Schon die 3. Tour!

Tag 1: (07.04.2020)

Auch diese Woche hat das Corona Virus, wie bei wohl jedem, wieder gehörig alles durcheinander gewirbelt, was mein Privat- und Berufsleben angeht.
Über die privaten Konsequenzen bin ich ziemlich traurig, aber leider zurzeit nicht wirklich zu ändern und der Schutz von gefährdeten Personen geht vor.
Deshalb versuche ich das Beste aus meinem Urlaub zu machen und bin wieder mit meinem Fahrrad aufgebrochen, um die vielen neuen Tracks auszuprobieren, welche ich im Winter geplant habe.
Sicherlich, dass ist jetzt keine Bestrafung oder großes Opfer für mich. Es gibt allerdings jemanden, den ich noch mehr liebe wie Fahrradfahren und leider nicht die ganze Woche mit zusammen sein kann.
Flexibel zu sein, dass Beste aus einer Situation zu machen, sich neuen stellen und darauf einlassen, auch wenn etwas unvorhergesehenes passiert oder ungeplantes eingetreten ist, sind Fähigkeiten, welche gerade beim Bikepacking gefordert und geschult werden.
Da ich ein ziemlicher Perfektionist und auch Kontrollfreak bin, was meine eigene Person angeht, ist gerade Bikepacking ein tolles Übungsfeld. Ich liebe Ordnung und Struktur um mich herum, um so einen Ausgleich zu schaffen gegen das Chaos, welches oft in meinem Kopf herrscht. Auch neues macht mir eigentlich immer erst mal Angst, Panik und löst das Gefühl von Überforderung in mir aus.
Während meiner Reisen und Events mit dem Fahrrad, welche ich zu 90% alleine bestreite, konnte ich viel über mich, meine Fähigkeiten, Schwächen und Macken lernen.
Gerade mit nicht geplanten Situationen umzugehen, Vertrauen in mich und meine Ressourcen zu haben, vor allem meinen eigenen Weg zu gehen und mich bei diesem nicht beirren zu lassen, aber auch mal zu scheitern und aufgeben zu müssen, habe ich dadurch gelernt und einiges hat Klick gemacht in meinem Kopf, welches mir auch in meinem sonstigen Leben und Situationen hilft.

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Burg Wernerseck
Nettetal
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Tag 2: (08.04.2020)

Was für ein traumhafter Frühlingstag, mit fast schon hochsommerlichen Temperaturen. Auch die Nacht war mit gut 10 Grad mehr auf dem Thermometer, wesentlich angenehmer wie am vergangenen Wochenende. Allerdings war es mit 120 km und 2750 hm, auch ein richtig harter Tag im Sattel.
Zur Zeit kann man jeden Tag beobachten wie die Bäume grüner werden und fast den Blättern beim wachsen zusehen. Auch die Rapsfelder sind schon gelb am blühen und wenn ich zurück an die Mosel komme, haben wohl auch die Weinstöcke schon ausgeschlagen.
Welche eine Ambivalenz zwischen Mensch und Natur. Die Eine erwacht aus ihrem Winterschlaf, alles wird grün, fängt wieder an zu wachsen, zu gedeihen und zu leben.
Bei uns Menschen liegt alles auf Eis und ist runtergefahren. Das soziale Leben, die Wirtschaft und unser ganzes Leben, wie wir es vor der Corona Pandemie kannten.
Handelt es sich dabei um die Ironie der Natur oder ist es vielleicht ausgleichende Gerechtigkeit?
Im Leben und in der Natur muss sich alles die Waage halten. Jede Entscheidung und jede Handlung hat Konsequenzen und Folgen, wodurch sich die Waagschalen heben oder senken. Am besten geht es ums und unser Umwelt, wenn sich alles im Gleichgewicht befindet. Ohne Gleichgewicht kann man auf Dauer nicht überleben man macht sich und alles andere kaputt. Ich neige (leider) auch oft zu Extremen, wobei dies bei mir viel mit sich spüren zu tun hat oder nichts mehr spüren, je nachdem. Auf jedem Fall ist es auf Dauer äußerst ungesund, führt in den völligen Ruin und in die totale Isolation.
Irgendwann schwingt das Pendel wieder zurück und schlägt umso mehr zu, je mehr wir aus der Mitte geraten sind.
Und unsere Welt, unsere Gesellschaft und die Natur sind völlig aus der Mitte geraten. Wir haben es mit unseren Exzessen was Konsum und Lebensstil betrifft die letzten Jahrzehnte völlig übertrieben. Auch die Ausbeutung der Natur und der schwächeren Menschen und Ländern (Globalisierung) hat ziemlich perverse Formen angenommen. Ständiges Wachstum ist Krebs und kann nicht funktionieren, weil unsere Ressourcen endlich sind.
Irgendwann musste der Ausgleich, der Rückschlag kommen, dass dies so schnell passiert und in Form eines Virus hätte wohl niemand gedacht. Ich dachte, der Klimawandel weist uns in absehbarer Zeit in unsere Schranken und lässt unser System kollabieren.
Aber der Wirtschaftsminister propagiert ja schon wieder, dass unbedingt die Autoindustrie laufen muss. Abwrackprämie 2.0 für Elektroautos! Das andere große Problem was wir anscheinend haben, wann nimmt der Fußball seinen Spielbetrieb wieder auf.
Es läuft wie die letzten 2000 Jahre, Brot & Spiele und das Volk ist beruhigt und beschäftigt.
Außerdem werden Verluste wieder verstaatlicht und auf die Gesellschaft umgelegt, Gewinne werden privatisiert und kommen einer kleinen Minderheit zu Gute.
Ich hätte mir ein paar andere Ideen und neue Ansätze gewünscht. Bedingungsloses Grundeinkommen, eine Transaktionssteuer, kostenloser Nahverkehr, die Schließung von Steueroasen und Steuerflucht, Abschaffung von Berufspolitikern (nur 2 Legislaturperioden), Entflechtung und mehr Transparents von Firmen, Politik und Lobbyismus, viel stärkerer Verbraucherschutz, Rücknahme des Privatisierungswahnsinn und die wieder Verstaatlichung lebenswichtiger Bereiche und und und;

Tag 3: (09.04.2020)

Wünsche euch einen guten Start in die Woche, passt auf euch auf du bleibt gesund!
Zur Zeit mache ich das, worum es beim Bikepacken eigentlich geht. Herrliche Landschaften entdecken und neue Wege scouten, welche ich an langen Winterabenden geplant und zusammengestellt habe.

Gestern habe ich mit der Eifelleiter, einen traumhaften neuen Weg durch die Eifel erkundet. Auf diesen bin ich beim MTB fahren im Winter gestoßen und gilt für mich jetzt schon als die Entdeckung des Jahres. Auch das Sahrbachtal stellte sich als landschaftliches Kleinod heraus, welches ich mal komplett befahren muss. Auch die Ahr kreuzte gestern mal wieder meinen Weg. Allein dort gibt es eine schier endlose Zahl an Wegen und Straßen zu entdecken. Heute ging es zum Rursee, wenn die Eifel mein Wohnzimmer ist, dann ist der Rursee meine Badewanne. Gerade diese Gegend sucht in Deutschland, mit dem Naturpark Eifel, dem Rurtal, dem Hürtgenwald, seinen malerischen Dörfern und den vielen Sehenswürdigkeiten, seinesgleichen an Abwechslungsreichtum und Geschichte.
Ehrlich gesagt bin ich gar nicht so traurig das so ziemlich alle Events in diesem Jahr ausfallen. Ich wollte sowieso wieder mehr back to the roots, mehr Touren für mich alleine fahren, neue Landschaften und Regionen in Ruhe entdecken und meine Liste mit Bikepackingtouren „abarbeiten“. Außerdem das Wegenetz des Eifel Gravellers ausbauen und verbessern, so das ich irgendwann die ganze Eifel erschlossen habe.
Das letzte Jahr habe ich an zuviel Events teilgenommen, war zu verbissen und auch oft drüber was das Radfahren angeht. Sicherlich ist es toll, dort viele neue Gleichgesinnte und alte Bekannte zu treffen, dieses werde ich vermissen. Denn gerade unter Bikepackern trifft mal man viele interessante und sehr individualistische Menschen. Die Motivation dieses Hobby/Sport zu betreiben ist dabei bei vielen die Gleiche.
Die ganze Sache hat aber auch eine andere für mich:
Gerade dieses Ulracycling, über viele Stunden und Tage, bedient bei mir die gleichen Mechanismen und Ventile wie einige andere extreme und ungesunde Verhaltensweisen, welche ich im Laufe meines Lebens entwickelt und gelebt habe.
Zu schauen wie weit kann ich gehen, was kann ich erreichen und leisten, wo liegen meine Grenzen, wie weit kann ich mich treiben und quälen. Dabei geht es viel um Kontrolle, um Perfektionismus, darum mich zu spüren oder nichts mehr zu fühlen und dabei alle Gefühle platt zu bügeln. Auch mich zu bestrafen und mich kaputt mache, waren oft solche Gedanken, welche mich getrieben haben. Etwas wert zu sein, was nur durch Leistung geht, weil die eigene Person dafür ungenügend und minderwertig war. Deshalb ist gerade die Anerkennung, welche mit guten Leistungen beim Radfahrern verbunden ist, Balsam für mein Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. Trotzdem fällt das Annehmen und auf mich stolz sein, sehr schwer!
Ich habe viel zu lange gegen mich gekämpft, anstatt mit und für mich. Es war ein langer Weg bis dorthin, wo ich heute stehe, der nicht immer geradlinig verlief und oft gab es auch Schritte zurück. Aber Veränderung ist möglich und ein lebenswertes Leben ist möglich.
Aber an dieser Stelle soll es mal genug von meiner Geschichte sein. So persönlich sollte es heute gar nicht werden, genauso gestern nicht so politisch.
Wünsche euch alle trotz Corona und der damit verbundenen Einschränkungen ein frohes Osterfest, passt auf euch auf und versucht das Beste daraus zu machen. „Machen ist wie wollen, nur krasser!“

 

 

 

 

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Eifeldom Kalterherberg
Monschau
Radioteleskop Effelsberg
Rursee
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Tag 4: (10.04.2020)

Die Nacht völlig autark, sogar ohne Handyempfang, auf einer Hütte im Prethbachtal verbracht. Das nenne ich mal Social Distance!
Beim ersten Anstieg hinauf am Morgen waren meine Beine noch ganz schön eckig und ich merkte die 125 km mit 1700 hm vom gestrigen Tag noch ganz schön. Auch die Temperaturen, welche unter dem Gefrierpunkt lagen, wurden erst angenehmer, nachdem ich durch die ersten Sonnenstrahlen rollte.
Am meisten Sorgen bereitete mir aber wo ich einen Kaffee auftreiben könnte. Mit Lebensmitteln hatte ich mein Rad gestern schon reichlich bepackt, so dass ich gut über den Feiertag komme.
Gestern hatte ich es auch endlich mal geschafft mich mit Norbert Wortberg am Rursee zu treffen. Er war der Mensch, welcher beim EG19 die Teilnehmer an seinem Campingplatz (www.naturbewegtdich.de), mit Schildern und Getränken in Empfang genommen hat und diese mit seiner Aktion völlig überraschte.

Darüber hinaus hat er im letzten Jahr eines der härtesten Ultracycling Rennen in Europa gefinished, dass TCRNo.9. Dafür meinen größten Respekt und Anerkennung!
Über sein Angebot beim EG20 einen Kontrollpunkt auf seinem Campingplatz zu errichten, wo die Fahrer/innen, kostenlos duschen und zelten dürfen habe ich mich völlig gefreut und dankend angenommen.
Am Weißen Stein bin ich heute auch endlich mal vorbeigefahren. Dort steht doch tatsächlich ein Eifeturm, auf dem ich noch nicht oben war.
Anschließend ging es am Kronenburger See vorbei Richtung Ahr, bevor es nach einigem Auf & Ab galt, den Anstieg zum Nürburgring in Angriff zu nehmen. Vorher verließ ich aber den Track des EG, weil ich noch Wasser und Verpflegung benötigte. In Adenau könnte ich mir noch eine Pizza, welche ich dann zusammen mit noch 3,5 l Wasser und meinem schwer bepackten Gravelbike, die Hohe Acht hinauf zu pedalerien durfte. Aber was ich den Teilnehmern beim EG zumute, gilt selbstverständlich für mich auch. Allerdings hatte ich diese Nummer schon 5 mal.
Eine tolle Hütte zum Übernachten habe ich auch schon gefunden, genieße gerade den herrlichen Sonnenschein und die Geräusche der Natur. Das ist Luxus pur und nahe am perfekten Leben! Die besten Dinge im Leben sind fast immer umsonst oder wir bekommen sie geschenkt.
PS: Meinen Kaffee bekam in Hallschlag am Kronenburger See!

Aussichtsturm Weißer Stein
Abtei Mariawald
Kronenburger Stausee
Reste vom Westwall (Drachenzähne)
Col de Ripsdorf
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Tag 5: (11.04.2020)

Auch ich muss (leider) irgendwann wieder zurück ins richtige Leben und mich um die Kleinigkeiten kümmern, welche den Alltag oft so anstrengend und nervig gestallten. Allerdings weiß man so die kleinen & großen Abenteuer und das Ausbrechen aus dem Alltag noch mehr zu schätzen und zu genießen.
Für heute hatte ich mir nur noch die Abfahrt runter ins Nitztal aufgespart, um durch dieses ganz entspannt zu meinem Auto zu rollen, welches ich in Mayen geparkt hatte.
Das Nitztal gehört zu meinen Top 10 Tälern in der Eifel, bietet spektakuläre Natur und zahlreiche Eifelhighlights. Um mit dem Schloss Bürresheim, der Grube Bendisberg, der schwarzen Madonna, der Wahlfahrtskirche St. Jost und so weiter, nur einige zu nennen.
Wieder nach Mayen zu kommen war ein ziemlicher Kulturschock für mich, vor allem in Coronazeiten. Vor den Läden standen die Menschen in langen Schlangen, um einzukaufen und überall war eine gewisse nervöse Anspannung zu spüren. Szenen die mich an den Alltag in der früheren DDR erinnert haben, welche in meiner Jugend im Fernsehen liefen.
Überhaupt fällt es mir nicht immer so wirklich leicht, nach einer längeren Tour oder einen Event, zurück in mein „normales“ Leben zu kommen.
Gerade dieses Einfache und Reduzierte, gepaart mit dieser grandiosen Freiheit, ist es was für mich so eine Tour ausmacht. Die vielen Erlebnisse und Begegnungen, welche hinter jeder Ecke lauern, gepaart mit der körperlichen Anstrengung, lassen meinen Neurotransmitterhaushalt ständig auf Hochtouren laufen. Einer Sache, mit welcher ich im normalen Leben immer schwer zu kämpfen habe und künstlich nachhelfen muss, um nicht ständig auf der Gefühlsachterbahn zu fahren.
Einen solches Leben mal längere Zeit zu führen und auf diese Art zu reisen, ist ein großer Traum von mir. Dieses war ganz konkret ab Anfang Dezember geplant, allerdings durch Corona erst einmal auf Eis gelegt und wohl um ein Jahr verschoben.
Vor allem die Herausforderung, ob ich überhaupt zu so einem Leben fähig bin, es aushalte über mehre Wochen weg zu sein, fast nur mit mir alleine klar zukommen und mich durch zuschlagen, reizt mich besonders daran. Vielleicht tauche ich nach 2 Wochen auch zähneknirschend und kleinlaut wieder in Deutschland auf?
Auch wenn es nicht so scheint und aussieht, ich bin ein Mensch mit einem großen Sicherheits- & Strukturbedürfnis. Gerade mit Existenz- & Verlustängsten kenne ich mich (leider) sehr gut aus und diese standen mir schon oft im Wege, wenn es darum ging, etwas Neues auszuprobieren und zu wagen. Ob diese Berechtigt sind oder waren, steht dabei auf einem anderen Blatt.
Auch diese Ängste sind wie viele Gefühle/Emotionen bei mir, um den Faktor X verstärkt und können mein Leben äußerst kompliziert und anstrengend gestalten.
Aber für ein Leben in Styropor verpackter Kleinfamilienidylle mit Mini SUV, bin ich leider auch nicht geboren und würde es wohl auch nicht lange aushalten. Wobei die Auswahl an Lebensmodellen auch nicht gerade üppig ist in diesem Land! (Dies ist aber ein anderes Thema!)
Oft weiß ich ziemlich gut, was ich nicht will, allerdings ist das Leben kein Ausschlussverfahren, bei dem automatisch das übrig bleibt, was ich möchte oder wer ich bin.
Wahrscheinlich geht es bei mir auch einfach um das Suchen & Ausprobieren und weniger um das Ankommen. Wobei ich die letzten Jahre ziemlich viel über mich erfahren, verstanden und akzeptiert habe. Im Großen und Ganzen auf einen guten Weg bin und mich freue, auf das was noch kommt.
Wie sich im Moment mal wieder zeigt, ist die einzige Konstante im Leben, es wird immer spannend beleiben, genau wie die Zeiten, in denen wir augenblicklich leben. Es kommt halt darauf an, wie wir damit umgehen und was wir daraus machen, so abgedroschen dies auch klingt!

 

 

 

 

 
Heimbach
Oleftalsperre
Rursee

„Es ist das, was du daraus machst“

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