Vanlife, Objektkonstanz und einfach leben!

Montag bis Donnerstag: (12-15.04.2021)

Da ich diese Woche keine Lust hatte, jeden Tag zwei Stunden Auto zu fahren, um an meine Arbeitsstelle zu gelangen, habe ich einfach den Bus mitgenommen.
Vor allem wollte ich ein bisschen Rückzug und Ruhe finden, da mir die erste Woche nach meinem Urlaub ziemlich zugesetzt hatte. Das wieder reinkommen in Job und Alltag ist meistens holprig bei mir, benötigt seine Zeit und ich muss mich erst wieder zurechtfinden. Mich umzustellen, egal womit, ist immer ein herausfordernder Prozess bei mir. Wahrscheinlich weil ich so Struktur und “Kontrolle” stehe, um mein Leben und meinen Alltag auf die Reihe zu bekommen. Wobei sich das eigentlich immer nur auf der Gefühlsebene in mir abspielt, nach außen wirke ich meist ziemlich souverän und als hätte ich alles im Griff. Es ist dann eher diese Ambivalenz, zwischen meiner inneren und äußeren Welt, welche mir zu schaffen macht und sich durch jeden Bereich in meinem Leben zieht.

Maibachtal bei Ahrweiler
Ahrtalbahn und Ahrtalradweh bei Altenahr

Das Wetter war allerdings immer noch eher suboptimal, um im Bus zu wohnen. Jeden Morgen konnte ich Eis kratzen und auch die Nächte waren jetzt nicht wirklich warm. Ein Königreich für eine Standheizung.
Davon mal ein bisschen vor dem Bus in der Sonne zu sitzen und die Füße im Liegestuhl hochlegen, konnte ich mal wieder nur träumen. Wobei ich es doch höchstens fünf Minuten im Liegestuhl aushalten würde.
Deshalb hatte ich lieber mein MTB eingepackt und bin nach Feierabend an der Ahr Fahrrad gefahren, stellt die Ahr doch ein MTB Paradies dar. Unzählige Trails aller Schwierigkeitsstufen und dazu mehr Anstiege wie die Beine treten können. Hat man den Anstieg hinter sich gebracht, befindet man sich auch schon Mitten in der Eifel, mit riesigen Waldflächen und endlosen Wegen. Bei diesen drei Touren an der Ahr sind ein paar sehr schöne Fotos entstanden, welche ich unbedingt posten wollte und etliche neue Highlights habe ich entdeckt.

Wie oben schon erwähnt hätte es wärmer sein können, die ganzen Tage bewegten sich Temperaturen zwischen Null und Fünf Grad. Bei meiner ersten Tour bin ich sogar in einen Schneesturm geraten, sodass ich die Hand nicht mehr vor Augen sehen konnte und nach 5 Minuten sah ich aus wie Olaf der Schneemann. Zum Glück hatte ich alles an Regenklamotten eingepackt und nach 20 Minuten war der Spuk auch schon wieder vorbei. Die anderen beiden Tage waren allerdings nicht besser, gerade auf den Höhen der Eifel blies ein eisiger Wind. Besonders unschön war dieser, wenn ich nassgeschwitzt vom langen Anstieg von der Ahr herauf oben in der Eifel ankam. Dann hieß es noch eine zusätzliche Schicht Fahrradbekleidung draufpacken.
Dies ist seit Jahren der kälteste April und das mieseste Frühjahr, an das ich mich erinnern kann. Facebook zeigt mir ständig Erinnerungen aus den letzten Jahren und auf fast jedem Foto trage ich kurz/kurz oder bin auf einer Bikepackingtour unterwegs. An eine Bikepackintour ist im Moment überhaupt nicht zu denken, zumindest nicht bei mir, ist mir viel zu ungemütlich und vor allem zu kalt. Dafür müsste ich mir ja noch einen neuen Schlafsack und eine Isomatte kaufen, die auch für Winterbedingen geeignet wären. Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt und es einfach mal Zeit ist, kann es nicht mehr lange dauern, bis es endlich richtig warm ist.

Es wundert mich schon die ganze Zeit, dass die ganzen Corona-Verschwörungstheoretiker, da noch keinen Zusammenhang hergestellt haben. Steckt doch hinter dem miesen und kalten Frühling Angelika Merkel und die Bundesregierung, damit die Menschen zu Hause bleiben, nicht so viel draußen herumlaufen und sich treffen. (Das ist ein Scherz!)
Nichtsdestotrotz haben mir die Tage an der Ahr und das Leben im Bus richtig gutgetan.
Dieses einfache und reduzierte Leben bringt mich immer völlig runter und wieder zu mir. Es ist äquivalent zum Bikepacken, wo es mir jedes Mal genauso ergeht. Es gibt wenig Ablenkung, nicht viele Dinge, um die ich mich kümmern muss und auch die Möglichkeiten der Zerstreuung und Ablenkung sind sehr begrenzt. Dadurch verbringe ich die Tage sehr bewusst und achtsam, weil ich viel fokussierter sein kann und mich nicht im alltäglichen Kleinkram verliere. Dazu noch die Arbeit, welche mir tagsüber Beschäftigung und Struktur gibt, woraus sich eine gute Mischung für mich persönlich ergibt.

Vor allem genieße ich die Einsamkeit auf diesen Touren, egal ob mit dem Fahrrad oder wenn ich mit dem Bus unterwegs bin. Ich bin mir selber genug, ganz bei mir und sehr eins mit mir. Vor allem bin ich innerlich ruhig, es tobt nicht dieses Gedankenchaos in meinem Kopf oder irgendwelche To-do-Listen, welche ich abarbeiten „muss“.
In meinem Inneren ist es leise, wodurch ich auch im außen viel ruhiger und vor allem leiser bin. Gerade im Außen kann ich sehr laut und hektisch sein, gerade im Schwingen der Stresspeitsche kann ich super sein und dadurch Menschen, im übertragenen Sinne, auch schnell mal überfahren.
Dabei mag ich es gar nicht, wenn ich so hektisch und laut bin. Letzten Endes ist es nur ein Zeichen der Überforderung und vor allem von Unsicherheit von mir.
Deshalb genieße ich diese innere Stille unheimlich, wenn ich unterwegs bin, vor allem habe ich dann nie das Gefühl alleine zu sein. Dies ist leider nicht mein “Normalzustand”, denn oft fühle ich mich so unendlich alleine, was meist Hand in Hand mit dem Gefühl der Leere einhergeht. Sowohl das Gefühl der Leere und Langeweile, wie auch das Bemühen, nicht alleine zu sein, stellen jeweils ein Diagnosekriterium für eine Borderlinestörung dar.

Auch negative Gefühle sollte man unbedingt zulassen und nicht um jeden Preis versuchen diese zu vermeiden, nicht hochkommen zu lassen oder mit etwas anderem zu überdecken. Dies wird nicht lange funktionieren und gut gehen, sondern die negativen Gefühle werden sich immer weiter aufstauen und irgendwann nur umso heftiger rausbrechen. Der Konfrontation mit diesen aus dem Weg zu gehen, genauso in Bezug auf zwischenmenschliche Aspekte, ist meist auch keine gute Entscheidung. Dadurch türmen sich die Probleme und Schwierigkeiten nur umso höher auf, vor allem werden sie gefühlt immer bedrohlicher und existenzieller.
Meistens hilft es mir auch, mir klar darüber zu werden, dass ich gar nicht alleine bin. Dass es da viele Menschen in meinem Umfeld gibt und Freunde, denen ich etwas bedeute und die gerne Zeit mit mir verbringen. Wobei ich in solchen Situationen auch meist sehr mit meinem Selbstwert kämpfe und es mit meiner Objektkonstanz nicht weit her ist.

Kloster und Wallfahrtskirche Calvarienberg

Vor allem überlege ich mir in solchen Situationen, wann hatte ich denn den letzten Kontakt mit Freunden und Bekannten. Mich daran zu erinnern, hilft mir auch oft ein Stück aus diesem mich alleine fühlen heraus zu kommen. Oder es zeigt mir, dass es echt mal wieder angebracht wäre, Zeit mit Menschen zu verbringen und mich bei einigen Leuten zu melden.
Meistens war ich dann so mit anderen Dingen oder mir selbst beschäftigt, dass ich das Außen völlig aus den Augen verloren habe und es dringend Zeit wird wieder einen Ausgleich mit meinem Inneren zu schaffen.

An diesem Wochenende werde ich die nächste Möglichkeit haben, mein Innen und Außen in Einklang zu bringen, denn ich werde mich nicht lange zu Hause aufhalten. Schon Morgen Nachmittag geht es in Richtung Eifel, genauer gesagt, nach Nettersheim. Dort will ich noch ein bisschen für den Eifel Graveller scouten und hoffentlich ein etwas wärmeres Wochenende verbringen.

Kloster Steinefeld

Samstag: (17.04.2021)

Für dieses Wochenende ging es in vertraute Gefilde, nach Nettersheim in der Eifel. Dort gibt es noch so ein paar Stellen, wo ich mir für den Track des EG21 noch ein paar alternative Wegeführungen anschauen wollte. Es gibt allerdings Abschnitte, wo nur asphaltierte Feldwege vorhanden sind und es einfach nichts Spektakuläres zum Einbauen gibt. Wobei es dem Eifel Graveller an Highlights jetzt absolut nicht mangelt, wenn man mal den ganzen Track gefahren ist.
So wirklich war das heute insgesamt nicht mein Tag. Es fing schon damit an, das ich die Milch vom Kocher gestoßen habe und erst einmal den Bus putzen durfte. Auch Komoot hat sich heute nicht Ruhm bekleckert. Einige Wege gab es überhaupt nicht, andere waren alles andere als schön fahrbar.
Für dieses Wochenende ging es in vertraute Gefilde, nach Nettersheim in der Eifel. Dort gibt es noch so ein paar Stellen, wo ich mir für den Track des EG21 noch ein paar alternative Wegeführungen anschauen wollte. Es gibt allerdings Abschnitte, wo nur asphaltierte Feldwege vorhanden sind und es einfach nichts Spektakuläres zum Einbauen gibt. Wobei es dem Eifel Graveller an Highlights jetzt absolut nicht mangelt, wenn man mal den ganzen Track gefahren ist.
So wirklich war das heute insgesamt nicht mein Tag. Es fing schon damit an, das ich die Milch vom Kocher gestoßen habe und erst einmal den Bus putzen durfte. Auch Komoot hat sich heute nicht Ruhm bekleckert. Einige Wege gab es überhaupt nicht, andere waren alles andere als schön fahrbar.

Auch von dem Golfplatz nebenan habe ich mich ferngehalten. Bin mit dem Gravelbike schon mal auf einem Golfplatz gelandet und dort ein bisschen rumgefahren. Mein Freund hat dann noch ein paar Fotos aufgenommen, wie ich neben der Fahne posiere, wo eingelocht wird. Das fanden die Leute vom Campingplatz gar nicht lustig, es gab mächtig Gemecker!
Dann will ich mir seit Jahren mal das Heino Café in Bad Münstereifel anschauen, welches wie soll es anderes sein, für seine Haselnusstorte bekannt ist. Heino betreibt das Café seit einigen Jahren nicht mehr persönlich, wobei ich allerdings auch stark bezweifle, dass er da jemals gebacken oder bedient hat. Es wurde aber weitergeführt und ich wollte immer mal dorthin. Warum, das ist wieder eine andere Geschichte!
Auf jedem Fall bin ich den ganzen Berg hoch geradelt, habe mich noch zweimal verfahren und was musste ich feststellen? Geschlossen und es wird gerade umgebaut, weil etwas anderes dort aufgemacht wird.
Was soll ich sagen, man kann nicht immer gewinnen! Dafür habe ich eine schöne große Runde durch die Eifel gedreht und nachdem es heute Morgen bitterkalt war, ist es doch noch ein sehr sonniger Tag geworden, denn ich jetzt noch gemütlich in meinem Bus ausklingen lasse.
Wobei ich schon die ganze letzte Woche mit dem Bus unterwegs war, worüber ich ja schon berichtet habe. In meinem richtigen Bett habe ich genau eine Nacht verbracht. Jedes Mal, wenn ich nachts aufgewacht bin, dachte ich, ich liege in meinem Bus. Beim Greifen nach dem Lichtschalter musste ich feststellen, der sitzt ganz woanders. Auch war ich ganz überrascht, dass sich meine Brille nicht auf dem kleinen Klapptisch vor meinem Bett befindet. Vor allem das ich mich einfach so rumdrehen kann, weil ich doppelte Liegefläche zur Verfügung habe, hat ich jedes Mal aufwachen lassen. Denn normalerweise geht bei nichts über mein eigenes Bett und darin zu schlafen.

Stiftskirche in Bad Münstereifel
Stadtmauer in Bad Münstereifel

Vielleicht soll mir das unterbewusst etwas sagen? Wobei ich schon lange von meinen Bikepackingtouren weiß, wie gut mir dieses einfache und reduzierte Leben in Bezug auf meine psychische Stabilität tut. Auch physisch oder besser gesagt auf mein Essverhalten bezogen, gestaltetet dies sich auch wesentlich einfacher, wenn ich so lebe.
Warum lebe ich dann nicht immer so oder gestalte meine Leben zu Hause nicht genauso, wäre jetzt die berechtigte Frage?
Wobei die Antwort eigentlich nicht kompliziert ist: Zu Hause ist das halt nicht so einfach!
Da gibt es immer etwas das Liegen geblieben ist und um das ich mich kümmern kann/muss. Dort gibt es viel mehr Verpflichtungen, weil das ganze System/Lebensmodell wesentlich komplizierter und vielschichtiger ist.
Wobei ich mittlerweile auch der festen Überzeugung bin, dort bin ich viel der Sklave der vielen Dinge, welche ich besitze. Vieles benutze ich nur ganz selten oder für einen bestimmten Zweck. Was noch viel schlimmer ist, vieles besitzt oder benutzt man, weil man soviel hat oder sich darum kümmern muss. Damit meine ich Tätigkeiten und Dinge, die ich gar nicht benötigen würde, wenn ich etwas anderes nicht besitzen würde oder mich darum kümmern müsste. Schon ein bisschen schizophren!
Für dieses Phänomen gibt es bestimmt einen ganz tollen englischen oder lateinischen Fachausdruck, den weiß ich aber leider nicht. Hoffe ihr könnt mir auch so folgen, worauf ich hinaus will.
Solche Dinge wie einen Rasenmäher, einen Hochdruckreiniger oder eine Aluleiter und da könnte ich noch zig Teile aufzählen. Dies besitze ich, weil ich ein Haus oder einen Garten habe und sie dafür benötige. Viele Dinge, die wir anschaffen, ziehen einen Rattenschwanz an anderen Teilen und Tätigkeiten hinter sich her. Vom Umwelt- oder Klimaaspekt, will ich gar nicht anfangen zu schreiben.
Dabei habe ich eigentlich gar keine Lust und meine Zeit ist mir viel zu schade, dass ich mich um solche Dinge wie Haus und Garten kümmern. Da würden jede Menge Sachen einfallen, die lieber tun würde.
Diese trifft auch auf meine Fahrräder zu, davon besitze ich vier Stück. Das heißt viermal putzen und mich um vier Fahrräder kümmern. Wobei jedes Fahrrad auch seinen Einsatzzweck und Verwendung hat. Wobei Schönreden kann man sich auch alles!
Oder das Haus, in dem ich wohne, hat 2 Balkone, einen Wintergarten und eine Terrasse. Was nutze ich davon, gar nichts! Im Grunde genommen benutze ich drei Räume in dem Haus. Wenn ich rauswill, gehe oder fahre ich in die Natur aber setze mich nicht auf irgendeinen Balkon. Die Funktion Balkon habe ich noch nie wirklich verstanden, außer man raucht vielleicht. Aber alle Dinge müssen im Frühjahr gereinigt und in Schuss gehalten werden, dieses kostet Geld, Zeit und Ressourcen!
So könnte ich noch unzählige Beispiele aufführen, wo die Dinge, welche ich benutze oder wirklich benötige, in keinem Verhältnis dazu stehen, was ich besitze. Auch mit vielen Dingen, die man so kauft oder fest davon überzeugt ist, wäre doch klasse, wenn ich sie hätte, verhält es sich genauso.
Das Resultat ist, ich bin nur noch mit der Unterhaltung oder der Sicherung meines Standards beschäftigt, weil Dinge gehen ja auch mal kaputt oder sie entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik. Da wird natürlich etwas Besseres gekauft, mit mehr Firlefanz und Schnickschnack, schließlich will man sich ja nicht verschlechtern, was würden denn da die Leute denken! (Mein absoluter Lieblingssatz, damit hat man mich direkt auf Anschlag!)
Mittlerweile habe ich dabei das Gefühl, ich drehe mich nur noch im Kreis. Sehr wahrscheinlich ist dem auch so, das große Konsumrad muss ja immer schön gedreht werden, hängen ja schließlich Arbeitsplätze davon ab. Mit Arbeitsplätzen wird in diesem Land sowieso fast alles gerechtfertigt oder als Druckmittel eingesetzt.

Altstadt von Bad Münstereifel
Der Astropeiler Stockert

Ein wirkliches Rezept habe ich noch nicht gefunden, wie ich mich da möglichst wenig daran beteilige, da es im Grunde genommen unmöglich ist, sich dem zu entziehen. Zumindest hat sich ein Bewusstsein und eine gewisse Achtsamkeit dafür bei mir entwickelt.
Ein weiter Punkt, warum einfach und reduziert leben zu Hause so schwierig ist, liegt in der ständigen medialen Ablenkung. Dort habe ich den ganzen Tag schnelles Internet zur verfügbar. Das Fernsehen ist flott eingeschaltet, um mich ein bisschen abzulenken und berieseln zu lassen. Da einfach nein zu sagen, die Dinge nicht zu benutzen, ist wirklich völlig schwierig. Meinen Fernsehkonsum habe ich mal ziemlich heruntergeschraubt und streame lieber mal ganz bewusst eine Serie oder einen Film. Aber dieses ständige Hintergrundberauschen durch Fernsehbilder und Ton, habe ich mal ziemlich unterbunden.
Mit dem Internet und den sozialen Plattformen funktioniert dies leider noch nicht so wirklich. Da verbringe ich noch viel zu viel Zeit mit oder darin, das muss ich mir ehrlich eingestehen. Auch zu Hause einfach mal nichts tun, nur auf der Couch liegen, seinen Gedanken nachhängen oder ein bisschen aus dem Fenster schauen, schaffe ich jetzt auch noch nicht so wirklich.
Durch diese ständigen Möglichkeiten, egal welcher Art, die sich den ganzen Tag zu Hause bieten, ist auch immer eine gewisse innere Anspannung und Stress gegeben. Ständig muss der Kopf Informationen verarbeiten, diese bewerten und darauf reagieren oder nicht. Vieles läuft völlig unbewusst und automatisiert ab, trotzdem kostet auch das Kraft und Ressourcen.
Durch Corona kommen jetzt auch noch neue Herausforderung dazu. Zum Einen das Homeoffice und die reduzierten sozialen Kontakte.
Im Homeoffice verschwimmen die Grenze zwischen Arbeit und Zuhause. Schnell mal am Laptop zu Mittag gegessen, abends noch nach den E-Mails geschaut oder etwas hochgeladen. Auf der anderen Seite, ein paar Dinge des täglichen Lebens zwischendurch erledigen. Mal schnell die Wäsche in den Trockner werfen, für den Briefträger an die Tür gehen und so weiter.
Es ist wirklich Arbeit oder besser gesagt, es gehört ganz viel Disziplin dazu, seinen geregelten Tagesablauf zu finden und diesen einzuhalten. Nicht noch am Nachmittag in den Schlafklamotten am Laptop sitzen und vor allem regelmäßige Pausen einzulegen, ohne diese direkt mit privatem Kram zu füllen.
Richtig schwierig wird es, wenn es noch gilt die Kinder zu betreuen oder sich nebenbei um das Homeschooling zu kümmern.
Dazu kommt dann noch, dass ich den ganzen Tag nicht viel anders sehe, wie meine Wohnung. Dadurch fallen ganz viele Eindrücke weg, welchen wir den Tag über so sammeln. Seien es Begegnungen, Gerüche, Bilder, Anregungen oder was auch immer. Zum Beispiel auf der Fahrt zur Arbeit, mal in der Mittagspause in die Kantine gehen oder sich mit einem Arbeitskollegen verabreden. Im Homeoffice geht alles nahtlos ineinander über, wodurch dem Kopf und dem Körper keine Zeit gegeben wird sich zu erholen oder sich auf die nächste Situation einzustellen. Gerade die Fahrt zur und von der Arbeit nach Hause, dient wie eine Art Schleuse, um sich auf das jeweils kommende einzustellen und sich, wenn auch oft unterbewusst, darauf vorzubereiten.
Dadurch ist der Körper und der Kopf, in ständiger Anspannung, es fehlen die Phasen des Loslassen und Entspannens. Denn nach diesem Schema ist jede Entspannungstechnik aufgebaut, gerade PME (Progressive Muskelentspannung), funktioniert nach genau diesem Prinzip. Anspannen und Loslassen!
Und genau auf diese ständige Anspannung muss ich persönlich unheimlich achten. Menschen mit einer Borderlinestörung haben schon im Leerlauf eine viele höhere Grundanspannung. Ähnlich einem Auto, wo das Standgas viel zu hoch ist. Vor allem, weil dies der Normalzustand darstellt, fällt es überhaupt nicht mehr weiter auf, dass die Grundanspannung so hoch ist. Das Ganze geht sogar so weit, das, wenn diese Anspannung fehlt, sehr schnell der Eindruck oder das Gefühl der Langeweile und Leere entsteht. Da dieses auch zu einem ziemlichen Problem bei Borderline gehört, wird natürlich versucht, diesen Zustand zu vermeiden oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Da entsteht natürlich schnell ein Teufelskreis.
Das Problem mit der hohen Grundspannung ist allerdings, wenn noch Ärger oder Stress hinzukommen, schnell das Fass überläuft. “Normale” Menschen haben eine Grundspannung von 10 %, wobei Menschen mit einer Borderlinestörung schon von Natur aus mit 40 % durchs Leben gehen. Bei 10 % kann einiges an Stress oder Ärger hinzukommen, weil viel Reserve nach oben ist, bevor der Kessel anfängt zu pfeifen. Bei Menschen mit einer hohen Grundanspannung, kann oft schon ein komischer Satz oder ein schräger Blick genügen, etwas Unvorhergesehenes geschieht oder etwas funktioniert nicht wie gewünscht, damit das Ganze in die Hochspannung kippt.
Von dieser, ohne irgendwelche selbstschädigenden Maßnahmen wieder runterzukommen, ist leider unheimlich schwierig. Dafür bedarf es viel der Übung und des Ausprobierens. Vor allem hilft nichts so gut und so schnell, wie die schlechten Ventile und Verhaltensweisen. Auf diese möchte ich wegen der Triggergefahr hier jetzt gar nicht weiter eingehen.
Am schwierigsten finde ich allerdings, dass im normalen Alltag, die Zeit und der Raum dafür oft fehlen, für alternative Strategien. Da kann ich nicht sagen, ich mache jetzt mal 30 Minuten Yoga, hole mir einen Icepack, schreie mal laut im Wald rum oder gehe 3 Stunden Fahrrad fahren. In der Klinik oder der Therapiestunde, habe ich die Gelegenheit mich um nichts anderes zu kümmern. Dies auch noch in einem geschützten Raum, wo mir Profis zur Seite stehen und auch eine spezielle Akzeptanz da ist.
Wobei ich hatte mal eine Therapeutin, die immer, wenn ich in Hochspannung war oder doch wieder mit meinen schädlichen Verhaltensmustern reagiert habe, gesagt hat: “Herr Loosen, dann beißen sie doch mal auf eine Chilischote!” Da hätte ich ja erst recht platzen können und ihr am liebsten geantwortet: “Schieben sie sich ihre Chilischote doch am besten in ihren Arsch!” Das habe ich nicht zu ihr gesagt und damals war ich auch noch nicht so weit, mir wirklich helfen zu lassen. Es war mein erster Klinikaufenthalt und ich völlig überfordert, wie meine damalige Therapeutin wohl auch mit mir. Diesen habe ich dann nach fünf Wochen abgebrochen, wobei die erste Feststellung meines damaligen Therapeuten zu Hause war: “Herr Loosen, ich hätte nicht gedacht, das sie es da so lange aushalten!”
Im alltäglichen Leben kann dies auch schnell geschehen in diese Hochspannung zu geraten, wobei ich die Anzeichen heute viel früher und besser erkennen kann, wenn ich mich auf dem Weg dorthin befinde. Allerdings es passiert und dann besteht nicht ständig die Möglichkeit mich runter zu regulieren. Gerade im beruflichen Alltag ist funktionieren und Leistung erbringen angesagt. Vor allem nicht auffallen und der Norm entsprechen!
Deshalb scheitern auch so viele Menschen mit einer psychischen Störung über kurz oder lang, wenn sie sich wieder in ihrem Alltag befinden und dort gefangen sind. Deshalb bedarf es oft mehrerer Klinikaufenthalte, bis dies gelingt. Auch wenn dies irgendwann gelingt ist es immer noch oft ein großer Kampf, der viel Willen und Mut erfordert, aber in erster Linie Zeit.

Burg Reiferscheid

Sonntag: (18.04.2021)

Wie eigentlich immer bin ich früh am Morgen aufgewacht. Augen auf, Kopf an und mein Schlaf ist vorbei. Nochmal rumdrehen und wegdösen, ist bei mir meistens nie möglich. Oft bin ich sogar froh, dass der Schlaf vorbei und mein wirres Träumen ein Ende findet.
Dafür war am heutigen Morgen kein Eis an meiner Fensterscheibe und es nicht so bitterlich kalt, wie am Rest der vergangenen Woche. Da kann man mal sehen, wohin sich die Wahrnehmung verschiebt, wenn 3 Grad plus am Morgen schon als Fortschritt bewertet werden.

Burg Reiferscheid

Früh aufstehen finde ich allerdings nicht besonders schlimm, ehrlich gesagt liebe ich es. Am Morgen kann ich oft am kreativsten sein und bin auch innerlich am ruhigsten. Gefühlt ist es wie geschenkte Zeit, wenn ich so früh aufstehe. Heute Morgen habe ich diese Zeit genutzt, um in Ruhe meinen Milchkaffee zu trinken, ein bisschen dabei zu lesen und anschließend mich und mein Fahrrad fertig zu machen.
Leider musste ich noch bis 8 Uhr warten, bis ich starten konnte, wollte ich mir doch noch ein paar leckere Bäckerspezialitäten kaufen. Da heute Sonntag war und der Track sonst keine Gelegenheit zum Einkaufen bot, nutze ich lieber diese Chance. Wobei ich gestern beim Kuchenkauf wirklich ein wenig über das Ziel hinausgeschossen bin und meine Vorräte im Bus, für einen mittleren Geburtstagskaffee gereicht hätten. Mit Kuchen ist es allerdings wie mit Fahrrädern, davon kann man nicht genug besitzen. So viel zu dem, was ich gestern geschrieben habe, von wegen einfach und reduziert leben. Ich würde sagen Fahrräder und Kuchen klammern wir da aus!
Heute standen zwei Burgen, ein Kloster und ein Turm auf meinem Programm. Einzeln hatte ich diese Sehenswürdigkeiten schon sehr oft besucht, aber als Gesamtpaket noch nie.

Abtei Steinefeld

Gerade die Burg Reiferscheid stellt ein mittelalterliches Kleinod dar. Vor allem der Blick von unten, wo die Bundesstraße verläuft, ist grandios und lässt erahnen, wie toll das ganze Ensemble früher ausgesehen haben muss. Auch rund um die Wildenburg, welche mein nächstes Ziel darstellte, gibt es sehr viele Aussichtspunkte, um dieses Gemäuer zu genießen. Allerdings sind die Anstiege rund um die Wildenburg nicht von schlechten Eltern, da geht fast nur senkrecht den Berg hinauf.
Am Kloster Steinfeld hielt ich mich heute nicht lange auf, dem hatte ich gestern schon einen Besuch abgestattet. Leider war der schöne Trail, welcher hinunter ins Kuttenbachtal verläuft gesperrt, sodass ich weniger spektakulär außen herumfahren fahren musste.
Den Abschluss bildete der Aussichtsturm auf dem Mühlenberg, direkt bei Marmagen gelegen. An diesem war ich allerdings auch schon sehr oft, sodass ich bei meinem heutigen Besuch darauf verzichtete hochzusteigen. Auf dem Mühlenberg liegt zudem noch die Eifelhöhen-Klinik und solche Einrichtungen erwecken in mir immer sehr gemischte Gefühle. Ähnlich ergeht es mir, wenn ich Städte mit “Bad” im Namen besuche und dort so die typische Kuratmosphäre herrscht. Da weiß ich nie so wirklich was ich davon halten soll und was es mit mir macht, ich habe einfach schon zu viele Wochen in solchen Orten verbracht. Deshalb sehe ich meistens zu, dass ich schnell meinen Weg fortsetze, bevor meine Gefühle zu ambivalent werden.
Zum Glück war ich heute Morgen so früh gestartet, denn ich hatte gerade meinen Kaffee und Kuchen am Bus zu mir genommen, da fing es an zu regnen. So ein bisschen war es abzusehen, bin ich doch am Morgen bei herrlichem Sonnenschein gestartet und im Laufe des Tages haben sich Wolken immer mehr zugezogen. Manchmal muss man einfach Glück haben. Wobei dunkle und wolkenverhangene Sonntagnachmittag sind für mich mit das Deprimiereste, was es gibt und nur ganz schwer zu ertragen.

Da ich Morgen arbeitstechnisch nach Koblenz muss und natürlich alle meine Sachen zu Hause vergessen habe, welche ich dafür Morgen benötige, werde ich heute schon wieder nach Hause fahren. Damit endet fast eine Woche Vanlife und der n’chste Ausflug mit dem Bus wird noch ein bisschen warten müssen.
Nach den super schönen Tagen im Pfälzerwald, hatte mir der Alltag in der Woche nach dem Urlaub, ganz schön zugesetzt. Dieser Wechsel von Urlaub, totaler Freiheit und einfach nur dem nachgehen, was ich liebe und dem “normalen” Leben, ist nie so einfach für mich. Deshalb hat mir diese Verlängerung des unterwegs und im Bus wohnen sehr gutgetan. So konnte ich mich wieder langsam an den Alltag und die Arbeit gewöhnen.
Vor allem bei der Arbeit dauert es immer ein paar Tage, bis alles wieder seinen geregelten Gang geht und ich mich eingegroovt habe.
Auch wenn es nur eine Woche Urlaub war, das E-Mail-Postfach ist trotzdem hoch voll, es gilt sich bei allen Projekten mal nach dem aktuellen Stand zu erkundigen und zu schauen was als nächstes Getan werden muss.

Burg Reiferscheid

Die Objektkonstanz verliere ich bei der Arbeit genauso, wie es mir oft mit Menschen passiert, die ich länger nicht gesehen und keinen Kontakt hatte. Nach jedem Urlaub habe ich so das Gefühl, ich fange dort neu an zu arbeiten.
Ist natürlich objektiv betrachtet völliger Quatsch. Wobei dies bei Gefühlen oft so ist, sie passen nicht immer zur Situation, sind nicht immer angebracht oder angemessen. Sind Gefühle dadurch subjektiv? Darüber habe ich schon oft nachgedacht aber eine befriedigende Antwort auf diese Frage habe ich noch nicht gefunden. Sagen wir mal sie sind sehr individuell.

Die Wildenburg

„Es ist das, was du daraus machst“

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