensch benötigt Grenzen und Struktur, weil sie Ordnung geben. Aber jede Grenze und Struktur, unterteilt auch in Schwarz und Weiß, gesund und ungesund, in Dazugehörig oder nicht und so weiter.

Der Hohe Eifel Blick

Vor allem in einer Welt, welche immer komplexer und unüberschaubarer wird, ist Schwarz-Weiß-Denken, eine Strategie, um sich in dieser zurecht und einen Weg zu finden. Eine Möglichkeit Sicherheit und Halt zu erfahren und nicht durchzudrehen. Wahrscheinlich ist es auch oft die einzige Möglichkeit, überhaupt noch an etwas zu glauben und in vielen Dingen einen Sinn zu sehen.
Um sich dies vor Augen zu führen, genügt es sich nur einmal die Nachrichten anzuschauen. Fast alle Geschehnisse und Ereignisse, über die dort berichtet wird, sind im Grunde genommen Schwarz-Weiß-Konflikte. Und Schwarz und Weiß hängt dabei auch noch völlig davon ab, wo wir leben, welchen sozialen Stand wir haben, in welcher Lebensphase wir uns befinden und so weiter.

Oder wie gerne schauen wir uns Filme an, wo es einen Helden und einen Schurken gibt. Solche Filme ziehen uns am meisten in ihren Bann, lassen uns mit dem Held mitfiebern und geben uns eine riesen Befriedigung, wenn der Schurke scheitert oder stirbt. Wie schwertun wir uns mit Filmen, wo beide Seiten gezeigt werden? Wo der Hauptdarsteller sowohl gute wie schlechte Eigenschaften hat oder ambivalente Dinge und Handlungen vollzieht. Das lässt uns schnell stutzen, es wird anstrengend für unseren Kopf und bringt uns in eine Zwickmühle.

Auch was das Thema Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung betrifft, wie oft neigen da wir zu Schwarz und Weiß. Wenn es um so etwas wie unsere Fähigkeiten, unser Aussehen und Auftreten geht. Vor allem wie stark es mit unserem seelischen Empfinden verknüpft ist, ob es uns emotional gut oder schlecht geht.
Genauso schnell urteilen oder schätzen wir andere ein. Oft ertappe ich mich beim Schubladendenken oder kämpfe mit Vorurteilen. Da sind ganz viele Schwarz-Weiß-Kategorien dabei, zu denen ich mich schnell hinreißen lasse, weil es so einfach ist und auch schnell ein Ergebnis liefert.

Die Kapelle Weinfeld

Wie schwertue ich mich mit Menschen, wenn ich einmal beide Seiten kennengelernt habe! Wenn ich enttäuscht oder verärgert wurde, dann auch nochmal die guten Seiten und Eigenschaften zu sehen. Dann wieder zu vertrauen und nicht immer so ein Hab acht im Hinterkopf zu haben.
Oder wie drückte sich mal Noel Gallagher über seinen Bruder Liam aus: „Er ist ein Mann mit einer Gabel, in einer Welt aus Suppe!“ Soll heißen, dass wir alle Menschen mit Gabeln in einer Welt aus Suppe sind. Wir haben Schwarz-Weiß-Gehirne in einer Welt, welche Grau ist.

Der Wallenborner Geysire

„Es ist das, was du daraus machst“

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