Von Phasen & Zyklen!

Samstag: (20.02.2021)

Der Winter ist vorbei habe ich für mich beschlossen, es reicht mir! Es wird Zeit für den Frühling, adieu depressiver Winterschlaf, Tschüs mangelnde Energie und auf Wiedersehen Kreativlosigkeit! Dafür Hallo und Willkommen neue Ideen und Projekte!
Klar, werdet ihr jetzt denken, einfach den Schalter umlegen und losgeht es. Was den Frühling als Jahreszeit mit Temperatur und Wetter betrifft, habt ihr wohl recht. Geht es aber um meinen inneren Frühling, läuft das genauso.
Die Tage werden wieder länger, die Zugvögel kommen zurück, es riecht schon anders in der Natur und es lässt sich viel freier atmen. Genauso wie die Natur erwache auch ich so Mitte bis Ende Februar aus meinem Winterschlaf. Die ersten Knospen und Blüten in Form von Projekten und Ideen sprießen in meinem Kopf und endlich fühlt sich wieder alles lebendig und nach Leben an!
Meine Phasen und Zyklen kenne ich mittlerweile sehr genau. Mich genau kennen, heißt allerdings nicht, mich auch immer zu verstehen oder alles erklären zu können. Daran werde ich wohl immer arbeiten und es stellt meine Lebensaufgabe dar. Zumindest sehe ich mittlerweile ziemlich schnell meine Mechanismen und erkenne, wenn mal wieder typische Verhaltensweisen oder bestimmte Strategien am Laufen sind. Auch um die Jahreszeiten oder Anlässe weiß ich gut Bescheid, wann ich darauf mehr achten und mich aufpassen sollte.
Wobei ich immer noch oft wie eine unbeteiligte dritte Person daneben stehe, alles beobachte und genau mitbekomme, wenn mal wieder Dinge suboptimal laufen und alte Überlebensstrategien die Oberhand gewinnen. Ich dann immer noch viel zu oft nicht fähig bin einzugreifen, es abzustellen oder einfach zu ändern, weil einfach mal wieder alles so scheiße kompliziert und überfordernd in meinem Kopf ist. Zum tausendmal derselbe Film in meinem Leben läuft, aber weder die Stop-, noch die Pausetaste auf der Fernbedienung funktioniert, obwohl ich immer sehr auf meine Batterien achte.
Das Wissen um meine Phasen und Zyklen, das Krisen auch wieder vorbeigehen und auf Regen Sonnenschein folgt, helfen mir allerdings sehr und mittlerweile ist da auch ein zartes Vertrauen in meine Fähigkeiten und Ressourcen.

Dies war nicht immer so! Früher gab es immer nur ein Gefühl, einen emotionalen Zustand bei mir. Die Vorstellung oder die Gewissheit, dass sich dieser auch wieder ändern kann oder es auch andere gibt, gab es nicht. Dabei machte es auch keinen Unterschied, ob es mir gut oder schlecht ging, ein anderer Zustand war unvorstellbar und nicht existent.
Mittlerweile weiß ich vor allem, dass meine Phasen und Zyklen sehr Jahreszeitabhängig sind oder einfach Lichtabhängig. Durch die kürzen Tage im Winter und den Mangel an Helligkeit, produziert der Körper viel mehr Melatonin. Diese macht schlapp, antriebslos und depressiv. Mit den sinkenden Temperaturen sinkt auch meine Stimmung. Vor allem leidet meine Kreativität und mein Tatendrang völlig darunter, was ich total hasse. Zu fast allem muss ich mich mühsam aufraffen und für die einfachsten Dinge benötige Stunden, weil ich den Hintern nicht hochbekomme, mich von allem ablenken lasse und mich ständig am verzetteln bin.
Diesem wirke ich seit einem Jahr mit einem Antidepressiva entgegen, welche den Serotonin Haushalt erhöht oder besser gesagt diesen blockiert und dadurch die Konzentration von Serotonin erhöht.’
Gegen die Einnahme von Psychopharmaka habe ich mich fast 20 Jahre gewehrt, wenn mein Arzt mal wieder damit um die Ecke kam. Wenn er schon anfing mit: “Herr Loosen, soll ich ihnen nicht vielleicht doch, so ein bisschen zur Unterstützung, wir könnten das doch mal probieren, was verschreiben?” Das habe ich dann immer dankend und ganz schnell abgelehnt. Im Nachhinein gesehen völlig bescheuert von mir, ich hätte mir mal viel früher etwas verschreiben und einfach helfen lassen sollen.
Aber wie fast immer bei mir, muss das Kind erst fast im Brunnen liegen, bevor ich einsichtig werde und mich einlasse. So war es auch beim Thema Psychopharmaka.
Letztes Jahr im Februar ging es mir dermaßen schlecht, dass mein Therapeut schon wieder von einem Klinikaufenthalt zu reden anfing und bei mir alle Alarmglocken angingen. Dies wollte ich auf keinem Fall, weil ich nicht schon wieder so lange krankgeschrieben sein wollte und bei meiner neuen Arbeitsstelle ausfallen würde. Auch finanziell war das nicht schon wieder drin, da ich nicht mehr viele Monate Anspruch auf Krankengeld hatte und es auch wesentlich weniger Geld ist, wie ich normalerweise verdiene. Außerdem den dritten Klinikaufenthalt in drei Jahren und mein sechster insgesamt, wollte ich mir auf keinem Fall geben. Denn ein sogenannter Drehtürpatient wollte ich auf keinem Fall werden.
Da ich aber trotzdem an meiner Situation etwas ändern musste, kam ich dieses Mal mit der Idee mir ein Medikament verschreiben zu lassen. Das Gesicht meines Therapeuten könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen, vor Erstaunen und Überraschung, war das Thema Klinik völlig vom Tisch und er zückte sofort seinen Medikamentenblock. Es kann natürlich auch sein, es war ein ganz geschickt eingefädelter Plan vom ihm, um mir eine Medikation schmackhaft zu machen oder böse gesagt, unterzujubeln. Wer weiß?

Dieses Medikament lässt mich jetzt nicht breit grinsend und auf Wolke sieben schwebend durch die Welt laufen. Solche Tabletten gibt es auch und können auch mal wirklich nett und hilfreich sein. Vor diesen habe ich allerdings einen heiden Respekt und ziemliche Panik. Vor allem eigenen sich diese hervorragend zum Scheiße bauen und machen schnell abhängig. Bei meiner Impulsivität und Suchtveranlagung keine wirklich gute Idee!
Bei Antidepressiva sind diese Gefahren nicht gegeben, von Heute auf Morgen sollte man diese zwar auch nicht absetzen, sondern langsam ausschleichen aber sie spielen in einer anderen Liga wie diese ganze Benzodiazepin Gruppe.
Diese Serotoninwiederaufnahmehemmer wie sie genannt werden und was wie ich finde, ein völlig martialisches Wort dafür ist, helfen mir allerdings sehr dabei die Spitzen abzufedern. Dabei sowohl die nach unten, wie auch die nach oben, was meine Stimmung betrifft. Über diese Hilfe bin ich mittlerweile wirklich froh und dankbar, verlangsamen sie doch die Schnelligkeit und Heftigkeit meiner Gefühlsachterbahn.

Wie oben schon beschrieben weiß ich mittlerweile sehr um meine Zyklen und von daher weiß ich, dass so ab Mitte Februar bei mir der innere Frühling anfängt. Vor allem meine Kreativität was Pläne und Ideen angeht, läuft dann wieder an und innerhalb von kürzester Zeit auf Hochtouren.
Es gibt auch schon zwei konkrete neue Projekte, an denen ich am Arbeiten und an der Umsetzung ich am feilen bin. Allerdings werde ich wohl nur Zeit, b.z.w. Urlaub für eins von beiden haben. Deshalb will ich noch weiter nichts verraten, weil noch viel Planung von mir zu leisten ist und ich mit ein paar Menschen reden muss. Drückt mir die Damen, dass es mir gelingt, die Projekte zu verwirklichen!
Auch die zwei Projekte rund um den Eifel Graveller, welche ich hier früher schon mal angedeutet habe, sind mittlerweile abgeschlossen und wie ich finde, mir sehr gut gelungen, (auch wenn Eigenlob stinkt).
Sie erfüllen mich mit Stolz, wenn ich sehe was aus meinen Bikepackingtouren und einer meiner typischen verrückten Ideen geworden ist. Gerade auf etwas Stolz sein, was mit meiner Person zusammenhängt oder dem, was ich geleistet habe, ist nicht wirklich einfach für mich. Neige ich doch eher zur Abwertung, wenn es um mich, meine Erfolge und Leistungen geht.
Aber auch auf diese beiden Projekte möchte ich noch nicht weiter eingehen und die Details verraten. Es wird zu beiden in der nächsten Zeit einen größeren Blogbeitrag geben und auch auf meinen Social Media Kanälen auftauchen! Ich freue mich schon wie ein kleines Kind auf die Veröffentlichung und die Reaktionen!

Vor allem kommt im Februar die Lust aufs Fahrradfahren wieder zurück bei mir. Auf Bikepackingtouren, ganz viel draußen und unterwegs sein. Neue Abenteuer erleben und mit dem Fahrrad mir bisher unbekannte Gegenden erkunden. Vor allem neue und inspirierende Menschen kennenzulernen, rund um das Thema Fahrrad und Bikepacking. Alte Bekannte und gute Freunde treffen, um mit diesen eine gute Zeit zu verbringen.
Fahrrad bin ich eigentlich den ganzen Winter gefahren, wobei ich mich an keinen Winter erinnern kann, wo ich so wenig mit Fahrrad draußen unterwegs war, wie in diesem. Selbst mit dem Traktor (29er) hat es in diesem Winter keinen Spaß gemacht draußen zu fahren. War doch das Wetter die meiste Zeit mehr wie bescheiden und gefühlt hat es an einem Stück geregnet!
Dafür gab es fast keinen Tag an dem ich nicht ein oder zwei Stunden auf der Rolle gesessen und mich bei Zwift herumgetrieben habe. Aber das mit dem online und drinnen fahren, reicht jetzt auch, wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich Rolle fahren super finde. “Krank”, werden jetzt viele denken aber für mich hat dieses monotone Treten und die tägliche Regelmäßigkeit, mit der ich das Fahren auf der Rolle betreibe, ganz viel mit Struktur und Ritualen zu tun. Es strukturiert meinen Tag, hilft mir sehr mit dem Essen stabil zu bleiben und ein halbwegs gutes Körpergefühl zu haben. Sicherlich ist auch viel Zwanghaftes dabei und mal einen Tag nicht fahren, lässt schon Panik in mir aufkommen und mein schlechtes Gewissen meldet sich. Dies muss ich leider auch zugeben aber ich versuche die Grenze im Auge zu behalten und gut auf mich aufzupassen.
Gerade das, mit dem gut auf mich aufpassen, war die letzten Wochen nicht besonders einfach, das habe ich schon in meinem letzten Blogbeitrag erwähnt. Ehrlich gesagt gab es einige Rückfälle in alte Muster und Verhaltensweisen, um es nett zu umschreiben. Vor allem durften auf keinem Fall, noch mehr Kilos runter. Denn ab einer bestimmten Kilozahl kommt bei mir die Bulimie und das wäre der völlige Anfang vom Ende gewesen. Es gibt kaum etwas, das mehr erniedrigt, wie Bulimie und einen Fressanfall zu haben. Völlig die Kontrolle über sich und sein Essverhalten zu verlieren, kilo- und literweise Lebensmittel in sich reinzustopfen, anschließend wieder alles auszukotzen, um es ungeschehen zu machen und bloß nicht zuzunehmen. Sich selber mehr zu erniedrigen geht in meinen Augen kaum, da ist sogar Betteln und Prostitution besser, da bekommt man wenigstens Geld.
Aber Lebensmittel, die wie der Name eigentlich sagt, Mittel zum Leben darstellen, für seine Sucht zu missbrauchen, ist eine ganz harte Nummer. Diese Erfahrung und die damit verbunden Gefühle, wünsche ich niemanden. Bulimie, wie jede andere Form einer Essstörung oder Sucht, ist mit soviel Lügen, Betrügen, Scham und Heimlichkeiten verbunden, was ab einem gewissen Punkt fast unerträglich wird für den Betroffenen! Man empfindet sich als dermaßen pervers und abnormal, wenn der Rausch und die Befriedung des FA’s vorbei ist. Was folgt ist die völlige Abwertung, der Wunsch sich zu bestrafen, weil man es wieder nicht geschafft hat, sich zusammenzureißen und die Kontrolle zu behalten. In meinem Fall folgte dann oft die Selbstverletzung und ich schnitt mir meine Arme auf!
Ab Februar geht es, passend zum inneren Frühling, auch immer mit meinem Essverhalten nach oben, das Getingel darüber in meinem Kopf wird weniger und auch schwierige Lebensmittel sind wieder einfacher in meinen Speiseplan einzubauen. In diesem Jahr habe ein bisschen auf meinen alten Essensplan aus einem meiner Klinikaufenthalte zurückgegriffen, damit ich wieder mehr Struktur bekomme, was die Essenszeiten, Menge und mögliche Lebensmittel angeht.
Auch zum gefühlten hundertsten Mal habe ich die ganze Problematik mit meinem Therapeuten durchgekaut. Wobei das mittlerweile schnell geht, er weiß genau welche Fragen er mir stellen muss, auf was hinweisen und mir wieder in Erinnerung rufen. Eigentlich weiß ich das alles selber sehr genau und mit dem Thema Essen kenne ich mich sogar noch besser aus, wie mein Therapeut. Er ist schließlich kein Ökotrophologe und auch nicht auf Essstörungen spezialisiert. Wahrscheinlich komme ich deshalb so gut mit ihm klar, weil er lieber nach den Gründen und Mechanismen schaut und nicht nur nach Gewicht, Essensplan und der Zunahmekurve. Auf diesen Dingen wird in Kliniken viel zu viel herum gerieten und der Schwerpunkt gelegt.
Im Grunde genommen ist jede Sucht ziemlich gleich gestrickt und was das Thema Essen angeht, kann mir mein Therapeut nicht mehr viel beibringen, da bin ich wie es so schön heißt, austherapiert. Aber mir die Mechanismen und Hintergründe immer wieder vor Augen führen, bis ich es irgendwann mal endgültig kapiert habe, diese Aufgabe übernimmt er immer wieder (gerne).

Es ist bestimmt auch ein gutes Stück rückversichern von mir mit dabei oder besser gesagt die Erlaubnis zu bekommen, essen zu dürfen, so abstrakt das jetzt auch klingt, wenn wir über meine Essproblematik reden.
Deshalb hat gerade das Essen und Zunehmen, während meiner Klinikaufenthalte immer sehr gut funktioniert, weil ich da völlig die Verantwortung abgeben konnte. Um solche Dinge wie Einkaufen, Essensmenge oder was ich essen darf, musste ich mir keinen Kopf machen und hatte auch gar keinen großen Einfluss darauf. Es war sogar alles vertraglich geregelt, weil fast immer ein Gewichtsvertrag mit dem Essgestörten abgeschlossen wird. Dort steht genau drin, wie viel man in einer Woche zunehmen muss und wenn nicht, was die Konsequenzen sind. Der Rest steht im ausgehandelten Essensplan und wird im Essprotokoll dokumentiert und kontrolliert.
Dieses Ganze Verantwortungs- und Erlaubnisding hat viel mit gönnen können und Selbstwert zu tun, beides Dinge, wo Essgestörte große Schwierigkeiten mit haben. Außerdem spielt dieses völlig ausgeprägte Kontrollbedürfnis, der Wunsch nach Perfektion und nur durch Leistung das Anrecht haben, geliebt zu werden, sehr dort mit hinein.
An vieles muss ich von Zeit zu Zeit wieder erinnert werden oder mir wieder vor Augen führen, wenn ich in alte Muster verfalle und drohe wieder in die ES zu rutschen.
Aber mich dafür entscheiden, bis hier hin und nicht weiter, kann nur ich alleine und muss es mir wert sein. Diese Verantwortung kann mir niemand abnehmen oder für mich tragen!
Auch hilft es mir sehr, mir zu überlegen, was ich alles wieder verlieren würde oder welche Konsequenzen es hätte, wenn ich wieder zurück in die Essstörung gehe.
Es ist halt einfach ein langer Prozess, der seine Zeit benötigt und nicht von Heute auf Morgen funktioniert. Allerdings ist gerade der Faktor Zeit oft der Killer. Im normalen Leben ist man schon so mit Alltag zugeballert, Arbeiten gehen, sich um die Familie kümmern, Wohnung und Haushalt auf die Reihe bekommen und so weiter, ohne den ganzen Freizeitstress den wir uns oft noch antun. Dieses ständige Hamsterrad, welches einen so oft daran hindert bei sich zu sein oder sich seiner mal wieder bewusst zu werden. Dies ist oft meine größte Schwierigkeit, dass zu viele Dinge gleichzeitig und ständig passieren, wodurch es immer schwieriger wird, die richtigen Entscheidungen zu treffen, bei sich zu bleiben und gut mit sich umzugehen. Dabei rächt es sich immer, wenn man ständig über seine Verhältnisse oder auf der Überholspur lebt, vor allem aus emotionaler Sicht. Wird einem die ständige Überforderungsspirale dann bewusst, ist es oft schon zu spät, weil die persönliche Belastungsgrenze schon viel zu lange überschritten ist! Die Work-Life-Balance, wie es so schön auf Neudeutsch heißt.
Jetzt habe ich aber mal wieder ganz schön weit ausgeholt, dabei sollte es um meinen inneren Frühling, meine wiedererwachte Kreativität und meine Pläne für dieses Jahr gehen. Vor allem über mein tolles Wochenende in der Eifel, mit diesem super Wetter, welches den Frühling erahnen lässt und soviel Lust auf mehr und Leben macht.
Aber darüber werde ich Morgen noch ein bisschen schreiben, da ich mich das ganze Wochenende in der Eifel aufhalten und auch am morgigen Tag, dieses wunderbare Wetter für eine MTB Tour nutzen werde!

Sonntag: (21.02.2021)

Der Winter ist vorbei habe ich für mich beschlossen, es reicht mir! Es wird Zeit für den Frühling, adieu depressiver Winterschlaf, Tschüs mangelnde Energie und auf Wiedersehen Kreativlosigkeit! Dafür Hallo und Willkommen neue Ideen und Projekte!
Klar, werdet ihr jetzt denken, einfach den Schalter umlegen und losgeht es. Was den Frühling als Jahreszeit mit Temperatur und Wetter betrifft, habt ihr wohl recht. Geht es aber um meinen inneren Frühling, läuft das genauso.
Die Tage werden wieder länger, die Zugvögel kommen zurück, es riecht schon anders in der Natur und es lässt sich viel freier atmen. Genauso wie die Natur erwache auch ich so Mitte bis Ende Februar aus meinem Winterschlaf. Die ersten Knospen und Blüten in Form von Projekten und Ideen sprießen in meinem Kopf und endlich fühlt sich wieder alles lebendig und nach Leben an!
Meine Phasen und Zyklen kenne ich mittlerweile sehr genau. Mich genau kennen, heißt allerdings nicht, mich auch immer zu verstehen oder alles erklären zu können. Daran werde ich wohl immer arbeiten und es stellt meine Lebensaufgabe dar. Zumindest sehe ich mittlerweile ziemlich schnell meine Mechanismen und erkenne, wenn mal wieder typische Verhaltensweisen oder bestimmte Strategien am Laufen sind. Auch um die Jahreszeiten oder Anlässe weiß ich gut Bescheid, wann ich darauf mehr achten und mich aufpassen sollte.
Wobei ich immer noch oft wie eine unbeteiligte dritte Person daneben stehe, alles beobachte und genau mitbekomme, wenn mal wieder Dinge suboptimal laufen und alte Überlebensstrategien die Oberhand gewinnen. Ich dann immer noch viel zu oft nicht fähig bin einzugreifen, es abzustellen oder einfach zu ändern, weil einfach mal wieder alles so scheiße kompliziert und überfordernd in meinem Kopf ist. Zum tausendmal derselbe Film in meinem Leben läuft, aber weder die Stop-, noch die Pausetaste auf der Fernbedienung funktioniert, obwohl ich immer sehr auf meine Batterien achte.
Das Wissen um meine Phasen und Zyklen, das Krisen auch wieder vorbeigehen und auf Regen Sonnenschein folgt, helfen mir allerdings sehr und mittlerweile ist da auch ein zartes Vertrauen in meine Fähigkeiten und Ressourcen.

Was für ein tolles Wochenende mit Guido in der Eifel, genauer gesagt in Roetgen. Das ganze Wochenende herrschte in mir das Gefühl, nach dem langen Winter, endlich wieder nach Hause gekommen zu sein. Gerade das Gebiet rund um den Rursee, Richtung Belgien und den Ardennen gehört zu meinen absoluten Lieblingsgebieten in der Eifel. Wie ich an diesem Wochenende wieder feststellen musste, gibt es noch unzählige Täler, Flüsschen und Anstiege, welche es noch zu erkunden gibt. Der Abwechslungsreichtum hier in der Eifel sucht wirklich seinesgleichen!
Wie immer, wenn Guido und ich zusammen unterwegs sind, haben wir einen heiden Spaß, es wird viel gelacht und herumgealbert. So wie Tiere den ganzen Winter im Stall verbracht und im Frühjahr wieder raus auf die Weide dürfen, ging es auch Guido und mir. Endlich wieder raus, draußen und frei sein, da sind wir uns völlig ähnlich!
Roetgen kannte ich bisher nur vom durchfahren bei meinen zahlreichen Touren durch die Eifel. Führen doch durch die Roetgen drei der längsten Rad- und Wanderwege der Eifel. Zu einem die Trans Eifel, bei der es sich um eine MTB Strecke von Düren nach Trier handelt. Auch der Track des Eifelsteigs führt durch diese Stadt, wohl der bekannteste Fernwanderweg in der Eifel. Vor ein paar Jahren bin ich diesen mal mit dem MTB abgefahren aber leider nur bis zum Truppenübungsplatz Wollseifen gekommen. Dort sind mir, bei einem Überschlag mit meinem 29er, zwei Speichen gebrochen und leider konnte ich meine Fahrt bis nach Aachen nicht fortsetzen, sondern bin am nächsten Tag über die Straße zurück an die Mosel gefahren.
Mit der Vennbahn führt der längste Eisenbahnradweg der Eifel ebenfalls durch Roetgen. Dieser Fahrradweg gehört nicht zu meinen Favoriten, denn er zieht sich wie Kaugummi und ist tödlich monoton. Er stellt aber die schnellste und vor allem flachste Verbindung von Aachen in die Region Gerolstein / Prüm dar und wird deshalb ab und zu von mir genutzt, um zurück an die Mosel zu gelangen.

Außerdem liegt Roetgen genau auf der Deutsch-Belgischen Grenze, weshalb es von Guido und mir als Treff- und Startpunkt für unser Wochenende gewählt wurde. Denn auf der einen Seite vom Vennbahnradweg befindet sich Belgien und auf der anderen Deutschland. Aufgrund der Coronabeschränkungen besteht ein Einreiseverbot für Deutsche nach Belgien. Guido darf allerdings in Deutschland Fahrrad fahren, vor allem weil er regelmäßig aufgrund seiner Arbeit getestet wird. Unsere Busse standen 50 Meter von der Grenze entfernt und sowohl von Belgien, wie von Deutschland konnte man auf diesen Parkplatz gelangen. Auch Abstand halten, so das jeder völlig autark für sich war, mit zwei Bussen kein Problem.
Oft gilt es ein bisschen zu improvisieren, sich etwas einfallen zu lassen und kreativ zu werden, um seine Ziele zu erreichen.
Auch mit den Bussen oder wie es in hippen Influenzakreisen heißt “Vanlife”, sind Guido und ich auf einer Wellenlänge. Es stellt für uns den Gipfel an frei sein und Luxus dar.
Es ist das Spielzeug für den alternden Mann, seine Man Cave und hat das Cabrio abgelöst, wenn es um das Thema Midlifecrisis geht. Bleibt zu hoffen, dass die 18-jährige auch noch bald folgt, wo der Bus ja jetzt da ist, damit das Klischee erfüllt wird! (Das war ein Scherz!)

Aber wie glücklich und zufrieden 6 qm machen können und auf diesen einfach leben!
Einfach leben in Form von sehr reduziert, was Platz und Besitz angeht. Einfach Leben im Sinne von sich im Hier und Jetzt zu befinden. Vor allem sind die Ablenkungen völlig reduziert und Zerstreuungen völlig reduziert, wodurch das Leben gleich schon mal viel achtsamer und bewusster stattfindet.
Diesen Lebensstil möchte ich unbedingt weiter ausbauen und noch viel mehr so leben. Gerade viel zu besitzen, stresst mich ungemein, weil ich mich dann um viel kümmern muss, für vieles die Verantwortung trage und es unheimlich viel meiner Zeit bindet.
Viel zu besitzen befeuert auch sehr meine Verlustängste, an denen ich vor allem früher unheimlich gelitten habe. Diese war und ist, für einige komische Verhaltensweisen verantwortlich oder wie ich mich in bestimmten Situationen verhalte. Gerade Verlustangst steckt oft hinter vielem meiner Schwierigkeiten, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Wer in der Annahme oder in dem Gefühl lebt, er wird jemanden oder etwas sowieso verlieren, fängt ab einem gewissen Punkt an, es selber kaputtzumachen. Er beendet es auch deshalb lieber selbst, um die Kontrolle nicht zu verlieren und kann so den Zeitpunkt bestimmen.
Durch dieses Verhalten kann man sich auch hervorragend in die Rolle des “Bösen” manövrieren. War ich es ja, der alles kaputt gemacht und es beendet hat. Dies bestärkt und befeuert dann auch wieder schön die eigene Überzeugung, dass man sowieso nichts hinbekommt, alles falsch macht und nichts wert ist. Dieser ganze Mechanismus hat auch viel mit dem schon öfter von mir beschriebenen Nähe und Distanz Problem zu tun und diesem intensiven Wahrnehmen und Fühlen.
Wobei ich bei vielen von diesen Themen, welche doch sehr mit meiner Diagnose F 60.31 verknüpft sind, mittlerweile eine Vermeidungsstrategie fahre. Mich am besten erst auf gar nichts einlassen oder noch besser, schon der Chance dazu aus dem Weg gehen. Klar, die Lösung ist nicht ideal und hat auch ihre Nachteile. Denn eine Beziehung zu führen, danach sehne ich mich mittlerweile schon mal wieder sehr. (Was eine vorsichtige Umschreibung von mir, damit das Thema bloß nicht zu hoch bei mir kommt und schön in der untersten Schublade verbleibt, wo ich es hin verbannt habe.) allerdings wird mich eine Vermeidungsstrategie da nicht nie ans Ziel führen.
Wobei auch weniger facettenreiche Menschen (komisch soll ich nicht sagen), dass Thema Beziehung oder Partnersuche nicht viel besser auf die Reihe bekommen. Wobei wer gibt schon gerne zu, dass er auf der Suche ist oder sich nach einer Partnerschaft sehnt. Das erweckt direkt den Eindruck nach Verzweiflung und Unfähigkeit. So den Makel des Ladenhüters, da verkauft sich der trendige und unabhängige Single doch viel besser. Dabei ist das völliges Schubladen- und Scheibendenken, bei dem ich mich allerdings selbst oft ertappe. Aber Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung!

Genau wie dieses Wochenende, welches ich so dringend nötig hatte und in vollen Zügen genossen habe. Im Hier und Jetzt zu sein, wieder draußen unterwegs und neue Gegenden entdecken, einfach unbezahlbar. Den Wind und die Sonne spüren, von beidem gab es reichlich in den zwei Tagen hier in der Eifel und wieder eins mit mir selber werden.
Auch die Fahrradtouren boten wieder alles, was die Eifel im Angebot hat. Den nächsten Eifelturm kann ich von meiner Liste streichen, es gab neue Bunker und Höckerlinien des Westwalls zu entdecken. Viele Gewässer, Stauseen und Flüsse gab es zu bestaunen, von den tollen Aus- und Fernblicken ganz zu schweigen.
Da ich nach langer Zeit auch mal wieder mit dem MTB in der Eifel unterwegs war und nicht mit meinem Gravelbike, durften die Tracks auch ein bisschen technischer und traillastiger ausfallen. Gerade Trails gibt es in dieser Gegend in allen Formen und Schwierigkeitsgraden, diese zu entdecken und “bezwingen”, kann ich jedem Mountainbiker nur empfehlen.
Dieses Wochenende stellte somit den offiziellen Start in die Fahrrad- und Bikepackingsession 2021 dar, dem noch viele folgen werden. Die Tracks für meine zukünftigen Abenteuer liegen schon alle auf meinem Laptop. Zu jeder Region, welche ich besuchen will, gibt es eine uMap Karte oder eine Collection auf Komoot. Die freien Wochenenden sind schon ausgesucht und der Urlaub eingetragen und genehmigt. Bin ich doch in diesem Jahr in der glücklichen und komfortablen Situation 42 Urlaubstage zu besitzen. Bei meinem Arbeitgeber war es bei den letzten beiden Tarifverträgen möglich, sich anstatt für Geld, für Urlaub zu entscheiden. Da musste ich nicht lange nachdenken, was ich auswähle! Freie Zeit, ist durch kein Geld auf der Welt zu ersetzen, dass weiß ich aus eigener Erfahrung.

Geplant sind Reisen nach Luxemburg, in den Pfälzer Wald, die Transbayerwald und die Strecke vom Ruhrtal Gravel will ich befahren. Es gibt eine neue Seite mit einem hammerharten Track fürs Rennrad durch die Ardennen, beim Dirty Boar habe ich mich beworben und so weiter. Nur einen konkretes Bikepackingevent habe ich noch nicht gebucht. Es gibt da einige, welche mich reizen würden, allerdings sind diese alle im Ausland. Dadurch sind sie logistisch sehr anspruchsvoll, was Zeit und Geld angeht nicht zu unterschätzen. Vor allem aufgrund von Corona kaum planbar, weil absolut nicht absehbar ist, wie sich die Situation entwickelt, was reisen ins Ausland und das Durchführen von Events generell angeht. Dieses Damoklesschwert schwebt auch über dem Eifel Graveller, ich hoffe allerdings sehr, er kann stattfinden! Mit einem Vorabtreffen, gemeinsamen Frühstück und Start mit der Klottener Fähre!
Ich hoffe sehr, ihr hattet ein ähnlich geiles Wochenende wie Guido und ich und wünsche euch einen guten Start in die Woche!

„Es ist das, was du daraus machst“

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