Manchmal ist auch alles ruhig!

Donnerstag: (13.05.2021)

Brückentag, 4 freie Tage und was lag da näher, als mit dem Bus ein paar Tage in die Natur zu fahren, um dort ein bisschen mein MTB zu bewegen. Vor allem frei und bei mir zu sein!
Meine Wahl fiel wieder auf den Pfälzerwald, gab es dort noch jede Menge Strecken, welche ich noch nicht befahren hatte.
Mein Ziel war diese mal allerdings weiter südlich, schon fast unten bei Karlsruhe. Dort befindet sich ähnlich wie in Johanneskreuz, ein Schnittpunkt, bei dem sich jede Menge Tracks des Plälzer Moutainbikeparks kreuzen. Wobei ich immer zwei Tracks zusammen gefügt habe, um eine schöne lange Tour zu erhalten, vor allem die Höhenmeter waren dann ganz nach meinem Geschmack.
Auch ein schöner Wanderparkplatz für den Bus und zum Übernachten war schnell gefunden.

Da Karlsruhe sich nur einen Katzensprung von meinem Parkplatz entfernt befindet, was lag da näher, als meinen Freund Andrew Grau zu fragen, ob er mich nicht auf einer Tour begleiten wollte. Seit dem V2B (Vogesen versus BlackForest) hatten wir uns nicht mehr gesehen und das letzte Mal zusammen Fahrrad waren wir beim EG20 gefahren. Also die perfekte Gelegenheit endlich mal wieder ein paar Kilometer zusammen in die Pedale zu treten und vor allem zu quatschen. Vor lauter erzählen haben wir uns auch ein paar Mal verfahren, weil keiner einen Blick auf seinen Garmin geworfen hat. Aber nicht schlimm, Umwege erhöhen die Ortskenntnis.
Der Track war ein Träumchen und es wurde alles geboten, was das Moutainbikerherz begehrt. Tolle Waldautobahn, schnelle Schotterpisten aber auch ein sehr hoher Trailanteil. Gerade einige der Abfahrten hatten es in sich, vor allem weil alles recht matschig und nass war.

Am beeindruckendsten war allerdings das Grün der Bäume. Diese hatten ein ganz helles Grün, welches schon fast ins Neon überging. Dieses stach richtig ins Auge und war schon fast too much. Bei der späteren Durchsicht und Bearbeitung meiner Fotos konnte man den Eindruck gewinnen, ich hätte bei jedem Foto den Sättigungsregler bis zum Anschlag hochgeschoben. Das Gegenteil war allerdings der Fall, ich habe überall Farbe und Sättigung herausgenommen.

Auch mit dem Wetter hatten wir Glück, welches ein bisschen durchwachsen gemeldet war. Zweimal gab es ein paar Regentropfen aber das Anziehen der Regenklamotten war nicht nötig. Wir sind immer schön an den Regenschauern vorbeigefahren und sie haben uns nicht erwischt.
Am Abend wurde noch schön am Bus gegrillt und weiter gequatscht. Alles in allem ein wunderbarer Tag!

Samstag: (15.05.2021)

Zweiter Tag im Pfälzer Wald und heute stand was die Höhenmeter anging, die Königsetappe auf dem Programm.
Gestartet bei strahlendem Sonnenschein, welcher schon am frühen Morgen durch mein Dachfenster schien und wodurch mir das Aufstehen sehr leicht gemacht wurde. Kein Vergleich zu den vereisten Fenstern mit den entsprechenden niedrigen Temperaturen, welche mich in der Eifel begrüßten in den letzten Wochen, wenn ich dort mit meinem Bus unterwegs war.

Trotzdem hat es wie so oft ewig gedauert, bis mein Fahrrad und der Fahrer startklar waren. Aber zwei große Milchkaffees müssen ja auch erst einmal gekocht und getrunken werden. Dazu noch die schwierige Frage, was ziehe ich denn heute an und was nehme ich alles mit.
Nachdem das alles geklärt war, konnte es auch endlich mit der Tour losgehen. Wie schon so oft, bin ich prompt auf meinen Garmin hereingefallen oder besser gesagt, ich habe mich mal wieder blind auf diesen verlassen. Das Ergebnis bestand darin, dass ich gegen die eigentliche Fahrtrichtung gestartet bin. Mein Garmin teilte mir dies allerdings erst nach fünf Kilometern und etlichen Höhenmetern mit, sodass ich keine Lust mehr hatte umzukehren. Wobei mir vorher schon aufgefallen war, dass ich die Beschilderung des Pfälzer Moutainbikenetzes immer im Rücken hatte. Da ich die Tour allerdings aus zwei verschiedenen Routen zusammen geschnitten hatte, gab es noch einen kleinen Rest Hoffnung in mir, dass ich vielleicht ein Teilstück drehen musste, um diesen wieder zusammenzufügen. Beim Eifel Garveller spielt es keine große Rolle, wie herum man auf dem Track unterwegs ist, weil ich darauf achte, dass diese in jeder Richtung funktionieren und fahrbar sind.

Bei den Strecken des Pfälzer Moutainbikeparks ist diese nicht so, dort bestehen die Abfahrten meistens aus recht steilen und anspruchsvollen Trails. Die Anstiege sind moderat gehalten und winden sich meist auf breiten Waldwegen nach oben. Dies ist super gemacht, wenn man in die richtige Richtung wählt.
Langer Rede kurzer Sinn, ich hatte ziemlich die Arschlochkarte gezogen, weil ich die ganzen steilen und recht verblockten Trails hochfahren und zum Teil auch schieben musste.
Der Tag entwickelte sich zu einer ganz schönen schweißtreibenden Angelegenheit und Plackerei. Wobei die atemberaubende Natur, die herrlichen Weitblicke und vielen Eindrücke, welche ich sammeln durfte, mehr wie entschädigten.
Was mir aber am besten am Pfälzerwald gefällt ist diese Ruhe und Einsamkeit. Dort kann man stundenlang durch den Wald fahren, ohne das einem eine Menschenseele begegnet.
Ab und zu kreuzten ein paar Wanderer meinen Weg und ganz vereinzelt Mountainbiker. Diese Begegnungen sind so selten, dass man sich sogar darüber freut.

Es ist bei weitem nicht so überlaufen und voll wie in anderen Mittelgebirgen. Dies ist auch Andrew Grau am gestrigen Tag sofort aufgefallen, der vom Schwarzwald ganz andere Szenen gewohnt ist. Selbst in der Eifel laufen mittlerweile wesentlich mehr Menschen im Wald herum, wie hier im Pfälzerwald.
Dabei ist Anzahl an ausgeschilderten Fahrrad,- Moutainbike- und Wanderwegen schier unerschöpflich. Vor allem gibt es nur Wald, fast keine landwirtschaftlichen Flächen oder Wiesen. Absolut beeindruckend und innerhalb kürzester Zeit verliert man völlig die Verbindung zur Zivilisation oder hat den Eindruck, diese befindet sich mindestens 200 Kilometer entfernt.
Für mich persönlich und Menschen, welche auf so etwas stehen, ein absolutes Fest und der reinste Balsam für die Seele.
Irgendwann erreichte ich mit Bad Bergzabern dann doch eine Stadt und dies genau zur rechten Zeit. Während ich noch auf der Suche nach Bäckerei und einem Kaffee war, braute sich ein heftiges Gewitter zusammen. Schon vorher musste ich mich im Wald mal kurz unterstellen und meine Regenklamotten anziehen, weil ein kurzer Schauer durchzog. Aber bei diesem Gewitter kam es richtig vom Himmel runter und ich war froh vor der Bäckerei im trockenen zu sitzen. Dort gönnte ich mir zwei Kaffee und einen halben Nusszopf und beobachtete dabei das Schauspiel des Gewitters.

Mit Regenklamotten ging es weiter und innerhalb kürzester Zeit sahen sowohl Fahrrad, wie Fahrer, aus wie Schwein!
Aber auch dies tat dem Spaß keinen Abbruch, eher im Gegenteil. So richtig mit dem Mountainbike im Matsch herumsauen, finde ich super klasse, wenn nur das anschließende Putzen nicht wäre. Als ich wieder meinen Bus erreichte, lachte schon wieder die Sonne vom Himmel und meine Regensachen waren auch schon getrocknet.
Höhenmetermässig hat sich diese Tour mehr wie gelohnt, hatte ich doch auf etwas mehr wie 70 Kilometern, über 2400 Höhenmeter überwunden. Zusammen mit den 2000 Höhenmetern von gestern stellt dies keine schlechte Leistung dar und so langsam stimmt die Form für die Trans Bayerwald, welche ich in der Woche nach Pfingsten unter die Reifen nehmen möchte.

Sonntag: (16.05.2021)

Heute Morgen wurde ich leider nicht von der Sonne geweckt, sondern von einem ziemlich grau verhangenen Himmel begrüßt. Selbst die Bergspitzen konnte man nicht sehen, weil sie von Nebel umhüllt waren. Dabei sind die Berge hier im Pfälzerwald gar nicht spitz, sondern oben mehr rundlich. Sie erinnern mich an bestimmte weibliche Körperteile, auf die ich hier jetzt aber nicht näher eingehen möchte.
Der Schönheit und der faszinierenden Natur hier im Pfälzerwald taten der Nebel und die Wolken allerdings keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, durch den vielen Regen und das dadurch alles feucht war, kamen die Farben der Wälder noch satter rüber. Vor allem dieses Grün, welches mich schon seit Tagen fasziniert und fesselt, schien noch mehr zu leuchten. Allerdings sollte es auch eine sehr matschige Mountainbiketour heute werden.

Schon nach der ersten Abfahrt war ich von oben bis unten voller Matsch und meine Kette mahlte wie eine Kaffeemühle, soviel Dreck hatte sich schon an den Antrieb geheftet. Selbst auf den Abfahrten rollte es nicht besonders gut, da meine Reifen im Matsch wie festgeklebt waren. Bergauf hatte ich ganz schön mit meinem abgefahrenen Racing Ralph zu kämpfen und mit diesem Grip zu finden. Aber gerade solche Touren bleiben mir in Erinnerung, wo die Bedienungen hart waren und ich keinen Kilometer geschenkt bekommen habe.
Zum Glück bestätigte sich der Wetterbericht heute nicht wirklich, denn es waren für den ganzen Vormittag Regenschauer vorhergesagt. Aber bis auf ein paar Tropfen, blieb es trocken. Sogar die Sonne ließ zwischendurch mal blicken und ließ die Temperaturen ein bisschen steigen.
Schon gestern hatte es fast den ganzen Tag geregnet, sodass ich mir einen ruhigen Tag ohne Mountainbikefahrern gegönnt habe. Nach drei Tagen Vanlife, benötigte auch der Bus mal ein bisschen Liebe und Zuwendung von mir und vor allem eine kleine Grundreinigung.
In Bad Bergzabern bin ich hoch auf den Bismarckturm gelaufen und habe mir noch das eine oder andere hier in der Gegend angeschaut. Denn gefühlt steht hier auf jedem Berg eine Burg oder ein Turm. In der Eifel gibt es schon unzählige Burgen und Türme, allerdings übertrifft der Pfälzerwald dies wohl locker. Den Rest vom Tag habe ich es mir dann im Bus gemütlich gemacht, ein bisschen geschrieben, Fotos bearbeitet und gelesen.

Dies wäre vor einiger Zeit noch undenkbar gewesen, dass ich mir einfach so einen faulen Tag mache und mich nicht auf mein Fahrrad setze und etwas “leiste”. Wo ich doch extra zum Fahrradfahren und Trainieren hier in den Pfälzerwald gekommen bin. Früher hätte ich ein sehr schlechtes Gewissen gehabt und mich dafür abgewertet. Wahrscheinlich hätte ich mich wie ein Versager gefühlt, weil ich nicht dem Wetter getrotzt und trotzdem gefahren bin.
Es steckte auch viel die Angst dahinter, nicht gut genug zu sein, als schwach wahr genommen zu werden oder als jemand der seine Dinge nicht durchzieht. Wie eine Art Schwätzer oder Schauspieler dazustehen.
Diese Angst das früher oder später jeder hinter meine Fassade blickt und erkennt das dort nicht viel ist. Nur ganz viel Unsicherheit, Angst und Selbstzweifel und sich die Menschen deshalb von mir abwenden und ich verlassen werde.
Das da gar kein toller Sportler und Radfahrer dahinter steckt. Wobei ich mich persönlich überhaupt nicht als Sportler sehe oder fühle. Ich fahre einfach gerne und viel Fahrrad, liebe es draußen in der Natur zu sein, meine Ruhe und meinen Raum zu haben. Sowas wie Trainingspläne, Wattmessung oder Gruppenausfahrten sind mir ein Graus und so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich unter Fahrradfahren verstehe.
Ich stehe auch nicht sonderlich auf dieses Vergleichen und wer ist der Beste auf dem Fahrrad. Das ist mir völlig verhasst und so ein typisches Männerding, wer hat den Längsten oder wie es Kettcar ausdrücken, Lattenmessen.

Beim Fahrradfahren geht es mir eigentlich nur um mich, meinen Spaß und meine Philosophie. Zumindest mittlerweile und meistens. Da bin ich sehr egoistisch geworden und fahre lieber alleine, wie irgendetwas wozu ich keinen wirklichen Bock habe.
Was nicht heißt, dass ich nicht auch kämpfe oder mich meine Grenzen nicht interessieren. Ganz im Gegenteil! Gerade früher ging es immer nur darum. Gegen mich und meinen Körper zu fahren und zu kämpfen. Vor allem gegen die Kilos und die Kalorien.
Auch heute kann ich mich nicht ganz davon freisprechen, vor allem wenn ich mit mir am hadern bin, mit meiner Selbstwahrnehmung und Identität.
Aber heute versuche ich mehr mit und für mich zu fahren und zu kämpfen. Für schöne Erlebnisse, tolle Auszeiten und positive Erinnerungen.
Es ist schon ein komischer Mechanismus, dass man sich selber oft viel weniger verzeihen kann oder viel länger dafür benötigt. Bei anderen Menschen kann ich das viel schneller oder kann die Gründe akzeptieren, warum dies bei dieser Person so ist. Nur bei mir lege ich oft so einen völlig überzogenen Perfektionismus an den Tag, der eigentlich nur einem Gefühl von nicht gut genug und nicht wirklich liebenswert zu sein, entspringt.

Dabei war der gestrige Tag überhaupt nicht unproduktiv, sondern einfach nur anders oder besser gesagt, ich war mich selber produktiv, für meine Mental Health und war achtsam mit mir.
Schade das ich heute wieder nach Hause fahren muss, weil Morgen die Arbeit und der Alltag wieder losgehen. Viel lieber wäre ich mit meinem Bus zum nächsten Mountainbikespot weitergezogen und hätte dort die Wege und Trails unsicher gemacht. Vor allem dieses Gefühl, frei und ungebunden zu sein, mir selbst genug und diese innere Ruhe, werde ich in meinem Alltag vermissen. Allerdings nicht für lange, schon am nächsten Wochenende geht es auf die nächste Reise. Dann zusammen mit meiner Tochter und das Ziel wird das Saarland sein.
Aber mein großer Traum ist und bleibt, ein solches Leben mal über einen längeren Zeitraum zu führen. Zu schauen, ob ich das überhaupt kann oder ich mir das alles nur so romantisch ausmale. Vor allem zu schauen, was es mit mir macht und am Ende dieser Reise herauskommt.

„Es ist das, was du daraus machst“

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