Zu Besuch in „Preußisch Sibirien“

An diesem Wochenende wurde die Eifel, deren Spitznamen “Preußisch Sibirien” lautet, diesem sehr gerecht. Die Bezeichnung stammt aus der Kaiserzeit, wo die Eifel als arm, kalt, schneereich und gut katholisch galt. Für Offiziere der preußischen Arme glich eine Versetzung in die Eifel einer Strafe und Degradierung.
Selbst der Bau des Nürburgrings im Jahr 1925 war eine Entwicklungsmaßnahme für diese bitterarme Region tief im Westen.
Durch die dünne Besiedlung, das Fehlen von Schwerindustrie oder großen Industriezentren, ist die Natur und Beschaffenheit der Eifel weitgehend erhalten geblieben. Diesem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass die Eifel heutzutage zu einem der schönsten und abwechslungsreichsten Mittelgebirge in Deutschland zählt.
Wobei die strengen und schneereichen Winter mittlerweile auch hier dem Klimawandel zum Opfer gefallen sind. Temperaturen wie an diesem Wochenende sind selten geworden und Schnee gibt es nur noch selten.
Mit Temperaturen um die zehn Grad Minus, Eis und Schnee, sah dies an diesem Wochenende jedoch völlig anders aus. Zum Glück habe ich meinen Bus ziemlich gut isoliert und mir im letzten Jahr zu Weihnachten eine Standheizung gegönnt. Am Morgen war es trotzdem hure kalt im Bus, die Scheiben von innen und außen mit Eis bedeckt und alles andere als gemütlich. Bevor mehr wie meine Nase unter der Bettdecke hervor lugte, ließ ich erst einmal eine halbe Stunde die Heizung laufen.

Die Dietzenley
Das Aarley Kreuz

Mein ursprünglicher Plan war es, rund um Bad Münstereifel und dem Radioteleskop Effelsberg ein bisschen für den EG23 zu scouten. Allerdings bei diesen Temperaturen bin selbst ich raus, was Fahrradfahren angeht. Mit dem Bus wegfahren wollte ich trotzdem, weil ich unbedingt die winterliche Eifel genießen wollte und es dringend Zeit für einen Tapetenwechsel wurde. Die letzten Wochenenden habe ich alle Zuhause mit der Renovierung meines Hauses verbracht. Nach über vier Jahren wurde es echt mal Zeit, dort ein paar Dinge zu Ende zu bringen und nicht nur unterwegs zu sein.
Mittlerweile ist die Baustelle zu Hause abgeschlossen und meine Lust auf unterwegs zu sein und neue Abenteuer wieder geweckt. Manchmal ist es das Beste, sich einfach mal mit etwas anderem zu beschäftigen und seine Interessen zu verlagern.
Auch diesem ganzen Weihnachtsgedönse wollte ich entliehen. Von Jahr zu Jahr wird meine Abneigung gegenüber diesem Fest größer. Dabei habe ich den Eindruck, das Aufhebens, welches um dieses Fest veranstaltet wird, steigert sich von Jahr zu Jahr. Wahrscheinlich gibt es mittlerweile einen Weihnachts-Algorithmus und wir hängen alle in der negativen Feedbackschleife fest, welche sich jedes Jahr verstärkt.
Dabei ist die ganze Geschichte, welche hinter diesem Fest steckt, mehr wie schwammig und frei erfunden. Für mich persönlich gehört diese in die Rubrik Fake News und Verschwörungstheorie, im besten Fall in ein Märchenbuch. Vor allem diese ganzen kommerziellen Auswüchse und dieser besinnliche Quatsch lassen mich im Strahl kotzen.
Für mich reduziert sich Weihnachten letzten Endes auf den Wunsch des Menschen nach Sicherheit, Nähe und Geborgenheit. Nach Tradition und verlorener Kindheit, in einer Welt, die sich immer schneller dreht und verrückter wird. Es ist nicht so, ich würde dieses Bedürfnis nicht selbst sehr oft verspüren, bloß ist für mich Weihnachten nicht der Weg, mit diesem umzugehen oder es damit zu befriedigen.
Weihnachten steht für mich auf einer Stufe mit Karneval. Dieses Fest/Tradition wird anscheinend ja auch benötigt, damit man sich verkleiden und mal ein ganz anderer Mensch sein kann. Beides ist die Flucht in eine andere Welt, um der Realität zu entfliehen, um diese nicht wahrzunehmen.

Darüber hinaus ist der gemeinsame Nenner dieser beiden Veranstaltungen, der Alkohol und ungezügelter Konsum.
Vor allem habe ich ein großes Problem mit dem Veranstalter/Erfinder von Weihnachten, der Kirche und das vor allem mit der Katholischen. Wie oben schon erwähnt, ist die Eifel gut katholisch und in diesem Sinne wurde ich auch mal erzogen. Von Taufe, Kommunion über Messdiener und Firmung habe ich dort alles durchlaufen. Vieles habe ich damals schon nicht wirklich verstanden, passten nicht zu meinen eigenen Gedanken oder wie ich die Dinge sehe. Ehrlich gesagt gibt es keinen homophoberen, antifeministischeren und pädophileren Verein, wie die katholische Kirche. Selbst die größten Konzerne auf dieser Erde und das ist die katholische Kirche, könnten sich solche Skandale und Entgleisungen nicht erlauben. Vor allem so ungeschoren damit davon kommen. Von Meinungsmache, Beeinflussung und Lobbyismus können sich solche Firmen wie Google und Facebook noch eine fette Scheibe abschneiden und sie sind Meister ihres Fachs.
Mir würden noch so ein paar Vergleiche bezüglich der katholischen Kirche einfallen, die schenke ich mir jetzt allerdings.
Viel lieber komme ich mal wieder auf meinen Besuch in der Eifel zurück. Da Fahrradfahren an diesem Wochenende keine wirklich schöne Beschäftigung darstellte, war ich halt ein bisschen zu Fuß unterwegs. Es war zwar eisig kalt, das Wetter aber traumhaft schön. So viel Sonnenschein und Helligkeit gab es schon seit Monaten nicht mehr. Die schneebedeckten Wege und vereisten Bäume verstärkten diesen Effekt noch um ein Vielfaches. Dazu kommt, dass der Schnee fast alle Geräusche schluckt und die Tierwelt akustisch fast nicht vorhanden ist im Winter. Einzig die vereinzelten Spuren im Schnee, lassen erahnen, dass ich nicht alleine im Wald unterwegs bin.

Rom liegt in der Eifel!
Der Aussichtsturm auf der Dietenley

Bei diesem Wetter ist außerdem eine gute Weitsicht garantiert, deshalb habe ich mir als Ziel, die Dietzenley und die Aarley ausgesucht. Beides sind jetzt nicht die höchsten Berge in der Eifel, bieten aber einen spektakulären Weitblick und einen Aussichtsturm.
Wobei der Turm auf dem Aarley, wegen Pilzbefall des Holzes, vor anderthalb Jahren abgerissen wurde. Dieser sollte allerdings als Stahlkonstruktion wieder aufgebaut werden und ich hatte in Erinnerung, dies wäre bereits geschehen. Leider musste ich feststellen, dass dies nicht der Fall war und nur die vier Fundamente des alten Turms dort standen. Auf einem Schild, welches dort angebracht war, konnte ich allerdings lesen, dass ein neuer Turm in Planung ist. Allerdings, so schrieb der Bürgermeister, erst, wenn die Stahlpreise wieder sinken und es bezahlbar wäre. Da wird es wohl in absehbarer Zeit keinen Aussichtsturm mehr auf dem Aarley geben. Dass die Stahlpreise oder irgendwelches anderes Baumaterial nochmal billiger wird, bezweifle ich stark. Wenn ich bedenke, welche Preise im Baumarkt aufgerufen werden, im Vergleich zu denen von vor 4 Jahren, bin ich gespannt, wer sich in Zukunft bauen überhaupt noch leisten kann. Selbst meine relativ kleine Baustelle ist um ein Vielfaches teurer geworden, als ich geplant hatte. Völlig verrückt!
Um die letzten Ressourcen, seien es fossile Brennstoffe oder Materialien für die Produktion, ist längst ein weltweiter Verteilungskampf entbrannt, wo sich die großen und mächtigen Staaten nehmen, was noch zu bekommen ist. Dafür werden Kriege geführt und mit menschenverachtenden Regimen Geschäfte abgeschlossen oder Fußball Weltmeisterschaften ausgetragen. Von den Auswirkungen auf die Natur und die Erde möchte ich gar nicht erst anfangen. Aber gut, dass wir ein paar junge Erwachsene in Deutschland haben, die wir wegen festkleben auf Straßen mit Sekundenkleber zum größten Staatsfeind erklären können. Dabei ist die letzte Generation wahrscheinlich viel gefährlicher als der ganze rechte Mob in diesem Land, der so langsam zur deutschen Mitte wird.

„Es ist das, was du daraus machst“

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